Forbidden Sky

Forbidden Sky Cover

Cover / Foto: Schmidt Spiele

Schon bei der Einleitung in dieses Spiel, wird einem schnell klar, welcher Autor dahinter steckt. Matt Leacock hat mit Pandemie ein Spiel erschaffen, welches heutzutage schon fast als Genre gilt. Nicht selten nutzten wir den Satz: „Das spielt sich so ähnlich wie Pandemie“ und sofort wissen unsere Mitspieler worum es geht. Pandemie ist sowohl thematisch als auch spielmechanisch auf Kennerniveau anzusiedeln, einige Jahre später wurde das Spielprinzip auch Einsteigern zugänglich gemacht. Bei Die verbotene Insel finden sich die Spieler auf einer im Meer versinkenden Insel wieder, auf der sie Artefakte finden müssen, um sie verlassen zu können. Einige Jahre später befand sich dieselbe Forschergruppe bei Die verbotene Stadt in der Wüste wieder, wo sie abgestürzt waren. Im Kampf gegen Hitze und Wind mussten sie die Wrackteile finden, um ein neues Fluggerät zu errichten. Und nun sind die Forscher plötzlich auf einer Raumstation einem heftigen Unwetter mit Blitzen und Sturm ausgesetzt und müssen gar eine Rakete mit Strom versorgen, um mit ihrer Hilfe zu fliehen.

Spielmaterial:

Dieses Spiel orientiert sich beim Material an seinen Vorgängern: Es gibt einen Spielplan, der sich von einem längeren Startteil ausgehend aus diversen Plättchen in jeder Partie anders zusammen setzt. Für die sechs Charaktere gib es Charakterkarten mit Plastikanzeigern und Spielfiguren. Diese sind leider nur noch farbige Pöppel, keine detaillierten Figuren mehr. Sie tragen auch nicht mehr die Namen der bekannten Charaktere, sie werden nur anhand ihrer Fähigkeiten unterschieden. Der Gegner ist in diesem Spiel das Wetter, repräsentiert durch den Windstärke-Anzeiger und die Wetterkarten. Außerdem sind verschiedene Bauteile für einen Stromkreis enthalten, mit denen man die ebenfalls enthaltene Plastikrakete starten kann. Zudem sind Ausrüstungs- und weitere Karten enthalten.

Forbidden Sky Charakterkarten

Charakterkarten / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Die Spiele befinden sich auf einer Raumstation, die wegen des Unwetters bereits evakuiert wurde. Die Spieler sind die letzten Verbliebenen, die nun auch von der Raumstation entkommen wollen, bevor noch mehr Blitze einschlagen oder sie gar vom Winde verweht werden. Dafür steht ihnen nur noch die Versorgungsrakete zur Verfügung, die dafür erst mit Strom versorgt werden muss. Und genau das ist die Aufgabe der Spieler: Einen geschlossenen Stromkreis um die Rakete aufbauen wenn alle gemeinsam auf der Plattform der Rakete stehen. Zunächst wird der Schwierigkeitsgrad gewählt, um zu bestimmen aus wie vielen Bauteilen der Stromkreis mindestens bestehen muss.

Forbidden Sky Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Reihum dürfen die Spieler jeweils bis zu vier Aktionen ausführen. Sie können sich bewegen, ein neues Plättchen aufdecken, die Plattform um ein Plättchen erweitern oder eine Leitung zwischen zwei Bauteilen verlegen. Nachdem die Aktionen ausgeführt wurden, werden Wetterkarten aufgedeckt, der Windstärke-Anzeiger gibt an wie viele. Diese können die Windrichtung ändern, die Windstärke erhöhen, einen Windstoß in Windrichtung auslösen oder zu einem Blitzschlag führen. Spieler, die durch den Windstoß von der Plattform fallen, müssen ihr Seil kürzen. Einen Blitzschlag erleiden alle Spieler, dessen Plättchen über Kabel auf den Plättchen oder Leitungen mit einem Blitzableiter verbunden sind, diese Spieler verlieren einen Lebenspunkt. Gegen beides können sich die Spieler entweder mit Ausrüstungen schützen, die sie erhalten wenn die Plattform um ein Plättchen mit Ausrüstungssymbol erweitert wird oder indem sie sich auf Plättchen aufhalten, die sie gegen Wind oder Blitz schützen. Jeder Charakter hat zudem eine Sonderfähigkeit, die entweder eine Aktion verändert oder eine zusätzlich Option bietet.

Forbidden Sky Spielsituation

Spielsituation mit Rakete / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Um die Partie zu gewinnen, muss ein Stromkreis geschlossen werden, der mindestens aus den anhand des Schwierigkeitsgrades vorgegebenen Bauteilen besteht. Zu diesem Zeitpunkt müssen auch alle Spielerfiguren auf einem der vier Plättchen stehen, aus denen die Raketenplattform besteht. Sind nicht alle Spieler am richtigen Ort, gilt die Partie als verloren. Gleiches trifft zu, wenn auch nur ein Spieler sein letztes Herz durch einen Blitzschlag verliert, bei einem das letzte Stück des Seils durch einen Windstoß reißt oder der Windstärke-Anzeiger das Ende erreicht.

