Cities Skylines

Cover / Foto: Kosmos

Cities Skylines ist wohl jedem bekannt,
der an Videospielen spielt allerhand.
Bei dieser aktuellen Brettspiel-Version.
ist Bürgerzufriedenheit der erhoffte Lohn.
Gemeinsam errichten die Spieler ’ne Stadt,
die seinen Bürgern viel zu bieten hat.
Wo Menschen leben, da gibt’s auch Probleme,
manche ganz natürlich, andere gehen ins Extreme.
Strom, Wasser und Müllentsorgung müssen her,
bleibt Umweltverschmutzung, Gewalt, Verkehr.
Nur, wenn alles sich befindet im Gleichgewicht,
steht diese neue Stadt im rechten Licht.

Spielmaterial:

Viele Plättchen und Karten sind in der Schachtel verstaut. Dazu verschiedene, quadratische Papptableaus, auf denen im Laufe des Spiels die Gebäudeplättchen platziert werden. Zudem existiert ein Verwaltungstableau, auf dem mit passenden Plättchen der Fortschritt angezeigt wird sowie ein Haufen Stanzplättchen in Form von Geld. Das einzige 3D-Element ist der als Skyline dargestellte Zufriedenheitsanzeiger.

Cities Skylines Skyline / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Gemeinsam erbauen die Spieler eine Stadt, sie erschließen im Spielverlauf weitere Stadtviertel, platzieren Gebäude an Gebäude, um den Bewohnern ein schönes Leben zu ermöglichen. Doch gehören dazu nicht nur Wohngebiete, auch Gewerbe und Fabriken müssen her. Es stehen viele unterschiedlich geformte Plättchen in verschiedenen Größen zur Wahl, der aktive Spieler sucht sich ein Passendes aus. Außerdem gibt es noch Versorgungsgebäude. Von diesem darf in jedem Viertel nur eines vorkommen, anders als bei den Dienstleistungsgebäuden wie Feuerwehr, Polizei oder medizinische Versorgung. Das sind eigentlich auch schon alle Platzierungsvorgaben.

Cities Skylines Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Gebaut werden dürfen dabei nur die Gebäude, die als Karte vor dem aktiven Spieler liegen, aber auch nur wenn die ggf. anfallenden Kosten dafür bezahlt werden können. Dafür greifen alle Spieler auf die Stadtkasse zu. Anfallende Kosten sind aber nicht immer monetärer Natur, es gehören auch Stadtparameter wie Strom, Wasser, Müllentsorgung oder der Arbeitsmarkt dazu. Die meisten Gebäude bringen Effekte mit sich, viele davon werden nur ausgelöst, wenn eine vorgegebene Bedingung erfüllt ist. Zum Beispiel wird die Bürgerzufriedenheit gesteigert, wenn in der Nähe des neuen Gebäudes ein Krankenhaus oder eine schulische Einrichtung existiert. Daher sollte die Reihenfolge, in der Gebäude errichtet werden, gut überlegt sein, um die Zufriedenheit nachhaltig zu erhöhen. Dabei dürfen jedoch keine Grenzwerte überschritten werden. Eine Fabrik bringt der Stadt Arbeitsplätze, aber auch Verkehr und Umweltverschmutzung. Wird ein gewisser Grenzwert erreicht, muss dieser erst wieder sinken, um das Gebäude errichten zu können.

Cities Skylines Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Neben dem Bau der Gebäude existieren zwei Alternativaktionen: Es gibt die Möglichkeit gegen Geld eine Karte auszutauschen. Die Gebäudekarten sind in drei Stapel unterteilt, am Ende eines jeden Zuges wird von einem beliebigen Stapel nachgezogen. Die höheren Karten bringen bessere Boni, sind dafür aber auch teurer und manche Gebäude benötigen mehr Platz. Die letzte Option ist das Beenden eines Meilensteins, dies ist möglich wenn in jedem Viertel mindestens ein Gebäude errichtet wurde. Dabei wird ein weiteres Spielplanteil erschlossen, die Kosten dafür werden aus der Stadtkasse gezahlt. Zuvor gibt es aber noch eine Verwaltungsphase. Sind die Werte für Strom, Wasser und Müllentsorgung unterhalb von 0, kostet dies Zufriedenheit, die jeweiligen Werte bleiben jedoch unverändert. Der erreichte Zufriedenheitswert wird auf die Skyline übertragen, bevor für den Arbeitsmarkt bezahlt werden muss, wenn er von 0 abweicht. Daher sollte gut überlegt werden, wann diese Aktion ausgelöst wird. Im Idealfall, wenn die Parameter der Stadt im Gleichgewicht sind, um keine Zufriedenheit zu verschenken.

Cities Skylines Fertige Stadt / Foto: Brettspielpoesie

Die Anordnung der Spielplanteile kann in den Partien variiert werden, so wird empfohlen zum Kennenlernen mit nur drei Stadtplanteilen zu beginnen. Daneben existieren noch weitere Module. Jeder Spieler kann eine Sonderfähigkeit erhalten, es können besonders sperrige Gebäude hinzugenommen werden, die dem Stadtviertel einen positiven Effekt einbringen oder weitere Karten mit positiven oder auch negativen Effekten genutzt werden.

