Fuji

Fuji Cover

Cover / Foto: Feuerlandspiele

Wolfgang Warsch ist der Newcomer des letzten Jahres. Von seinen vier Veröffentlichungen zur Spielwarenmesse 2018 wurden gleich drei von der Spiel des Jahres Jury nominiert. Damit sind die Erwartungen natürlich rech hoch gesteckt. Eines seiner Spiele aus dem aktuellen Jahrgang ist Fuji, erschienen ist dieses bei Feuerland. Der Verlag steht eher für anspruchsvollere Spiele, doch kennzeichnen sie mit dem „Blue Label“ eben solche Spiele, bei denen mehr Glücksalemente enthalten sind und weniger Denkarbeit erforderlich ist. Und dieses Label ziert die Schachtel von Fuji, einem kooperativen Würfelspiel mit Kommunikations-hürden. Nicht so extrem, wie es sie in The Mind gab, eher in Richtung von The Game.

Spielmaterial:

Für bis zu vier Spieler sind jeweils ein Set aus einem Sichtschirm, der im Innern den Spielablauf skizziert, einer Figur, zwei runden Spielsteine und einem Satz Würfel einer Farbe enthalten. Die Farben sind ähnlich wie die Grafiken auf den 65 quadratischen Spielkarten eher dunkel gehalten. Das führt leider dazu, dass blau und schwarz ja nach Lichtverhältnissen auf Entfernung nur schwer zu unterscheiden sind. Die Würfel zeigen jeweils die Augenzahlen 1 bis 6, die Kanten die Spielerfarbe und die Flächen die drei verschiedene Farben hellblau, gelb und pink. Die Karten unterteilen sich in Gebiets-, Charakter-, Fähigkeits-, Ausrüstungs- und Szenariokarten.

Fuji Sichtschirm

Sichtschirm / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Nachdem der Schwierigkeitsgrad und das Szenario bestimmt wurde, werden die Gebietskarten anhand der Szenariokarte ausgelegt. Die Spieler beginnen nahe dem Vulkan und wollen ins Dorf auf der anderen Seite, bevor sie von der Lava eingeholt werden. Um dies zu erreichen wählt jeder Spieler in jeder Runde eine Karte, die er gerne erreichen würde. Jede Karte gibt an, welche Vorgaben sie an die Würfel des Spielers hat. Am Ende einer jeden Runde vergleichen die Spieler ihre Werte in Bezug auf die Vorgaben mit ihrem linken und ihrem rechten Nachbarn. Daher sollte man sich zuvor gut abstimmen, aber natürlich darf man nur bedingt über die Würfel sprechen, die man zuvor geheim hinter dem eigenen Sichtschirm gewürfelt hat. Die Bewegung darf bis zu drei Karten von der letzten Position entfernt erfolgen, wer sich weniger weit bewegen möchte, hat die Möglichkeit beliebige eigene Würfel erneut zu würfeln.

Haben sich alle Spieler entschieden und ggf. nachgewürfelt, folgt die Auswertung. Ist die Augenzahl aller gültigen Würfel in Bezug auf die Vorgabe höher als bei den Mitspielern, wird die Spielfigur entsprechend bewegt. Je nach Schwierigkeitsgrad verliert der Spieler Ausdauer, wenn die Werte zu nah beieinander liegen. Verliert der Spieler den gesamten Vergleich, verliert er die maximale Ausdauer und muss auf seiner Karte stehen bleiben. Nach jeder Runde kommt es zu einem Vulkanausbrauch, alle Gebietskarten, die an ein Lavafeld angrenzen, werden auf die Lava-Seite gedreht. Dies geschieht auch, wenn ein Spieler auf eine Karte zieht, die ein Vulkanplättchen zeigt. Bei den Ausrüstungsplättchen erhält der Spieler einfach eine Ausrüstungskarte, diese können die Spieler in verschiedenen Phasen des Spiels einmalig unterstützen.

Fuji Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Verliert ein Spieler Ausdauer, wird dies auf der Ausdauertafel festgehalten. Nach je fünf Ausdauerpunkten erleidet der Spieler eine Verletzung, er erhält dann ein Wundenplättchen, mit dem er eines der vier Felder seiner Fähigkeitskarte abdecken muss. So verliert er im Spiel einen Würfel, seine einzigartige Fähigkeit, darf keine Ausrüstung mehr verwenden und/oder in der entsprechenden Phase nicht erneut würfeln.

Spielende:

Wie es sich für ein kooperatives Spiel gehört, gibt es auch hier mehrere Möglichkeiten eine Partie zu verlieren. Es ist für alle Spieler vorbei, wenn auch nur ein Spieler auf der Ausdauertafel das letzte Feld erreicht oder die Karte auf der eine Figur steht in Lava versinkt. Die Spieler gewinnen die Partie, sobald alle Spieler es mit ihren Figuren ins Dorf geschafft haben, also auf einer Dorfkarte stehen. Die Spieler im Dorf nehmen weiter am Spiel teil, müssen sich weiterhin für Karten entscheiden und ihre Würfel mit den Mitspielern vergleichen. In Abhängigkeit der Spielerzahl, der erlittenen Wunden und übriger gebliebener Ausrüstungskarten kann eine Punktzahl errechnet werden, um zu schauen wie gut man sich geschlagen hat.

