Spiel des Jahres 2021 – Sieger

Logo Brettgeschichte
Logo – Brettgeschichte / Foto: Brettspielpoesie

Seit dem 14. Juni steht bereits fest, dass Pegasus Spiele in diesem Jahr das Triple gelungen ist: Mit Dragomino haben sie, neben einigen Kennerspielen und Spielen des Jahres in den vergangenen Jahren, nun auch das Kinderspiel des Jahres 2021 im Portfolio. Obwohl ich zunächst fürchtete, dieses Spiel wäre zu nah dran am Spiel des Jahres aus dem Jahr 2017, so habe ich mittlerweile doch die Erfahrung machen können, dass es Kinder einfach begeistert die Landschaftsplättchen passend zusammen zu legen und dafür als Belohnung einen Babydrachen oder die Drachenmama als Trost für ein leeres Ei zu erhalten. Gestern drehte sich dann alles um die Bekanntgabe von Kennerspiel und Spiel des Jahres und der Frage, ob auch dem Hans im Glück-Verlag das Triple gelingen mag. Und wider Erwarten durfte ich trotz Pandemie wieder dabei sein und möchte euch heute davon berichten.

Nachdem die Bekanntgabe im vergangenen Jahr im sehr kleinen Kreis statt fand und viele Personen nur per Videokonferenz dazugeschaltet wurden, machte der Verlauf der Pandemie dieses Jahr die Veranstaltung wieder in etwas größerem Rahmen möglich. Leider konnte die BerlinCon nicht wie sonst am Wochenende zuvor ihre Tore öffnen. Daher entschied ich mich, wie 2015, nur für die Bekanntgabe in die Hauptstadt zu reisen. Das ist für mich aus Braunschweig ja keine Weltreise. Um kurz nach 10 Uhr traf ich ein, doch fehlte noch ein negativer Corona-Test. Das Ergebnis erhielt ich erst kurz vor Beginn, sodass gar nicht viel Zeit blieb die Anwesenden zu begrüßen.

Dennoch war es wirklich sehr schön so viele Bekannter Gesichter wieder live und in Farbe zu sehen. Guido Heinecke, Geschäftsführer der Spiel des Jahres-Jury, verriet mir später, dass es zu seinen Aufgaben gehört diese Veranstaltung zu planen. Eine völlig neue Aufgabe, in die er erst hineinwachsen musste und die ihn besonders in Zeiten der Pandemie vor besondere Herausforderungen stellt.

SdJ21 Spielend für Toleranz
SdJ21 Spielend für Toleranz / Foto: Brettspielpoesie

Als Ehrengast war dieses Mal kein geringerer als Wolfgang Kramer anwesend, dessen Spiele schon mehrfach zum Spiel des Jahres gekürt wurden. Das Gespräch zwischen ihm und dem Sprecher der Jury, Bernhard Löhlein, wurde zu einer kleinen Zeitreise. Wolfgang erzählte, dass er 1986 in einem Telefonat mit Ravensburger von der Nominierung für Heimlich & Co erfuhr. Damals wurden die Nominierungen von der Jury eben noch nicht so öffentlich zelebriert wie heutzutage. Generell sah zu dieser Zeit die Zusammenarbeit mit den Verlagen noch ganz anders aus, auch dabei war das Telefon das Mittel der Wahl, um sich über große Entfernungen auszutauschen. Auch die Messen in Essen und Nürnberg waren damals ein wichtiger Ort für den Austausch und den Kontakt zu Verlagen.

Zu seinen Spielen kommt Kramer meist über das Thema, manches Mal muss dieses noch komplett über den Haufen geworfen werden, wie bei El Grande. Ursprünglich war die Idee im Spiel ein trojanisches Pferd zu errichten und dieses irgendwann loszulassen. Doch als in Nürnberg ein anderes Spiel mit trojanischem Pferd vorgestellt wurde, welches zum Glück ganz anders funktionierte, stand fest: Das Thema muss sich ändern.

