Agentenjagd

Agentenjagd Cover

Cover / Foto: Schmidt Spiele

Den Start in das Jahr 2018 hatte man bei Schmidt Spiele sicher etwas anders geplant. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg wurde das Spiel Agentenjagd mit speziellen Aktionen und dem passend gekleideten Schauspieler Friedrich Liechtenstein als Agent vor Ort gepusht, es sollte die innovative Spielidee sein, mit der man sich am Markt hervor heben wollte. Doch dann kam wa(r)s(ch) dazwischen ;-) Gemeint ist der Erfolg der beiden Veröffentlichungen des Newcomer-Autors bei Schmidt Spiele (Die Quacksalber von Quedlinburg, Ganz schön clever!), welche beide zum Kennerspiel des Jahres nominiert wurden und eines den Titel auch gewinnen konnte. Daneben ist der hoffnungsvolle Titel, der Brettspiel und App vereint, etwas untergegangen. Doch heute möchte ich ihn euch vorstellen. 

Spielmaterial: 

Die große Spielschachtel ist leider mehr Schein als sein. Sie offenbart vier kleine Plastik-Miniaturen der Spione, ein paar Aktionskarten und einen faltbaren Spielplan. Zusätzlich wird die App benötigt, welche es kostenfrei zum Download für iOS und Android gibt.

Agentenjagd Spielkarten

Spielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Die App übernimmt quasi die Rolle eines Spielleiters, sie bestimmt den Aufenthaltsort des Spions, den die anderen Spieler finden wollen. Außerdem legt sie die Orte fest, an denen die Spieler starten und wo sich auf jedem Kontinent der Informant aufhält.  Auf dem Spielplan, der die sechs Kontinente mit ausgewählten Städten und Verbindungen zwischen ihnen zeigt, könnend die Miniaturen entsprechend platziert werden. Dann wird die App reihum gegeben, jeder Spieler darf in seinem Zug bis zu zwei Aktionen ausführen. Eine Option ist die Bewegung zu einer anderen Stadt. Von jedem Ort gibt es maximal vier Verbindungen zu anderen Orten, diese sind farblich unterschiedlich. Jede Farbe steht für ein anderes Verkehrsmittel. Die App zeigt nur die Verkehrsmittel an, die am aktuellen Ort gerade zur Verfügung stehen.

Agentenjagd Spielplan

Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Auf jedem Kontinent ist ein Informant zu finden. Dazu muss man seinem Zug an dem Ort beenden, wo der Informant sich aufhält. Dies bestätigt die App am Ende des Zuges geheim. Wenn man dann später diesen Kontinent verlässt, erhält man Karten als Belohnung. Vier wenn man der erste war, danach immer eine Karte weniger. Die Karten werden vom verdeckten Stapel gezogen. Es steht dann eine weitere Aktionsmöglichkeit zur Verfügung, die Nutzung der Karteneffekte. Jede Karte zeigt eine Kombination aus X und O, welche man in der App eingeben kann. Die Ergebnisse der Aktionen erfährt man erst am Ende des eigenen Zuges. Dann erscheinen geheime Nachrichten, die man nur lesen kann, wenn man mit dem Finger darüber fährt. Danach sollte man die Nachricht virtuell vernichten, bevor das Smartphone weiter gegeben wird.

Agentenjagd App

App / Foto: Brettspielpoesie

Nur über solche Aktionskarten ist es möglich, Informationen zum Ort des gesuchten Spions zu erhalten. Man kann sich sagen lassen, wie viele Felder er von der eigenen Figur oder der eines Mitspielers entfernt ist, auch in welche Richtung man ihn findet. Dafür benötigt man jedoch die richtigen Karten. Man kann auch ein zufälliges Verkehrsmittel sabotieren, Flug-häfen schließen oder mit dem Fallschirm ans andere Ende der Welt fliegen. Ist man der Meinung den Ort des Spions zu kennen, bewegt man seine Figur dorthin und führt die Aktion Spion fangen aus. Nun wird der Spion entweder geschnappt oder der aktive Spieler muss eine Runde aussetzen.

 

Spielende:

Es wird solange gespielt, bis ein Spieler den Aufenthaltsort des Spions erreicht hat und dort erfolgreich nach ihm sucht. Dieser Spieler gewinnt die Partie.

Spieleranzahl:

Zu zweit hat es uns keinen Spaß gemacht. Es sollten schon vier Spieler sein, damit die Auswirkungen der Karten mehrere Spieler betreffen und etwas mehr Konkurrenzkampf aufkommt.

Glücksfaktor?

