Paleo

Paleo Cover / Foto: Hans im Glück Verlag

Lange kein Mammut mehr gesehen?
Dabei helfen sie doch zu überleben!
War zumindest in der Steinzeit so,
nachzuerleben im Spiel Paleo.
Darin führt ihr eine Gruppe an,
die bitte lang überleben kann.
Um Werkzeuge herzustellen,
und mit Feuer und Fellen,
so manche Gefahr zu überwinden,
um neue Hoffnung zu finden.
Freut euch, auf was ihr könnt erleben,
wenn sich eure Leute aus der Höhle begeben…

Spielmaterial:

Viele Karten machen den Hauptanteil am Spielmaterial aus. Da in den verschiedenen Kapiteln nur bestimmte Kartensets verwendet werden, lohnt es sich diese getrennt aufzubewahren. Dafür liegen ausreichen Zip-Tüten bei. Auch wenn wir sonst auf Bondage-Tape schwören, haben wir die Karten hier tatsächlich eingetütet. Drei unterschiedliche Spieltableaus und ein Friedhof dienen der Kartenablage. Daneben sind einige Ressourcen (Nahrung, Stein, Holz) aus Holz und Stanzplättchen für Werkzeuge, Schaden und Siegunkte enthalten. Hingucker ist die aus mehreren Teilen bestehende Werkbank, mit der verfügbare Karten und zugehörige Plättchen während des Spiels optimal präsentiert werden können. Sie kann in richtiger Ausrichtung sogar zusammengebaut im Karton verstaut werden. Zwei sechsseitige Würfel aus Holz sind ebenfalls enthalten.

Spielmechanismus:

In der Steinzeit lautet das oberste Ziel: Überleben. Dafür braucht es Nahrung, um den gesamten Stamm in der Nacht ernähren zu können. Jeder Spieler stellt eine Personengruppe zusammen und macht mit dieser tagsüber die Gegend unsicher. Sie erkunden die Wälder, Flussgebiete und Gebirge, mit dem Ziel Ressourcen zu finden. Im Wald gibt es vor allem Holz, am Fluss finden wir Nahrung, im Gebirge Steine. Dabei machen wir auch unerwartete Entdeckungen, müssen es vielleicht mit ausgewachsenen Tieren aufnehmen oder stoßen auf einen Tierkadaver. Manches Mal kehren wir ins Lager zurück, um Werkzeuge zu erschaffen oder die Gruppe zu vergrößern. Wir träumen oder entdecken Geheimnisse.

Paleo Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Im Kartendeck sind auch rote Gefahrenkarten, doch nicht nur diese zeigen gefährliche Situationen. Auch auf den anderen Karten kann Unheil passieren, ebenso wie die Gefahrenkarten auch Gutes mit sich bringen können. Neben Nahrung erfordert jedes Modul zusätzlich noch etwas anderes in der Nachtphase, um ruhig schlafen zu können. Der Tag dient dazu die Nacht vorzubereiten. Am Tag wählen die Spieler ihre Karten aus, nur die nächsten drei sind jeweils zugänglich. Die Spieler können sich alleine ihrer Karte widmen oder sich zusammen tun, um eine Aufgabe gemeinsam zu erfüllen. Beim Helfen gelangt die eigene Karte ungenutzt auf den Ablagestapel. Oft werden bestimmte Fähigkeiten benötigt, die durch Symbole angezeigt werden. Manchmal bestimmt ein Würfel weitere.

Paleo Personen / Foto: Brettspielpoesie

Häufig muss der aktive Spieler bei einer Aufgabe Karten ablegen, um die Zeit zu simulieren, welche die Aufgabe in Anspruch nimmt. Natürlich können Gefahren auf diese Weise nicht einfach unbeschadet entsorgt werden. Jede Person verträgt nur eine bestimmte Menge Schaden, bevor sie stirbt. In einem solchen Fall gelangt die Personenkarte auf den Friedhof und die Spieler platzieren einen Totenkopf, der sie einer Niederlage näher bringt. Viel lieber wollen sie Siegpunkte sammeln, die als Teile einer Höhlenmalerei daher kommen. Um solche zu bekommen müssen Aufgaben erfüllt, große Tiere erlegt oder Ressourcen umgewandelt werden.