Heute läuft laut Kramer in der Spielewelt alles ganz anders. Er blickt auch nicht verärgert zurück auf Spiele wie 6 nimmt oder Verflixxt, welche die Jury damals nicht nominierte. Getreu dem Motto “Man muss auch gönnen können”, haben es die Spiele, denen stattdessen diese Ehre zuteil wurde, ebenso verdient. An seinen Erfolgen hat seine Frau einen großen Anteil. Sie ist immer die erste Testerin, bringt Ideen für Mechanismen und Illustrationen ein, gibt sehr ehrliches Feedback, liest auch Spielregeln. Für die Zukunft glaubt Kramer an Künstliche Intelligenz in Brettspielen als kommende Innovation. Aber ganz egal was die Spieleszene noch alles erwartet, solange die Menschheit existiert, wird sie auch spielen und Spiele entwickeln, das steht für ihn fest.

Nach diesen interessanten Einblicken wechselte der Fokus auf die diesjährigen Nominierten. Wie auch schon im vergangenen Jahr übernahm Manuel Fritsch die Moderation. Zunächst wurden die Nominierten zum Kennerspiel des Jahres in kleinen Einspielern von den Jury-Mitgliedern kurz vorgestellt. Es folgte die Übergabe der Urkunden an die anwesenden Verantwortlichen. Der in den USA lebende Bruce Glassco, Autor von Fantastische Reiche, nahm lediglich per Videoschalte teil. Marcel Straub, Verlagsinhaber von Strohmann Games, nahm die Urkunde stellvertretend entgegen. Für seinen neu gegründeten Verlag ist es eine große Ehre, ein so gutes Spiel für den deutschen Markt gefunden zu haben, welches gleich eine Nominierung erhielt. Das zeigt ein gutes Gespür für Spiele, welches ihm hoffentlich nicht so schnell abhanden kommen wird. Erst müssen Spiele ihn überzeugen. Danach muss er Potenzial erkennen, dass sich eine breitere Masse dafür interessieren könnte, um es bei sich aufzunehmen.

KSdJ - Bruce Glassco
KSdJ – Bruce Glassco / Foto: Brettspielpoesie

Mit Kind und Kegel in Berlin dabei waren Min und Elwen. Sie sind die Autoren von Die verlorenen Ruinen von Arnak, diese Spitznamen bekamen sie beim Live Action Roleplay. Begleitet wurden sie von Vertretern von Czech Games Edition und HeidelBÄR Games. Heiko Eller-Biltz von HeidelBÄR Games verriet im Interview, dass aus den Geschäftsbeziehengen zu CGE und Horrible über die Jahre der Zusammenarbeit wirklich Freundschaften entstanden.

Peter Rustemeyer strahlte den restlichen Tag lang wie ein Honigkuchenpferd, denn seine zweite Veröffentlichung, Paleo, ist das Kennerspiel des Jahres 2021, Gratulation! Er wird das Autorendasein auf diesem Höhepunkt aber keineswegs beenden, sondern möchte noch weitere Ideen verwirklichen. Er muss nun allerdings erst einmal die Geschehnisse realisieren und verarbeiten. Ebenso sehr freute sich Moritz Brunnhofer von Hans im Glück über die Kennerspiel des Jahres-Auszeichnung, die den Verlag bislang verwehrt blieb, obwohl Stone Age wohl damals mit zu den Auslösern für die Erweiterung des Kritikerpreises um den anthrazitfarbenen Pöppel gehören soll. Damit gehört nun auch Hans im Glück zum kleinen Kreis der Triple-Gewinner.