Dieses Spiel ist extrem glückslastig. Der Aufenthaltsort des gesuchten Agenten wird von der App zufällig ermittelt, genau wie die Startorte der Spieler. Es kann dabei passieren, dass ein Spieler am gesuchten Ort startet – davon aber zu beginn nichts weiß. Genauso kann es passieren an einem Ort zu starten, wo sich ein Informant befindet. Bewegt man sich dann im ersten Zug, entfernt man sich von dem diesen Ort. Man muss schließlich am Ende seines Zuges dort stehen, um dafür bei Verlassen des Kontinents Karten zu erhalten. Und nur durch diese Karten bekommt man überhaupt Hinweise auf den gesuchten Spion. Welche Karten man bekommt, ist allerdings auch sehr zufällig und kann den Ausgang einer Partie entscheiden.

Fazit:

Meine Erwartungen an Agentenjagd waren recht hoch, doch schon während der ersten Partie machte sich die Enttäuschung breit. Es hat einfach nicht den Charme eines, zugegeben, mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Scotland Yards. Es versucht Brettspiel und App zu vereinen, doch gelingt dieses leider nicht sehr vorteilhaft. Eigentlich ist der große Spielplan nicht erforderlich, alles erforderliche passiert in der App, er unterstützt lediglich die Gedankengänge der Spieler. Da kann gerne mal vergessen werden, die eigene Figur entsprechend weiter zu ziehen. Und schon kommt man durcheinander, wenn die Figuren auf dem Spielplan nicht mit der App übereinstimmen.

Anfangs hatten wir große Probleme mit der App, da man jede Aktion auswählen und noch bestätigen muss. Wird die Bestätigung vergessen und nicht aufgepasst, kann man mit der vermeintlich zweiten Aktion zu einem Ort fahren, zu dem man gar nicht reisen wollte. Oder man fährt versehentlich hin und zurück, verschenkt also einen kompletten Zug. Die nervige Hintergrundmusik lässt sich abschalten, doch auch die Hinweistöne sind auf Dauer eher anstrengend als zweckdienlich. Wenn man sich an die Bedienung der App erstmal gewöhnt hat, geht eine Partie recht flott von der Hand. Der Spielplan ist zwar grundsätzlich recht funktional gestaltet, doch an manchen Stellen, wo mehrere Orte nah beieinander liegen, kann es schnell unübersichtlich werden wenn die Figuren Teile des Spielplans verdecken. Auch die blauen und grünen Linien sind je nach Lichteinfall nur schwer zu unterscheiden.

Zu Beginn versuchen die Spieler Informanten zu finden. Dabei möchte man vielleicht nicht direkt den Kontinent verlassen, sondern lieber die Mitspieler im Dunkeln lassen, wo sich der Informant befinden könnte. Deswegen ist auch der Verzicht auf eine Aktion gut zu bedenken, denn dadurch kann man einiges verraten. Doch ohne schnell an Aktionskarten zu gelangen, hat man keine Chance. Erst mit ihnen nimmt das Spiel etwas Fahrt auf. Die Spieler können sich gegenseitig das Leben schwer machen oder die Fährte des Spions aufnehmen. Sind die Karten schlecht verteilt, werden weitere Karten benötigt, um den Spion finden zu können. Also ab zum nächsten Kontinent. Manches Mal findet man den Informanten auf Anhieb, ein anderes Mal muss man erst alle falschen Richtungen abklappern, während die Mitspieler der gesuchten Person schon näher kommen. Das kann etwas frustrieren. Auch gibt es häufig mehrere Optionen in welche Richtung der Spion eine bestimmte Anzahl Felder entfernt ist. Die dahinter liegende Logikaufgabe, anhand der Positionen bestimmter Figuren zum gesuchten Ort zu erkennen, ist interessant und herausfordernd. Und selbst wenn man  meint das Rätsel gelöst zu haben, bleibt es ganz spannend, wer den Ort als erster erreicht. Vor allem, wenn noch Sabotage-Karten gespielt werden können, um den Mitspielern das Leben schwerer zu machen.

Ich mag das grundlegende Spielgefühl leider nicht so, da ich Brettspiele gerne nutze, um der digitalen Welt zu entfliehen. Doch hierbei ist die App das zentrale Spielelement, Kommunikation zwischen den Spielern findet kaum statt. Das ist möglicherweise gewollt, denn als Geheimagent ist man sicher häufig auf sich alleine gestellt. Vielleicht ist genau dieses Zusammenspiel mit der App eine Zugangsmöglichkeit für Menschen, die Brettspielen gegenüber nicht so offen sind. Der Einstieg erfolg sehr schnell, die Regeln sind kurz und leicht verständlich, eine Partie schnell gespielt.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Prospero Hall
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 20 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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Ein Gedanke zu “Agentenjagd

  1. Bitte nicht,es liegt bei mir noch ovp. :( :( .Das bestätigt mal wieder meine These,nicht zu früh kaufen,erst abwarten.In Essen sollte ich öfter daran denken ;)

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