Trails of Tucana

Cover / Foto: Pegasus

Auf der Isla Petit – klein und fein,
zeichnen wir unsere Wege ein.
Verbinden Dörfer von Steg zu Steg,
manch Sehenswürdigkeit liegt auf dem Weg.
Schnell sein wird sich lohnen,
um einen Bonus abzuholen.
Die Isla Grande bietet bloß,
den ganzen Spaß auch noch in groß.
Noch eine Runde obendrauf,
für einen spannenderen Verlauf.
Sehenswürdigkeiten gibt es jeweils drei,
viel zu schnell ist alles vorbei.

Spielmaterial:

Ein dicker Block hält 100 doppelseitig unterschiedlich bedruckte Inselpläne bereit. Neben 27 Geländekarten mit den vier Geländearten sind Karten zum Aufbau sowie blaue und rote Bonuskarten dabei. Zusätzlich sind 8 Bleistifte enthalten, die jedoch sehr hart sind und deren Markierungen auf den Inselplänen dadurch bei ungünstiger Beleuchtung schnell spiegeln können.

Trails of Tucana: Spiegelung / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Jeder Inselplan zeigt zehn Dörfer und diverse Sehenswürdigkeiten. Die Spieler entscheiden sich gemeinsam für einen Plan, eine Aufbaukarte gibt vor, wie die Dörfer im Uhrzeigersinn bezeichnet werden, sodass jeder Spieler eine andere Position der Dörfer erhält. In zwei Durchläufen werden jeweils 26 Geländekarten gespielt. Nachdem zwei davon aufgedeckt wurden, verbindet jeder einfach zwei aneinander angrenzende Landschaften dieser Art auf seinem Blatt. Diese Verbindung kann irgendwo auf dem Plan eingezeichnet werden, es muss nicht an bereits existierende Wege angrenzen.

Trails of Tucana :Karten / Foto: Brettspielpoesie

Wird dadurch eine Sehenswürdigkeit mit dem Steg eines Dorfes verbunden, darf die Sehenswürdigkeit im Feld auf der rechten Seite markiert werden. Die zweite Sehenswürdigkeit einer Art wird mit einem zusätzlichen Weg belohnt, der zwei beliebige Landschaften verbindet und sofort eingezeichnet werden muss. Bindet dieser zusätzliche Weg eine weitere Sehenswürdigkeit an, können Kettenzüge entstehen. Der erste Spieler, dem es gelingt die zwei Dörfer mit gleichem Buchstaben miteinander zu verbinden, darf die zugehörige Bonuskarte ablegen und sich die angegeben Punkte notieren.

Trails of Tucana: Inselpläne mit Aufbaukarten

Am Ende jedes Durchlaufs werden die aufgedruckten Punkte für alle bereits an Dörfer angebundene Sehenswürdigkeiten vergeben. Wer diese bereits im ersten Durchlauf markieren konnte, erhält diese Punkte also doppelt. Die Rückseite mit der Isla Grande funktioniert sehr ähnlich, es stehen nur mehr Felder zur Verfügung, dafür gibt es einen Durchlauf mehr. Aber auch jede Sehenswürdigkeit ist gleich drei Mal vertreten, ein zusätzlicher Weg darf erst bei der dritten Sehenswürdigkeit einer Art eingezeichnet werden. Durch die roten Bonuskarten erhalten Spieler zusätzliche Punkte, die zuerst zwei vorgegebene Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden.

Spielende:

Am Spielende Werden die Punkte der Rundenwertungen für die Sehenswürdigkeiten addiert. Hinzu kommen Punkte für verbundene Dörfer und ggf. erfüllte Bonuskarten. Es gewinnt, wer im Anschluss die höchste Wertung vorweisen kann.

Spieleranzahl:

Laut Verlag ist dieses Spiel für einen bis acht Spieler vorgesehen, entsprechend sind auch acht Bleistifte enthalten. Je nach Spielerzahl werden unterschiedlich viele Bonuskarten verwendet, das skaliert gut. Solo funktioniert das Spiel sehr ähnlich, es werden allerdings nur die schwächeren Bonuskarten verwendet und von diesen müssen ggf. welche zufällig vor dem letzten Durchlauf entfernt werden. Eine Wertungsskala gibt für beide Inselpläne an, wie gut das erreichte Ergebnis einzuordnen ist.

Glücksfaktor?

