The Magnificent

The Magnificent: Cover / Foto: Pegasus Spiele

Immer herein, ins Zirkuszelt,
wo nichts erscheint wie von dieser Welt.
Zuschauer kommen von überall her,
um zu Staunen mehr und mehr.
Als Direktor müsst ihr es überblicken,
die Richtigen zur Manege zu schicken.
Zuvor viele Plakate verteilen,
damit Besucher heran eilen.
Nur wer verkauft die meisten Karten,
kann erfolgreich durchstarten.

Spielmaterial:

Der große, faltbare Spielplan ist sehr dunkel gehalten. Gleiches gilt für die dünnen Spielertableaus mit einer A- und B-Seite sowie die vielen Direktoren- bzw. Plakatkarten. Einen guten Kontrast dazu stellen die vielen halbdurchsichtigen Würfeln dar. Neben farblosen Würfeln gibt es welche in grün, lila und orange. In diesen Farben existieren auch Juwelen (ebenfalls in farblos), Zirkuswagen aus Holz sowie pro Farbe unterschiedliche Polyomino-Plättchen in je zwei Größen. Weitere Holzteile sind für die Spieler in den Farben blau, gelb, rot und schwarz enthalten. Zusätzlich liegen noch verschiedene Stanzteile bei. Diese können durch die mitgelieferte Aufbewahrungsbox ordentlich sortiert werden.

Das Spielmaterial stellt die Spieler direkt vor ein kleines Puzzle. Die Anweisung, wie die mitgelieferte Aufbewahrungsbox mit den Stanzteilen zu befüllen ist, wurde leider in der Erstauflage falsch abgedruckt. Wer es nicht selbst herausfinden möchte, kann sich hier anleiten lassen: https://www.youtube.com/watch?v=IN4AkGMhExA

Spielmechanismus:

Als Zirkusdirektoren versuchen die Spieler die meisten Tickets für Ihre Vorstellungen zu veräußern. Sie benötigen Artisten, deren fabelhafte Shows Besucher anziehen. Es werden Zirkuszelte benötigt und die Auftritte mit Plakaten angekündigt werden. Die Artisten werden im Lager auf dem Festplatz untergebracht, welches entsprechend für jeden Artisten vergrößert werden muss. Trainer liefern interessante Zusatzeffekte, gelangen nach Einsatz erst am Rundenende zur erneuten Verwendung zurück.

The Magnificent: Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

In jeder Runde erwürfelt der Startspieler das Angebot für alle, aus dem sich reihum jeder Spieler einen Würfel für seine Aktion auswählt. Die Augenzahl bestimmt die Energie für die Aktionen, aber auch die Kosten bei Rundenende. Von daher sind hohe Augenzahlen nicht zwangsläufig die bessere Wahl. In der aktuellen Runde bereits verwendete Würfel gleicher Farbe werden zum Wert hinzu addiert. Mit dieser Energie lässt sich eine von drei Aktionen ausführen: Das Lager auf dem eigenen Spielertableau erweitern, mit dem Wagen umherzureisen und dabei Boni einzusammeln oder Vorstellungen durchzuführen.

The Magnificent: Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Jeder Würfel wird einem eigenen Direktor zugeordnet und damit sein Spezialeffekt für diese Runde aktiviert. Zu den Effekten gehören zum Beispiel Würfelmodifikationen, Juwelen zu erhalten oder eine andere Direktorenkarte zu kopieren. Am Ende jeder Runde, also nachdem jeder Spieler vier Würfel gewählt und mit der Energie Aktionen ausgeführt hat, wählen die Spieler jeweils einen neuen Direktoren. Zu jeder dieser Direktorenkarten liegt auch ein Trainerplättchen aus, welches Zusatzaktionen ermöglicht. Danach wird die Wertung einer eigenen Direktorenkarte ausgelöst, welche anschließend aus dem Spiel kommt. Bei den Wertungen gibt es ganz unterschiedliche Schwerpunkte, sie können sich auf die genommenen Würfel, das eigene Lager, die eingestellten Artisten oder den eigenen Vorrat beziehen.

The Magnificent: Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach der vierten Runde endet die Partie. Die übrigen vier Direktorenkarten werden nun ebenfalls gewertet, bringen allerdings nur noch den halben Punktwert ein. Zusätzlich bringen vollständig bebaute Flächen der Tableaus Punkte, wobei mit übrigen Juwelen unbelegte Lücken schließen können. Zuletzt wird Geld in Tickets umgewandelt und dann steht der Sieger mit der höchsten Punktzahl fest.

Spieleranzahl:

The Magnificent skaliert gut, da bei weniger Spielern auch weniger Würfel zur Auswahl stehen. Zusätzlich gilt im Spiel zu zweit die Regel, dass der höher positionierte Spieler nach seiner Wahl eines Direktoren ggf. einen weiteren abwerfen darf, um nur den letzten für den Mitspieler übrig zu lassen. Das bringt überraschend eine etwas fiese Interaktion hinein, ansonsten besteht die Interaktion eher daraus, etwas zu blockieren oder vor der Nase wegzuschnappen.

Viel passiert auf den Spielertableaus, da kommen sich die Spieler nicht in die Quere. Beim Reisen, Anwerben neuer Artisten und den Aufführungen schon etwas mehr, genau wie bei der Auswahl der Würfel. Bei zwei Spielern ist es leichter auf andere Würfelfarben zu setzen, als bei mehr Spielern und die Zelte sind beim Reisen einfacher zu erreichen, dennoch funktioniert es auch gut zu zweit. Solo kann mit wenigen Anpassungen um einen Highscore gespielt werden.

