Wo geht’s hier zum Ausgang? – No. 14

Ausgang Logo

Ausgang Logo / Foto: Brettspielpoesie

Ich habe auf diesem Blog nun schon einige Escape Room-Adaptionen für den Spieltisch vorgestellt, allen liegt die gleiche Idee zu Grunde: Das Erlebnis eines Escape Rooms mit all seinen Rätseln und Aufgaben, die gelöst werden müssen, um zu entkommen, einzufangen und in eine Box zu packen. 2016 fingen die ersten Verlage damit an, doch dieser Trend ist noch lange nicht vorüber. Immer wieder tauchen hier und da neue Anbieter auf und alle finden einen etwas anderen Weg der Umsetzung. Viele dieser Titel bleiben durch Erweiterungen dauerhaft am Markt. Für mich als Rezensent bleibt es schwer, darüber zu berichten. Solche Spiele sind für eine Gruppe nur ein einziges Mal spielbar, danach ist die Lösung schließlich bekannt, daher kann auch nur der grobe Spielablauf mit seinen Mechanismen beschrieben werden. Ich habe nun beschlossen keine einzelnen Rezensionen mehr zu den vielen Escape Room-Adaptionen und dessen Erweiterungen zu verfassen, sondern über mehrere gemeinsam berichten, wenn wieder ein paar durchgespielt wurden.

Exit – Das Spiel: Der verwunschene Wald

Foto: Kosmos

Der verwunschene Wald ist das neueste Exit-Spiel für Einsteiger und spielt in einer märchenhaften Welt. Versehentlich sind die Spieler in den verwunschenen Wald hinein gestolpert, müssen diesen nun erkunden, um den Ausweg zu finden. Dabei bekommen sie Unterstützung von einigen, bekannten Märchenfiguren, die im Gegenzug jedoch Hilfe bei so manchem Rätsel benötigen. Für Exit-Spieler gibt es doch nichts leichteres, als das. Oder etwas nicht!?

Es ist ein typischer Einsteiger-Fall, bei dem immer nur die Seiten, Karten und Materialien zur Verfügung stehen, die für das aktuelle Rätsel benötigt werden. Keine zusätzlichen Informationen lenken ab, die Spieler können sich voll und ganz auf jedes Rätsel konzentrieren. Typisch für einen Exit-Fall, muss auch hier Material dauerhaft verändert werden, was besondere Rätsel ermöglicht. Wie auch schon bei anderen Einsteiger-Exits, epfand ich hier die Interaktion der Spieler mit dem Spielmaterial besonders hoch. Eines der anthaltenen Rätsel funktionierte bei uns allerdings nicht so gut, die anderen waren zwar relativ leicht zu lösen, aber dennoch interessant umgesetzt.

Exit – Der verwunschene Wald Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Neu ist hier, dass zum Abschluss eines jeden Rätsels das Tier, welches bei der Lösung geholfen hat, auf einer Karte eingezeichnet werden soll. Das hat bei uns ganz schön viel Zeit verbraucht. Ich hätte dieses Element nicht unbedingt gebraucht, doch für Kinder ist das sicherlich schön gemacht. Auch wenn die Rätsel leicht und die Geschichte kindgerecht ist, habe ich mich als Erwachsener auch ein wenig verzaubert und die Märchenwelt hinein gezogen gefühlt.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Inka & Markus Brand
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 45 – 90 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Escape the Box – Das verfluchte Herrenhaus

Cover Foto: Brettspielpoesie

Nicht nur die Escape Room-Spiele boomen zur Zeit, auch Escape Room-Bücher fluten den Markt. Der Frech-Verlag ist mit seinen Buch-Reihen unter der Marke TOPP Kreativ schon früh auf diesen Zug aufgesprungen: Über die Jahre haben viele unterschiedliche Ausgaben der Escape Adventures das Licht der Welt entdeckt. Dies ist eine Buchserie von verschiedenen Autoren, darunter häufig auch Sebastian Frenzel, der übrigens nicht derselbe Sebastian Frenzel ist, der für ESCAPE Dysturbia mitverantwortlich ist. Ein interessanter Zufall, wie ich finde. Nach vielen dieser Bücher und einem scheinbar gut verkauftem Adventskalender im vergangenen Jahr, folgen nun auch Escape Room-Spiele, bei denen die Spielschachtel als zentrales Spielelement genutzt wird.