Zufällig aufgedeckte Karten geben die Geländekombinationen vor, zwischen denen ein Weg eingezeichnet werden darf. Da ist natürlich Glück im Spiel. Aber auch Vorausplanung wird ermöglicht, denn die Anzahl enthaltener Geländekarten ist bekannt. So gibt es beispielsweise viel mehr Wüstenkarten als Seen, wer das im Hinterkopf behält, kann sich darauf einstellen. Obwohl auch dieses Wissen nicht davor schützt, dass eine bestimmte Geländekombination einfach nicht gemeinsam aufgedeckt wird.

Meinung:

Trails of Tucana bereichert die Welt der Flip’n’Write-Spiele: Der Spielablauf ist simpel, aber nicht banal. Zu Beginn einer Partie haben die Spieler nahezu freie Auswahl, wo sie ihre Wege platzieren, doch mit jedem weiteren Weg auf dem Plan, werden die sinnvoll zu nutzenden Plätze seltener. Doppelte Verbindungen sind nicht lukrativ, sie sollten vermieden werden. Doch geht das nicht immer auf, denn die Geländearten werden nun mal durch die Karten vorgegeben. Dabei können Emotionen ordentlich hochkochen, wenn eine bestimmte Geländekombination ewig nicht oder genau im richtigen Moment erscheint. Wer sich keine zusätzlichen Optionen offen hält, steht am Rundenende plötzlich ohne viele Punkte da, weil eben dieser eine Weg nicht eingezeichnet werden konnte, der doch so viele Sehenswürdigkeiten angebunden hätte. Richtig, hätte! Mit dem Risiko müssen die Spieler leben, doch letztendlich haben alle Spieler die gleichen Voraussetzungen, da die Kartenkombinationen immer für alle aufgedeckt werden. Dennoch kann es natürlich frustrieren, wenn in der ersten Runde kaum Punkte eingefahren werden, während alle anderen ordentlich einsacken. Das ist meist auch nur schwer aufzuholen. Bei der kurzen Spielzeit, folgt jedoch meist eine Revanche.

Eigentlich spielt jeder für sich alleine, doch durch die Bonuskarten entsteht allerdings ein gewisser Wettbewerb. Alle Verbindungen sind scher zu erreichen, jeder konzentriert sich auf bestimmte und hofft, diese vor allen anderen fertig zu stellen. Die Inselpläne der Mitspieler sind meist nur umständlich einzusehen, es würde das Spiel auch unnötig in die länge ziehen, diese in jedem Zug genau zu inspizieren. Durch dieses recht solitäre Spielgefühl lässt sich Trails of Tucana auch problemlos per Videokonferenz spielen, wie sich während der Kontaktbeschränkungen der vergangenen Zeit erfolgreich gezeigt hat. Der Verlag unterstützt dies, indem die Inselpläne zum kostenlosen Download angeboten werden. Die kleinere Insel eignet sich gut, um einen Einstieg in das Spiel zu finden, die größere Insel bietet mehr Möglichkeiten. Bei uns werden in der Regel einfach beide Varianten hintereinander weggespielt, auch wenn mir persönlich La Isla Grande etwas mehr zusagt. Kleine Anekdote: Bei den Sehenswürdigkeiten waren wir uns bei Buch, Obelisk und dem Tukan übrigens immer einig mit was wir es zu tun haben, während das Seeungeheuer bei uns meist als Drache bezeichnet wurde und der Yeti wahlweise als Katze oder gar Maus, aber niemals als Yeti :-D

Ich mag vor allem dieses dauerhafte Belohnungssystem. Alle freuen sich, wenn sie Sehenswürdigkeiten angebunden haben, vor allem wenn sie auch noch mit einem beliebigen Weg belohnt werden und Kettenzüge ausführen können. Ob Sieg oder Niederlage, bei jedem Spieler entsteht ein Wegenetz, was hinterher bewundert werden kann. Vielleicht spornt es aber auch an, es in einer Ravanche-Partie einfach besser zu machen, denn Schuld sind ja im Zweifel immer nur die Karten gewesen ;-)

Fazit:

Ein sehr zugängliches Flip’n’Write-Spiel, welches trotz seines eigentlich simplen und immer wieder gleichen Ablaufs über viele Partien fesselt und anspornt, die Wege in der folgenden Partie noch besser zu platzieren.

Wertungsnote 5/6

[UPDATE 26.06.2020] In der ursprünglichen Version dieser Rezension wurde hier versehentlich die Grafik mit nur 4 Würfelpunkten eingeblendet. [UPDATE ENDE]

Verlag: Pegasus Spiele
Autor(en): Eiliff Svensson, Kristian Amundsen Østby
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 8 Spieler
Dauer: 30 Minuten

Vielen Dank an Pegasus Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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