Glücksfaktor?

Da Würfel die Energie bestimmen, entsteht natürlich ein gewisser Glücksfaktor. Dieser reduziert sich, da nur drei Würfe pro Parte das Angebot festlegen. Glückslastiger empfinde ich die Plakartkarten mit ihren Anforderungen an Lagerplättchen, da immer nur die Artisten auftreten können, zu denen entsprechende Plättchen verbaut sind. Es gibt zwar eine Auslage von vier Karten, doch wenn da nichts Passendes ausliegt, bleibt nur das zufällige Ziehen.

Meinung:

Vom Spielgefühl her, würde ich gerne fünf Punkte vergeben, doch leider sorgt die Umsetzung für Punktabzug. Die Anleitung enthält einige Fehler, neben der falschen Anweisung die Plättchen einzusortieren, sind auch an anderen Stellen kleine Fehler enthalten, die das Erlernen des Spiels erschweren. Zudem sind die Karten sehr dünn und nutzen sich schnell ab. Vom Verlag Pegasus Spiele bin ich normalerweise andere Qualität gewöhnt.

Soviel zur Beschaffenheit der Komponenten, nun zur Optik: The Magnificent sieht passend zum Spieltitel prachtvoll aus, das Cover machte mich schon auf der SPIEL’19 neugierig. Erstaunt war ich daher festzustellen, dass Pegasus das Coverbild durch eine prominente Abbildung eines anderen im Spiel enthaltenen Zauberkünstlers ersetzt hat. Grundsätzlich mag ich das neue Coverbild, wenn da nicht die Gliedmaßen merkwürdig hinzugezeichnet wären. Es hat aber durchaus auch Diskussionen ausgelöst, dass nun wieder mal eine sich räkelnde Frau im Vordergund steht und den männlichen Magier ersetzt. Der Verlag argumentiert damit, das vorherige Coverbild wäre zu dunkel gewesen, daher der Austausch. Ja, das Originalcover ist sehr dunkel, die Person darauf nicht auf den ersten Blick im Detail zu erkennen. Doch irgendwie passt dieser mysteriöse Feuerwerfer doch genau zur thematischen Untermalung.

Ansonsten wirkt das Thema eher aufgesetzt. Zwar führt es die einzelnen Spielelemente gut ein, ich habe mich jedoch nicht annähernd wie in einer Zirkuswelt gefühlt. Das, was die Spieler tun, bleibt abstrakt: Plättchen puzzeln, Wagen ziehen, auf der Leiste für die Vorstellungen platzieren und die Vorgaben der Artisten erfüllen.

Doch mir machen genau diese Aufgaben Spaß, ich mag schließlich Puzzlespiele und mir ist Mechanik wichtiger als Thema. Das Puzzle sollte auch keineswegs vollständig ignoriert werden, da es neben zusätzlichen Punkten bei Spielende auch Vorteile im Spielverlauf bietet. Genau an dieser Stelle stört mich ein Aspekt: Wer seine Aufführungen intelligent plant und sie mit wenigen Plättchen erfüllen kann, der wird vom Spiel quasi gezwungen zusätzliche Plättchen ohne weitere Verwendung zu platzieren. Dabei sollte es thematisch doch eben um die Aufführungen gehen und nicht so sehr um die Anordnung der Unterkünfte.

Die Regeln sind nicht kompliziert, es gibt nur drei Hauptaktionen, aus denen pro Zug genau eine gewählt wird. Das klingt jetzt aber vielleicht einfacher, als es tatsächlich ist. Sie stehen nämlich in Beziehung zueinander: Für die Auftritte werden Zelte und Plakatkarten benötigt, die Artisten erfordern spezielle Plättchen auf dem Festplatz. Die Wertungen sind spannend, da der Direktor und seine Fähigkeit abgegeben werden muss, wenn sie ausgelöst werden soll. Bei manchen Wertungen ist der Zeitpunkt entscheidend, am Ende einer Runde kann sie sich lohnen, doch ist ungewiss, ob dieser Zustand später erneut erreicht wird. Auch die Kombination mit den Trainerplättchen bei der Auswahl neuer Direktoren führt zu interessanten Entscheidungen, da diese mit ihren Fähigkeiten einen besonderen Vorteil leisten können. Im Verlauf der Partie erhalten die Spieler mehr von allem: Ein größeres Lager und mehr Zirkuszelte, um mehr Aufführungen parallel zu veranstalten. Es wird stets belohnt, was zuvor aufgebaut wurde.

Die Aktions- und Wertungswahl führt zu einem unheimlich intensiven Spielgefühl, jede Entscheidung fühlt sich wichtig an und nur in gelungener Kombination mit Spezialeffekten und der richtigen Reihenfolge kann um den Sieg mitgespielt werden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass aus dem Bauch heraus zu spielen hier nicht die beste Wahl ist, vor allem wenn die anderen Spieler sich intensiv hinein denken, was sich dann allerdings auch in der Spielzeit widerspiegeln kann.

Fazit:

The Magnificent verzaubert die Spieler auf den ersten Blick mit seinem Material, beim näheren Hinsehen fallen dabei jedoch Schwächen auf. Das Thema wirkt aufgesetzt, dennoch macht es mir immer wieder Spaß – Aus den wenigen Aktionen das Beste herauszuholen und die Punkte zu maximieren ist eine spannende Herausforderung.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Pegasus Spiele
Autor(en): Kristian A. Ostby, Eilif Svensson
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 60 – 90 Minuten

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