Spielende:

Sollten zu irgendeinem Zeitpunkt im Spiel Kosten fällig werden, die nicht bezahlt werden können, verlieren die Spieler die Partie. Sollte die Zufriedenheit der Bürger zu gering werden, ist die Partie ebenfalls verloren. Ansonsten endet die Partie, wenn der letzte Meilenstein beendet wurde. Dafür müssen sich in jedem Viertel mindestens zwei Gebäude befinden. Ein letztes Mal wird die Zufriedenheit auf die Skyline übertragen, anschließend wirkt sich auch noch der Verkehr, die Gewalt und Umweltbelastung auf die Zufriedenheit aus. Der dann erreichte Zufriedenheitswert entscheidet darüber, wie gut es sich in der Stadt leben lässt.

Spieleranzahl:

Die Spielerzahl bestimmt die Anzahl der Karten pro Spieler. Bei drei oder vier Spielern bleibt die Gesamtzahl der Karten gleich, sie verteilen sich nur anders. Bei zwei oder nur einem Spieler stehen insgesamt weniger Karten zur Verfügung. Dafür können Symbiosen schneller genutzt werden, da weniger Spieler dazwischen funken. Weitere Anpassungen sind nicht erforderlich.

Glücksfaktor?

Den gibt es definitiv und das frustriert gerne mal. Es kann passieren, dass alle Spieler nur Karten zur Auswahl haben, die ein bestimmtes Diensleistungsgebäude benötigen (um einen Bonus zu bringen), welches einfach nicht aufgedeckt wird, weil es im Stapel ganz unten liegt. Das macht es schwierig bestimmte Effekte auszulösen, wie die Steigerung der Zufriedenheit oder Geld für die Stadtkasse.

Fazit:

Ich habe tatsächlich erst im Zuge dieser Brettspiel-Umsetzung überhaupt von der Existenz eines Videospiels mit dem Titel Cities Skylines erfahren. Stadtbauspiele mag ich, daher war ich dennoch an dem Brettspiel interessiert. Hier sticht vor allem der kooperative Ansatz heraus. Das ist einfach mal eine andere Herangehensweise, da die Spieler sonst bei solchen Spielen immer in Konkurrenz zueinander stehen und jeder für sich die beste Stadt errichten möchte. Allerdings kommt es hier schnell zum Alphaspieler-Problem.: Da alle Karten offen liegen kann ein Spieler das Geschehen an sich reißen und den anderen Spielern empfehlen, welche Karten sie als nächstes spielen sollten.

Generell kann Cities Skylines sehr grübellastig werden, wenn alle das Optimum erreichen wollen. Allerdings ist es hierbei ein gemeinschaftliches Grübeln, bei dem sämtliche Konstellationen anhand der aktuellen Kartenauswahl durchgerechnet werden können. Selbst wenn die Auswahl der zu spielenden Karten steht, muss noch das zu platzierende Plättchen aus den zur Verfügung stehenden ausgewählt werden. Lautet das Ziel alle Gebäude möglichst effizient zu platzieren, werden auch hierbei gerne noch die folgenden Gebäude in die Entscheidung mit einbezogen. Es entsteht ein richtiges Puzzlegefühl, die Gebäude so zu platzieren, dass möglichst wenig Platz verschwendet wird. Solche Überlegungen können eine Partie ordentlich in die Länge ziehen. Doch egal wie lange die Überlegungen dauern, kam es bei uns oft irgendwann zu dem Punkt, an dem das Geld ausgeht oder die Karten nicht mehr gespielt werden können, weil die Parameter nicht weiter angepasst werden können. Und schon ist die Partie verloren. Weil wieder dieses eine Krankenhaus nicht kam, das alle Probleme gelöst hätte. Die Meilensteine zu früh auszulösen ist häufig auch keine Option, denn dann wird kaum Zufriedenheit gesammelt, die für die Endwertung übertragen wird.

Wir hatten Mitspieler, denen das Computerspiel ein Begriff war. Sie waren positiv gestimmt, meinten selbiges durchaus wieder zuerkennen. Wobei vieles vereinfacht wurde, da sich dieses Brettspiel eben an Familienspieler richtet. Damit kommen wir auch zu einem Punkt, der mich persönlich stört: Die Stadt, die entsteht, sieht keineswegs schön aus. Die Grafiken sind so gar nicht mein Stil. Ich störe mich gar nicht einmal daran, das mit flachen 2D-Gebäuden gearbeitet wurde, da 3D-Elemente die Kosten in die Höhe hätten schnellen lassen. Aber auch die Anordnung der Gebäude sieht oft nicht nach einer Stadt aus, in der Menschen gerne leben. Wenn der Kindergarten zwischen Fabriken steht, ist das vielleicht praktisch für die dort arbeitenden Eltern, den Kindern würde ich zum Spielen jedoch eine schönere Umgebung wünschen. Diese Art der Lebensqualität in die Wertung der Stadt einzubauen, schafft NEOM zum Beispiel. Dort wird es beispielsweise bestraft, Fabriken in Wohnungsnähe errichtet zu haben. Bei Cities Skylines hat nur das Platzieren Auswirkungen, was später angrenzend platziert wird ist für die bereits ausliegenden Gebäude irrelevant.  Doch darunter leidet in meinen Augen das Endergebnis der Städte ein wenig. Vielleicht sehe ich es auch zu verkopft und Familienspieler haben einfach eine schöne Zeit dabei ihre Stadt gemeinsam zu errichten. In meinen Gruppen fühlte es sich eher an wie das Lösen einer Matheaufgabe. Die nicht ganz aufgehen kann, weil es zu viele Zufallsfaktoren gibt. Das führte bei uns leider zu wenig Wiederspielreiz. Wer allerdings sein Spiel in Cities Skylines findet, der bekommt viele Module, um in weiteren Partien für Abwechslung zu sorgen und auch den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Rustan Håkansson
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 40 – 70 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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