Spieleranzahl:

Zu viert gibt es zwar gleich vier Spieler, die sich eine Karte als Ziel aussuchen müssen, dafür dürfen nicht benachbarte Spieler auf die gleiche Karte gehen, was insgesamt gut funktioniert. Das gilt leider nicht für das 2-Personen-Spiel, dabei hätte ich mir vom Verlag mehr Mut gewünscht, die Spielerzahl einzuschränken. Um sich mit Zweien vergleichen zu können, muss ein zusätzlicher Spieler simuliert werden. Es gibt dafür sogar zwei Varianten, eine bei der die Hälfte der Würfel offen und die andere Hälfte verdeckt gewürfelt wird und eine, bei der tatsächlich eine dritte Spielfigur aktiviert wird und beide Spieler jeweils die Hälfte seiner Würfelergebnisse kennen. Auch wenn die eine Variante etwas weniger Glückselemente bietet, machen uns beide keinen Spaß. Solch ein Spiel lebt von der (Nicht-)Kommunikation und die hat man eben nicht mit einem solch simulierten Spieler.

Glücksfaktor?

Fuji ist nun mal ein Würfelspiel und damit von Natur aus eher glückslastig. Allerdings gibt es diverse Stellschrauben, sodass die Entscheidungen der Spieler den Spielverlauf bestimmen. Natürlich kann mal eine Runde richtig blöde laufen, dann bleiben vielleicht alle stehen und verlieren Ausdauer, dafür wird es auch wieder besser laufen. Das gehört aber auch irgendwie dazu, um eine gewisse Spannung im Spiel zu erzeugen. Schließlich sind die besten Partien, genau solche, in denen man nur ganz knapp dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Aber auch bei den Karten spielt das Glück hinein, wenn ähnliche Karten gebündelt ausliegen, ist es mitunter schwierig auf gegensätzliche Vorgaben zu spielen.

Fazit:

Während ich die eingeschränkte Kommunikation bei den oben genannten Kartenspielen gut fand, funktioniert es bei diesem Würfelspiel nur sehr bedingt. Immer wieder wurden in unseren Runden Dinge gesagt, die wohl nicht ganz erlaubt gewesen wären, zu oft war man sich einfach unsicher, was denn überhaupt erlaubt ist. Bei The Game mit nur vier Kartenstapeln in zwei Richtungen funktioniert das einfach besser, als mit beliebigen Anforderungen an zufällige Würfelaugenzahlen, die sich manchmal auch noch sehr ähneln können. Und mittlerweile ist diese Art der Kommunikation in Spielen auch kein Novum mehr, sodass Fuji damit nicht herausstechen kann.

Die Art sich zu bewegen, ist dabei durchaus interessant. Nur selten passen die Augenzahlen zum optimalen Weg, hin und wieder müssen Umwege in Kauf genommen oder gar stehen geblieben werden. Dafür bieten manche Umwege einen zusätzlichen Anreiz dort hin zu gehen, entweder liegt dort Ausrüstung herum oder die Karte ermöglicht einen zusätzlichen Neuwurf. Wenn man auf einen solchen angewiesen ist, kann man sonst nicht mehr als zwei Karten weit gehen. Das sind kleine, interessante Entscheidungen, die es zu treffen gilt. Dabei kann kein Spieler die Entscheidungsgewalt an sich reißen, jeder muss anhand seiner Würfel für sich selbst entscheiden. Solche Entscheidungen fallen allerdings nicht allen Spielern gleich leicht. Besonders am Anfang können die Anforderungen etwas irritieren, ein blauer Würfel und einer mit Augenzahl fünf bezieht sich auf alle blauen Würfel und alle Fünfen in den drei Farben, nicht nur auf rote Fünfen.

Für das, was das Spiel am Ende bietet, fühlten sich all unsere Partien viel zu lang an. Auf diese Dauer wird es fast schon anstrengend nur so eingeschränkt kommunizieren zu können. Vielleicht sind wir ja einfach nicht entscheidungsfreudig genug, aber immer hatten wir im letzten Drittel der Partie das Gefühl das Spiel nur noch „herunter zu spielen“, damit es „endlich“ zum Ende kommt. Eigentlich war es dann schon fast egal, ob erfolgreich oder nicht. An eine weitere Partie am selben Tag war gar nicht zu denken. Das mag daran liegen, dass nicht wirklich viel passiert, es fehlt ein gewisser Spannungsbogen. Okay, die Lava rückt den Spielern immer weiter auf die Pelle, aber der Spielablauf bleibt irgendwie immer gleich. Und obwohl die Karten in jeder Partie anders ausliegen, durch die verschiedenen Szenarien sogar unterschiedlich angeordnet werden, so ändert dies kaum etwas am Spiel selbst. Es bleibt immer der gleiche Ablauf, es sind nur andere Wege, die beschritten werden. Vielleicht reicht das einem Gelegenheitsspieler aus, der viel seltener spielt, aber für meinen Geschmack müsste es mehr Spannung und mehr Variabilität (auch im Spielablauf) geben, um sich dauerhaft zu etablieren.

Wertungsnote 2/6

Verlag: Feuerland
Autor(en): Wolfgang Warsch
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 30 – 60 Minuten

Vielen Dank an Feuerland für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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