KSdJ21 Paleo
KSdJ21 Paleo / Foto: Brettspielpoesie

Das gleiche Prozedere mit den Einspielern und der Urkundenübergabe folgte für die Anwärter auf den Hauptpreis mit dem roten Pöppel. Annik Lobet, die Autorin von Zombie Teenz Evolution wurde vom Inhaber von Scorpion Masqué vertreten. Er nahm den weiten Weg aus Kanada auf sich. Als er den Verlag vor 15 Jahren gründete, war es ein weit entfernter Traum, irgendwann mal einen Titel seines Verlags nominiert zu sehen. Und sollte dieses Ereignis wirklich jemals eintreffen, wollte er einfach dabei sein. Also hat er nicht lange überlegt, nachdem trotz Pandemie Gäste zugelassen wurden. Für die diverse Charaktergestaltung in Zombie Teenz Evolution hat er eine herzerwärmende Begründung geliefert. Er möchte, dass sich alle Brettspieler mit ihren Spielen vollständig identifizieren können. Vor allem der brettspielende Sohn eines Bekannten, der selbst im Rollstuhl sitzt und sich selten in Brettspielen wiederfinden kann.

Michael Menzel war ebenfalls vor Ort und musste sich erneut der Frage stellen, wie es zu seiner zweiten großen Veröffentlichung kam, obwohl er nach Andor nicht mehr als Autor aktiv sein wollte. Diese Abkehr brachte ihm die erforderliche Freiheit ein, ganz in Ruhe, ohne Druck an Die Abenteuer des Robin Hood feilen zu können. Was ihm scheinbar gut gelang, denn auf die Kennerspiel des Jahres-Auszeichnung für sein Erstlingswerk, folgte sogleich eine weitere Nominierung. Bei der es allerdings auch blieb, denn das Spiel des Jahres 2021 lautet MicroMacro Crime City.

SdJ21 Enthüllung
SdJ21 Enthüllung / Foto: Brettspielpoesie

Ebenfalls eine Spielidee von Illustratoren, die mit einer innovativen Spielidee die Jury überzeugten. Die Edition Spielwiese übernahm in diesem Jahr den Part von Reiner Knizia, sie sorgten mit einer MiroMacro-esken Verkleidung für eine tolle Atmosphäre. Dazu malten sie aus dem Spiel bekannte Gesichter auf ihre FFP2-Masken, trugen selbst gezeichnete Fliegen und hatten mit Kaddy von der Spielfritte sogar einen “echten” Hasen dabei samt Herluftballon dabei.

Spiel des Jahres - Sieger
Spiel des Jahres – Sieger / Foto: Brettspielpoesie

Paleo und MicroMacro Crime City sind die diesjährigen Preisträger, gleich zwei kooperative Spiele. Zwei Favoritensiege, würde ich sagen, entsprechend ruhig wurde die Bekanntgabe in diesem Jahr in der Blase aufgenommen. Ich denke das liegt auch daran, dass alle sechs Titel gute Sieger abgegeben hätten und die Jury bereits mit den Nominierungen ein ziemlich gutes Händchen bewiesen hat. Eine Jury, deren Arbeit im vergangenen Jahr sicher alles andere als einfach war. Für Martina Fuchs war das erste Jahr in der Jury trotz der Umstände sehr aufregend. Sie hat viel Spaß daran die vielen, unterschiedlichen Titel kennen zu lernen, auch wenn dies Zeit kostet, die sie manches Mal lieber in ein mehrstündiges War Game stecken möchte. Sie lobte die tolle Zusammenarbeit innerhalb der Jury, in der alle völlig gleichberechtigt agieren können, unabhängig von Alter, Geschlecht und davon, wie lange sie schon Teil der Jury sind. Gute Voraussetzungen, um auch im kommenden Jahr wieder die besten Titel des Jahrgangs in den verschiedenen Kategorien zu küren.

KsdJ Sieger
KsdJ Sieger / Foto: Brettspielpoesie

Einige kurze Interviews findet ihr ab dem Wochenende auch bei den Bretterwissern. Ich hoffe, dass sie euch trotz der Geräuschkulisse gefallen und mir die Doppelrolle der Interviewführung + Technik einigermaßen gelungen ist.

Nun seid ihr gefragt: Wie ist eure Meinung zu den Siegertiteln, seid ihr zufrieden? Schreibt mir gerne in die Kommentare, wie ihr die Bekanntgabe erlebt habt.

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