Underwater Cities

Cover/Foto: Delicious Games

Die Erde leidet schon viel zu sehr,
bald müssen Alternativen her.
Da stellt man sich vielleicht die Frage:
Kann das Meer ein Ausweg sein?
Wir zählen einfach die Tage,
bis dort entsteht so manches Heim,
dafür setzt ihr eure Arbeiter ein,
die Karten sollten passend erschein‘,
damit eure Maschine zu laufen beginnt,
und ihr diese Partie Underwater Cities gewinnt.

Spielmaterial:

Neben einem faltbaren Spielplan und vier Spielertableaus, kommt Underwater Cities mit jeder Menge Kleinkram daher: Ressourcen, Gebäude, Städte, Metropolen, Tunnel und Geld. Die Städte sind weiße und rote Plastikkuppeln, die Gebäude weiße, grüne und gelbe Plastikchips, das macht optisch schon was her. Besonders die Gebäude, die bei Aufwertung übereinander gestapelt werden, können aber auch schnell verrutschen.

Die Spieler- sowie der Rundenmarker sind als einziges Material aus Holz, die Aktionsplättchen aus Pappe. Weiterhin enthalten sind jede Menge Karten, viele davon für die drei Zeitalter, dazu persönliche Karten, Spezial- oder Zielkarten. Die Spielertableaus sind auf dünne Pappe gedruckt, das kann man als minderwertig ansehen, sie liegen dabei aber schön flach auf dem Tisch. Ich sehe keinen Grund für dickere Tableaus und bin mit dem Material durchaus zufrieden. Lediglich die Karten fühlen sich, verglichen mit Karten anderer Spiele, etwas dünn an. Die ausführlichen Übersichten zu Wertungsphase und Spielende erleichtern es den Überblick zu behalten und verhindern alles in der Anleitung nachlesen zu müssen. Auch die verwendeten Symbole sind dafür gut gewählt und prägen sich schnell ein.

Spielertableau / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

In drei Zeitaltern entstehen auf den Spielertableaus die Unterwasserwelten aus Städten und Versorgungsgebäuden, die durch durch Tunnel verbunden werden. Die Spieler konkurrieren dabei Runde für Runde um Aktionsplätze, zusätzlich wird immer eine Karte ausgespielt. Die Aktionsplätze sind drei Farben zugeordnet, doch nur wer eine farblich passende Karte spielt, darf zusätzlich zur Aktion auch ihren Effekt nutzen. Die Stärke der Aktionen sind gegenläufig. Das bedeutet, die stärksten Kartenaktionen sind mit den schwächeren Hauptaktionen gekoppelt und umgekehrt. Mit den Hauptaktionen können die Spieler an Ressourcen gelangen, diese für den Bau der Städte, Tunnel und Gebäude einsetzen, Gebäude und Tunnel aufwerten, Karten erhalten oder auf der Staatenbundleiste vorschreiten. Diese bestimmt die Spielerreihenfolge der folgenden Runde. Zudem werden Schritte mit Ressourcen belohnt.

Spielplan / Foto: Brettspielpoesie

Karten gibt es unterschiedlichster Art: Manche bieten Soforteffekte, andere dauerhafte, einige produzieren in den Produktionsphasen, bieten einmalig pro Zeitalter nutzbare Aktionen oder lösen Wertungen bei Spielende aus. Für manche Soforteffekte sind bestimmte Gebäude im Spiel notwendig oder es werden Ressourcen eingesetzt. Sind diese Dinge nicht vorhanden, kann auch der Karteneffekt nicht genutzt werden. Jeder Zug endet mit dem Ziehen einer Karte. Zu diesem Zeitpunkt dürfen die Spieler beliebig viele Handkarten besitzen, zu Beginn müssen jedoch alle bis auf drei abgelegt werden. Neben den normalen Generationskarten gibt es Spezialkarten, die nur über eine spezielle Aktion zu bekommen sind. Diese bieten interessantere Optionen und Endwertungen, sie müssen beim Ausspielen dafür allerdings mit Geld bezahlt werden.

Spielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Die Produktion erfolgt nach jedem Zeitalter, also drei Mal im ganzen Spiel. Neben den eben erwähnten speziellen Karteneffekten, produzieren die Gebäude und Tunnel der Spielertableaus, die mit der Startstadt verbunden sind. Im Anschluss wollen die Bürger in den Städten ernährt werden und die sogenannten Aktionskarten werden wieder aktiviert.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Für erfahrene Spieler gibt es zwei zusätzliche Herausforderungen. Zum einen zeigen die Rückseiten der Spielertableaus Boni und Produktionsmöglichkeiten bei der Platzierung einiger Städte, Gebäude oder Tunnel aber zugleich auch Kosten, die bei Platzierung dessen ebenfalls anfallen. Zum anderen gibt es drei offene Auftragskarten, die Punkte und Boni ermöglichen, allerdings nur für den Spieler, der die Anforderung als Erster erfüllt.