Paleo Siegpunkte / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Im Idealfall gelingt es den Spielern die fünfteilige Höhlenmalerei und damit auch die Partie erfolgreich zu beenden. Leider endet die Partie auch, sobald der fünfte Totenkopf platziert wurde. Dann haben die Spieler das Kapitel nicht erfolgreich abschließen können. Dies kann durch zu stark verwundete Gruppenmitglieder, genau wie durch Nichterfüllung der Aufgaben in der Nacht, geschehen.

Spieleranzahl:

Aufgrund der aktuellen Situation konnten wir Paleo bisher ausschließlich zu zweit spielen. Dann teilen sich beide Spieler pro Runde den Kartenstapel, es können pro Zug beide gewählte Karten gespielt werden oder einer hilft dem anderen. In Partien zu viert würde jeder nur halb so viele Karten erhalten, es werden pro Zug dafür doppelt so viele, also vier Karten, aufgedeckt. Die Spieler haben insgesamt also nur die Hälfte der Zeit in Form von Spielzügen, um die Nacht vorzubereiten. Dafür bieten sich mehr Optionen an, da sich die Spieler in unterschiedlichen Kombinationen zusammen tun können. Obwohl das Spiel offiziell für 2-4 Spieler angegeben ist, enthält die Anleitung eine Solo-Variante, die ich aber nicht ausprobiert habe.

Glücksfaktor?

Das Glück spielt bei Paleo definitiv hinein. Uns ist es zu zweit häufig passiert, beide Karten ungenutzt ablegen zu müssen, weil beide einfach nichts tun konnten. Nicht einmal wenn wir gemeinsam agiert hätten. Manche Kapitel verlangen bestimmte Karten aus den Stapeln, dafür ist es durchaus interessant an welcher Stelle diese im Stapel stecken. Und dann sind da auch noch Würfel, die bei so mancher Gefahr erst genau festlegen, mit was wir es zu tun haben. Den Zufallsfaktor finde ich hier allerdings kaum störend, eher herausfordernd. Oft erschienen die Partien bereits früh verloren an, doch konnte das Ruder noch herum gerissen werden. Zudem fühlt er sich sehr thematisch an, denn in der Steinzeit wussten die Menschen sicherlich nie genau, was sie außerhalb ihrer Höhle so erwartet.

Meinung:

Ich mag Paleo sehr, es gibt einfach so viel zu Entdecken. Selbst nach erfolgreichem Abschluss aller Level, sind nicht zwingend alle Karten bekannt. Der Wiederspielreiz ist bei mir nach erfolgreichem Abschluss eines jeden der sieben vorgegebenen Level allerdings zunächst verflogen. Da passt es gut, dass die Module auch über die sieben enthaltenen Level hinaus beliebig zu kombinieren sind. Man kann nie genau vorher sehen, was einen in einer Partie alles erwartet. Keine spielt sich wie die andere. Der erste Versuch für ein Level besteht in der Regel daraus, die Karten kennen zu lernen, um sich eine Strategie zu überlegen. Erneute Partien desselben Levels starten die Spieler schon mit einem gewissen Erfahrungsvorsprung.

Auch die einzelnen Partien von Paleo haben einen interessanten Verlauf. Die Gruppen beginnen schwach, mit nur wenigen Fähigkeiten. So können sie es nur schwer mit größeren Gefahren oder Tieren aufnehmen. Doch die Gruppen entwickeln sich, es kommen weitere Personen hinzu und sie stellen Werkzeug her, mit dem immer mehr möglich wird. Auch die Kartenstapel verändern sich von Runde zu Runde. Ein erlegtes Tier kommt aus dem Spiel, es kann natürlich kein weiteres Mal verzehrt werden. So werden die Nahrungsquellen immer weniger, während die Gefahren immer häufiger auftauchen. Diese können oft nur schwer oder gar nicht entsorgt werden. Nur wer viel träumt, bekommt zumindest wieder neue Karten ins Deck.

Die Anleitung hat uns das Erlernen des Spiels nicht gerade einfach gemacht. Das liegt vor allem daran, dass manche Regeln nicht dort erklärt werden, wo man sie auf Anhieb erwarten würde. In Kombination mit der Aufteilung in eine Anleitung und ein mehrfach gefaltetes Beiblatt wird es schwer schnell mal etwas nachzulesen.