Escape the Box – Das verfluchte Herrenhaus Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Dafür wird die quadratische Box durch Papptrenner in neun Räume eingeteilt. Damit die Spieler sich nicht gleich alles anschauen können, fehlen die Bodenplatten der meisten Räume zu Beginn. Schließlich sollen sie sich von Raum zu Raum vorarbeiten, müssen erst Schlüssel finden oder Hinweise kombinieren, bevor weitere Räume entdeckt werden können. Immer dann werden entsprechende Karten in die Schachtel hinein gelegt, um den gesamten Raum einsehen zu können. Neben vielen Details auf den Abbildungen an den Wänden und/oder am Boden sind Aktionssymbole mit Werten zu sehen. Steht den Spielern eine Person oder ein Objekt mit passendem Aktionspuzzleteil zur Verfügung, können die beiden Werte addiert und der entsprechende Passus im Aktionsheft gelesen werden. So schreitet die Geschichte voran, die Spieler entdecken zusätzlich weitere Karten oder erhalten neue Informationen. Die Charaktere sind allesamt Geisterjäger, die zu diesem Haus gekommen sind, um es von einem Fluch zu erlösen, damit die Bewohner wieder beruhigt dort leben können. Jeder Spieler erhält eine Pappfigur, mit der er sich innerhalb des Gebäudes bewegen kann. Diese Figuren sind allerdings eher störend als hilfreich, sie stehen meist im Weg oder fallen um, wenn ein Spieler die Box in die Hand nimmt. Da sich jeder jederzeit zwischen allen zugänglichen Räumen bewegen kann, ist es auch völlig irrelevant wo sich die einzelnen Figuren derzeit aufhalten.

Escape the Box – Das verfluchte Herrenhaus Charaktere / Foto: Brettspielpoesie

Geisterjäger und Flüche gehören nicht gerade zu meinen Lieblingsthemen, aber es bietet sich für ein solches Szenario natürlich gut an. Die Rätsel sind ganz gut gemacht, manche allerdings nicht eindeutig genug, um sie direkt lösen zu können. Meist war unklar, nach welcher Vorgabe das Rätsel gelöst werden muss, sodass herum probiert wurde. Ich hätte mir auch noch mehr falsche Fährten gewünscht. Zum Beispiel kommt ein Aktionssymbol erst spät ins Spiel, dann gibt es genau drei Textabschnitte dazu, also auch genau drei passende Aktionsnummern. Außerdem sind diese Aktionspuzzleteile ziemlich groß abgebildet, wären sie weniger auffällig, müsste man noch mehr auf die Umgebung achten. Der Schwierigkeitsgrad dürfte für meinen Geschmack ebenfalls gerne noch steigen.

Escape the Box – Das verfluchte Herrenhaus Codekarten / Foto: Brettspielpoesie

Das Lösungssystem gefällt mir. Es gibt fünf Karten mit den Zahlen von 0 – 9 auf Vor- bzw. Rückseite und farblichen Verbindungen. Die Rätselkarten zeigen eine Farbe, die beim richtigen Code als durchgängige Linie von links nach rechts enstehen sollte. Auf der Rätselkarte steht eine Zahl, folgend der Linie werten die Zahlen hinzu addiert oder davon subtrahiert, am Ende sollte eine Seitenzahl des Aktionsheftes heraus kommen, auf der die Geschichte weiter geführt wird.