Spieleranzahl:

Die beiden Vorgänger waren für 2-4 Spieler geeignet, hier hat man sich entschieden einen fünften Spieler zu ermöglichen. Dies halte ich für keine gute Entscheidung, wir haben es zu fünft probiert, aber die Pausen zwischen den eigenen Zügen waren einfach zu lang. Zudem kann es zu viele Windstöße zwischen den eigenen Zügen geben, ohne dass man die Möglichkeit hat gegen zu steuern. Im Gegenzug gelten die Ausrüstungskarten eines Spielers zwar länger, da sie bis zum kommenden Zug gelten, zu fünft würde ich es dennoch nicht mehr spielen wollen. Zu zweit ist man schneller wieder selbst am Zug, zu viert können die Funktionen mehrerer Forscher genutzt werden, das gleicht sich einigermaßen aus.

Glücksfaktor?

Das Entdecken der Plattform durch zufälliges Ziehen der Plättchen führt zu einem hohen Glücksanteil. Wenn notwendige Plättchen erst ganz am Ende Erscheinen, ist dies sehr unglücklich und die Partie nur schwer zu gewinnen. Das kann zu Frustmomenten führen, es fühlt sich dann zu zufällig und wenig beeinflussbar an.

Fazit:

Das Material ist wahnsinnig auffordernd, die Idee einen Stromkreis aufzubauen und damit die coole Rakete zumindest zum Leuchten zu bringen, klingt zunächst nach einer spannenden Aufgabe. Die Anleitung macht es den Spielern unnötig schwer in das Spiel hinein zu kommen, da sie andere Begrifflichkeiten für die möglichen Aktionen verwendet, als die Charakterkarten selbst. Wer bereits Erfahrungen mit den kooperativen Spielen des Autors gemacht hat, findet sich dennoch schnell zurecht. Auch wenn die Grundaufgabe thematisch merkwürdig erscheint. Um von der Plattform zu entkommen, muss diese erst aus Plättchen aufgebaut werden, dabei sollte man doch davon ausgehen, dass sich die Forscher dort bereits auskennen. Die einzelnen Bauteile des Stromkreises werden auf den dafür vorgesehenen Abbildungen auf den Plättchen abgestellt und müssen dann miteinander verbunden werden. Dafür gib es Verbindungsteile in zwei Größen, doch passen diese nicht immer exakt. Dabei ist unklar, ob die einzelnen Elemente ein wenig verschoben werden dürfen, oder nicht. In unseren Partien haben wir das immer entspannt gesehen und ein Auge zugedrückt.

Um den Stromkreis einzurichten, muss man ein gutes Vorstellungsvermögen davon haben, wie sich dieser aus den notwendigen Bauteilen zusammen setzen lassen kann. Die Bauteile sind begrenzt, daher darf der gesamte Aufbau nicht zu ausufernd werden, sonst ist die Partie schnell nicht mehr zu gewinnen. Also sollte bereits früh angefangen werden, einen Plan zu machen und an diesem möglichst festzuhalten. Dazu müssen dann natürlich noch die erforderlichen Plättchen gezogen werden, um den Plan zur Wirklichkeit werden zu lassen.

Dieses Spiel soll eine Trilogie beenden, doch so richtig passt der dritte Teil nicht zu seinen Vorgängern. Bei den Charakteren wurde zuvor sehr viel detailreicher gearbeitet, die Geschichte der ersten beiden Spiele hängt zusammen, die des dritten Teils scheint davon losgelöst zu sein. Es gibt keine Miniaturen mehr, die Charaktere haben nicht einmal mehr Namen. Wenn man sich die deutschen Veröffentlichungen anschaut, unterscheiden sich nicht nur die Titelnamen, da dieses als erstes Spiel der Serie einen englischen Titel bekommen hat, auch die Packungsgrößen sind vollkommen verschieden und bieten damit kein passendes Gesamtbild. In meinen Augen fühlt sich Forbidden Sky leider fast überflüssig an, es ist in meinen Augen das schwächste Spiel der Reihe. Es richtet sich von der Komplexität doch eher an erfahrenere Spieler, diese sind aber mit dem allerersten „Vorgänger“ Pandemie einfach besser beraten, wenn es komplexer als Die Vergessene Insel sein darf. Der Schwierigkeitsgrad wird nur über die Anzahl der Bauteile gesteuert, daher verlaufen die Partien allesamt recht ähnlich, was den Wiederspielreiz mindert. Bei Pandemie wird dieser zwar auch nur über die Anzahl an Pandemiekarten gesteuert, aber die Partien können durch die Verteilung der Seuchenwürfel auf der Weltkarte immer etwas anders verlaufen.

Auch wenn die meisten Punkte eher negativ klingen, bietet Forbidden Sky natürlich Abwechslung in der Welt solch kooperativer Spiele. Es bringt die Spieler zudem ins All, was thematisch reizvoll sein kann und wird durch den Einsatz der Rakete einfach verdammt auffordernd und lädt zum Losspielen ein. Sie ist es vor allem auch, weshalb ich noch knapp drei Punkte vergebe.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Schmidt Spiele
Autor(en): Matt Leacock
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Schmidt Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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