Insgesamt verliefen unsere Partien dennoch allesamt sehr rund. Spielerisch passiert genau genommen gar nicht viel: Karten aufdecken, Optionen abwägen und ausführen. Was drum herum passiert, ist das Spannende: Die Überlegungen, was auf den Karten womöglich zu finden ist. Oder die Entscheidung, welche der möglichen Optionen wir wählen und ob wir uns gegenseitig helfen sollten. Immer mit dem kurzfristigen Ziel die Nacht zu überstehen und langfristig an Siegpunkte zu gelangen, ohne dabei zu viele Menschen zu verlieren. Es wirkt alles einfach stimmig zur gewählten Thematik. Ich freue mich bereits auf Partien zu dritt oder viert, wenn dies wieder möglich ist, um die zu erwartende veränderte Dynamik zu erleben.

Fazit:

Das erste kooperative Spiel vom Hans im Glück-Verlag ist in meinen Augen ein wahrer Erfolg. Abwechslung entsteht durch vielseitige Kombinationsmöglichkeiten der Karten. Es gibt gemeinsam viel zu Entdecken. Dabei sind die Partien nicht zu leicht, sondern eher angenehm herausfordernd.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Hans im Glück-Verlag / Vertrieb: Asmodee
Autor(en): Peter Rustemeyer
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Asmodee für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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8 Antworten auf „Paleo“

Wir haben das Spiel nach mehreren Leveln sehr frustriert zur Seite gelegt. Die 17-seitige Spielanleitung ist unübersichtlich und unvollständig, für Suche nach Erklärungen wurden immer wieder längere Spielunterbrechungen mit teils erfolgloser Suche auch im Internet fällig, das änderte sich auch in höheren Leveln nicht. Die Spielmechanik wurde nach einigen Durchgängen langweilig, Steinzeitfeeling oder Spannung wollte nicht aufkommen. Bei schlechten Menschenkarten kann man das Level meist gleich abbrechen, es gibt dann zu wenig Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Nicht gut fanden wir auch, dass der Einkauf von wichtigen Gegenständen stark eingeschränkt ist. Meist muss man wichtige Karten dann wieder unerledigt ablegen oder kann sich nicht wehren. Die Karten selbst sind mit teils sehr kleinen Symbolen bedruckt, keineswegs selbsterklärend. Klar, das Material sieht bunt und ansprechend aus, der Spielspass blieb leider aus. Coronabedingt haben wir das Spiel nur zu zweit gespielt. Möglicherweise ist das Spiel zu dritt oder zu viert besser. Das Spiel ist wegen der schwierigen teils für uns unverständlich formulierten Regeln wohl eher für frusterprobte Kenner. Der Reiz alle Level zu beenden liegt für uns bei Null. Das ist schade, denn das Spiel ist zudem recht teuer.

Hallo Angelika,
die Anleitung fand ich auch sehr holprig (wie oben beschrieben), dennoch stellte sich bei uns nach dieser Hürde ein viel positiveres Spielgefühl ein. Schade, dass es bei euch nicht so gezündet hat. Ich fand das “Entdecken” der Karten immer spannend, es passt für mich euch thematisch gut, da man früher bestimmt nie sicher sein konnte, was einen außerhalb der eigenen Höhle erwartet. Die Partien verliefen bei uns meist sehr knapp, sodass durchaus Spannung aufkam, es aber nie unlösbar erschien. Eher konnten wir selbst in bereits verloren geglaubte Partien in den letzten Zügen noch den Sieg einfahren.

Ich denke nicht, dass sich euer Spielgefühl mit mehr Spielern ändern würde, da sich ja dieselben Karten einfach auf mehr Spieler verteilen. Da kann man sich sicherlich mal besser unterstützen, muss aber grundsätzlich dieselben Aufgaben nur in weniger Zügen lösen.

Vielleicht passt das Spiel einfach nicht zu eurem Spielegeschmack, ist manchmal einfach so :) Und die Anleitung tut dann einfach ihr Übriges dazu…
Verspielte Grüße, Sonja

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