Wer stecken bleibt, kann sich am Ende des Aktionsheftes Tipps und Lösungen holen. Bei Spielende gibt es eine Wertung, welche sich aus der benötigten Zeit, der Anzahl Spieler und ihres Alters sowie genutzter Hilfen und Lösungen ergibt. Positiv empfand ich hierbei, trotz genutzter Hinweise noch Chancen auf die beste Wertung haben zu können. Bei diesem Spiel wird nichts zerstört, es lässt sich hinterher komplett zurück setzen. Aufgrund der Vielzahl an existierenden Escape Room-Büchern haben wir uns entschieden, diese generell außen vor zu lassen und uns rein auf die Brettspiele dieses Genres zu konzentrieren. Das sind immerhin auch jede Menge, neben den vielen Brettspielen anderer Genres, die so erscheinen, sind wir damit bereits gut ausgelastet. Daher kam diese Box genau richtig, um in unserem Fokus zu landen. Mein Interesse wurde jedenfalls geweckt und ich möchte nun auch den parallel erschienen Fall in der verrückten Spielhalle lösen. Außerdem bleibt zu hoffen, dass noch weitere Boxen folgen, die vielleicht sogar etwas anspruchsvoller umgesetzt werden.

Wertungsnote 4/6

Verlag: TOPP Kreativ
Autor(en):
Sebastian Frenzel, Sabrina Sgoda, Simon Zimpfer
Erscheinungsjahr:
2020
Spieleranzahl:
2 – 4 Spieler
Dauer:
120 – 180 Minuten

Vielen Dank an den Frech Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Decktective – Das gespenstische Gemälde

Der Spielmechanismus hat sich zum ersten Fall nicht geändert: Die durchnummerierten Karten gelangen der Reihe nach zu den Spielern, ihre Werte werden immer größer. Reihum wird entschieden eine Karte offen auszuspielen oder verdeckt abzulegen. Die Anzahl verdeckt abgelegter Karten entscheidet darüber, welche Kartenwerte ausgespielt werden dürfen. Es müssen also Karten verdeckt zur Seite gelegt werden, die Spieler entscheiden selbst, welche sie dafür als geeignet halten. Erst wenn alle Karten gespielt wurden, dürfen die Spieler auch über die abgelegten Karten sprechen. Dann werden Fragen beantwortet, deren Antworten die Spieler mit Plastikclips markieren.

Wieder werden einige Karten in den Rand der kleinen Schachtel gesteckt, um den 3D-Tatort aufzubauen. In einem Museum wurde eingebrochen und ein wertvolles Gemälde gestohlen. Das passierte während der Besitzer auf Dienstreise verweilt, nur zwei seiner Mitarbeiter hatten Zugang, doch sie behaupten im Gebäude würde es spuken. Im Laufe der Ermittlungen gibt es weitere gespenstische Vorfälle, diese sogenannten Plottwists kommen ebenfalls über den Kartenstapel ins Spiel. Durch sie kann sich auch der 3D-Aufbau ändern.

Decktective -Das gespenstische Gemälde 3D-Aufbau / Foto: Brettspielpoesie

Den Fall korrekt aufzulösen ist nicht einfach, es gibt viele Details, die zu beachten sind und richtig kombiniert werden müssen. Daneben sind auch einige falsche Fährten eingebaut, denen man nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken sollte. In meinen Augen eine gelungene Steigerung zum ersten Fall der Serie. Auch wenn ich nicht komplett zufrieden mit der Auflösung bin, da ein übersehenes Detail zu einer völlig falschen Schlussfolgerung führen kann. Vielleicht hat ein Spieler genau dieses Detail nicht erkannt und die Karte daher verdeckt abgelegt, dann hat es das Team schwer. Zudem wird ein geswisses technisches Know-how vorausgesetzt, um den Hinweis korrekt zu interpretieren.

Insgesamt sind zehn Punkte durch das korrekte Beantworten der Fragen möglich, eine Wertung beschreibt wie gut sich die Spieler mit einer bestimmten Punktzahl geschlagen haben. Es gibt jedoch keine Minuspunkte für unwichtige Karten, wie es bei der Sherlock-Reihe der Fall ist. Auch ohne die Höchstpunktzahl zu erreichen, blieben wir mit einem guten Gefühl zurück, da wir grundsätzlich in der richtigen Richtung unterwegs waren. Ich würde mir wünschen, dass diese Serie weiter geht und sich vielleicht noch weiter steigern kann.

Wertungsnote 5/6

Anbieter: Abacusspiele
Autor(en):
Martino Chiacchiera, Silvano Sorrentino
Erscheinungsjahr:
2020
Spieleranzahl:
1 – 6 Spieler
Dauer:
60 Minuten

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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