Ausflug nach Vilnius

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Logo / Foto: Brettspielpoesie

Zu Beginn dieser Woche hatten wir Besuch, Stefan Risthaus kam zu uns, um uns neue Spiele zu zeigen. Die Ostsee-Reihe des Verlages Ostia Spiele wird weiter geführt. Mit Vilnius steht ein Spiel in den Startlöchern, dessen Autor allerdings nicht Stefan selbst ist. Wir haben es dabei mit der zweiten Veröffentlichung von Malte Meinecke zu tun, der auch schon mit Viroid ein interessantes Spiel entwickelt hat. Nach Visby, Tallinn und Riga, führt uns das aktuelle Spiel nach Vilnius, der Hauptstadt von Litauen. Kooperativ versuchen zwei bis drei Spieler die Stadt gegen Angreifer des Deutschritterordens zu schützen. Als Mitglieder des Hochadels bauen wir die Stadt wieder auf und rüsten uns für einen großen, alles entscheidenden Kampf um unsere Stadt.

Optisch reiht sich das Spiel bei den zuvor erschienenen Tallinn und Riga sehr harmonisch ein, man erkennt auf den ersten Blick dass diese Spiele irgendwie zusammen gehören. Die Grafiken sind auch wieder von der Fiore GmbH und gerade erst wurde der neue Prototyp mit den (fast) finalen Grafiken gedruckt. Eine Partie Tallin dauert 20 – 30 Minuten, für Riga benötigt man schon 30 – 50 Minuten und nun müssen sogar gute 90 Minuten eingeplant werden. Doch nicht nur in Bezug auf die Spielzeit hebt es sich ein wenig ab, auch die Spielerzahl ist in dieser Reihe ungewöhnlich. Zuvor waren die Spieler immer für 2 – 4 Spieler und durch weitere Kartensets auf bis zu sechs oder gar acht Spieler erweiterbar. Nun sind nur noch exakt zwei oder drei Spieler möglich, es gibt auch keinen Solo-Modus.

Spielsituation (Prototyp!) / Foto: Brettspielpoesie

Vilnius besteht nur aus Karten, jeder Menge Karten um genau zu sein. Diese wollen vor jeder Partie nach Art getrennt ausgelegt werden, das fühlte sich direkt etwas lästig an und nahm nicht unwesentlich Zeit in Anspruch. Damit nicht zu viel Platz benötigt wird, sind die Karten recht klein gehalten, was leider die Lesbarkeit etwas einschränkt. Auch die gewählte Schriftart schien nicht optimal zu sein, da sie zumindest seitlich nur schwer zu entziffern ist. Es ist möglich, dass es in dieser Hinsicht noch Veränderungen geben wird.

Kartemauslage (Prototyp!) / Foto: Brettspielpoesie

Im Grunde ist es ein Deckbauspiel, bei dem jeder Spieler seine zwei Kartendecks mit Provinzen und Einheiten optimiert. Provinzen müllen hier jedoch nicht das Deck zu, wie man es aus Dominion kennt, sie bringen die notwendigen Ressourcen um neue Gebäude im eigenen Viertel zu errichten oder Einheiten anzuheuern. Diese wollen jedoch versorgt werden, dazu benötigt es eine gewisse Infrastruktur im eigenen Viertel. Die Spieler können dabei selbst entscheiden, ob sie in einer Runde mehr Einheiten oder mehr Provinzen auf die Hand nehmen. Einen Einfluss auf diese Entscheidung haben sicherlich die Angreifer, von denen sich Runde für Runde mehr vor den Toren der Stadt sammeln und früher oder später zum Angriff ausholen. Die Verteidigung übernehmen alle Spieler gemeinsam. Gelingt es ihnen nicht, nimmt entweder die gesamte Stadt Vilnius Schaden oder das Viertel des angegriffenen Spielers wird geschwächt. Im Idealfall können die Spieler Vilnius solange verteidigen, bis es zum finalen Ansturm kommt. Das passiert, wenn der Angreiferstapel zum zweiten Mal durchgespielt wurde. Wenn die Stadt auch diesen letzten Kampf übersteht, haben die Spieler gewonnen. Optional kann sogar noch die erfolgreichste Adelsfamilie unter den Spielern ermittelt werden. Nimmt die Stadt hingegen schon vorher zu viel Schaden, endet die Partie sieglos. Nach dem ersten Durchspielen des Kartenstapels verstärken sich die Angreifer und richten fortan mehr Schaden an, da sollte die Abwehr schon verbessert sein.

Spielerauslage (Prototyp!) / Foto: Brettspielpoesie

Uns gelang es in der ersten Partie nicht annähernd Vilnius zu verteidigen. Obwohl wir den Aufbau für ein einfaches Spiel gewählt haben, haben wir nicht einmal bis zu zweiten Hälfte durchgehalten. Schon zu Beginn lag ein feindliches Gebäude aus, welches bekämpft werden musste, um überhaupt an weitere Provinzen und damit an Ressourcen zu gelangen. Wir konnten der starken Absicherung des Gebäudes leider nicht viel entgegen setzen, um es zu entfernen. Da kam schon die Frage auf, ob es nicht besser wäre dafür zu sorgen, dass ein solches Gebäude erst später ins Spiel gelangen kann. Eigentlich mag ich das ja bei kooperativen Spielen, wenn eben nicht jede Partie locker zu gewinnen ist, sondern man zunächst das Spiel richtig kennen lernen muss, um die beste Strategie zu entwickeln. Als Ersteindruck bleibt aber dennoch eine gewisse Enttäuschung, da man sich durch das erwähnte Gebäude sehr stark ausgebremst fühlte. Dennoch haben wir sicherlich auch nicht sonderlich effektiv gespielt, daher ist zugleich die Hoffnung entstanden, es beim nächsten Mal besser machen zu wollen. Die Chance auf weitere Eindrücke ist definitiv gegeben.

Wenn nun auch euer Interesse erweckt wurde, habt ihr noch 14 Tage Zeit bei der Förderung in der Spieleschmiede einzusteigen und euch so euer Exemplar zu sichern. Noch fehlt ein Viertel der Summe, das sollte doch zu schaffen sein. Leider erst nach Ablauf der Kampagne könnt ihr das Spiel auf der BerlinCon selbst spielen, um euch einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

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