Spielende:

Nach Ablauf des dritten Zeitalter mit allen Phasen, einschließlich der Produktion, kommt es zur Endabrechnung. Es gibt Punkte für die angeschlossenen Metropolen, je nachdem wie gut die Spieler die Bedingung darauf erfüllen. Diese Wertung setzt bei jedem Spieler einen anderen Fokus, es empfiehlt sich dies von Spielbeginn an in Betracht zu ziehen. Es folgen ggf. Endwertungskarten, die während der Partie ausgespielt wurden. Auch diese bringen Punkte in Abhängigkeit der angegebenen Wertung ein. Anschließend wird das gesamte an die Startstadt angeschlossene Netzwerk gewertet. Die meisten Punkte gibt es für Städte, in denen alle drei Gebäudearten vertreten sind. Für jede nicht vorhanden Gebäudeart gibt es entsprechend weniger Punkte. Zuletzt werden noch Ressourcen und Geld in Siegpunkte umgewandelt, bevor der Sieger mit der höchsten Punktzahl feststeht.

Spieleranzahl:

Ein bis vier Spieler sollen möglich sein, ich habe für mich beschlossen es zu viert nicht ausprobieren zu wollen. Selbst zu dritt hat es gewisse Längen, zu viert fürchte ich, dass dies nur schlimmer wird, das Spiel aber nicht wirklich dadurch gewinnt. Die einzige Änderung zum Spiel zu dritt ist die Möglichkeit eine Aktion zu kopieren und das drei symbiotische Städte mehr verwendet werden. Für das Spiel solo oder zu zweit, gibt es eine separate Spielplanseite mit weniger Aktionsfeldern und einer anderen Verteilung der Aktionen. Das skaliert ziemlich gut.

Ich bin bisher nicht dazu gekommen es solo auszuprobieren, ich würde vermutlich auch andere Spiele vorziehen, die schneller auf- und abgebaut sind. Da sich vieles in diesem Spiel recht solitär anfühlt, sollte es auch alleine gut funktionieren. Dann werden in jeder Runde nach bestimmten Regeln bis zu vier Aktionsfelder belegt, die nicht zur Verfügung stehen. Das Ziel ist es dann bei Spielende mit sieben verbundenen Städten mindestens 100 Punkte zu erzielen.

Glücksfaktor?

Underwater Cities ist grundlegend ein strategisches Ziel, doch die Karten kommen zufällig und können dadurch Glück hinein bringen. Idealerweise möchte man bei jeder gewählten Aktion auch den Effekt der Karte nutzen, dafür müssen die Farben übereinstimmen. Das funktioniert nicht immer ideal. Doch auch ohne farblich passende Karte kann eine Aktion gespielt werden und das kann in gewissen Momenten lukrativer sein, als auf eine bestimmte Kartenfarbe zu warten. Grundsätzlich gelangen die Karten durch die Aufteilung auf die Zeitalter zum richtigen Zeitpunkt in das Spiel, zu Beginn die Schwächeren, die über viele Runden genutzt werden können, erst zum Ende hin die meisten Endwertungskarten. Ansonsten sind alle Informationen jederzeit offen, nur die Handkarten werden geheim gehalten.

Fazit:

Dieses Spiel ist ganz nach meinem Geschmack, wie auch schon der Vorgänger des Autors: Pulsar 2849. Häufig wird es mit einem meiner Lieblingsspiele, nämlich Terraforming Mars, verglichen. Ja, beide Spiele beinhalten viele Karten, in beiden Spielen bauen sich die Spieler in gewisser Weise Engines damit auf und thematisch geht es um neue Welten, die besiedelt werden. Das war es dann aber auch schon an offensichtlichen Gemeinsamkeiten. In meinen Augen können beide Spiele nebeneinander wunderbar bestehen, jedes überzeugt auf seine eigene Art.

Bei Underwater Cities breiten sich die Spieler auf ihren eigenen Spielertableaus aus, dafür kommen sie sich bei der Aktionswahl in die Quere. Es mangelt generell an allen Ecken und Enden, mal fehlt noch genau ein Geld, die gewünschte Kartenfarbe oder man bekommt die Ressourcen einfach nicht zusammen. Der Spielfluss ist sehr angenehm. Zu Beginn sind die Ressourcen noch sehr rar, nach der ersten Produktionsphase können bereits einige ausreichend zur Verfügung stehen oder von allem ein wenig, je nach Ausrichtung der Spieler. Bei Spielende sind Städte mit vielen unterschiedlichen Gebäuden mehr wert, es kann aber genauso eine Strategie sein, sich zu spezialisieren, wenn passende Endwertungskarten im Spiel sind. Denn nur für aufgewertete Doppelgebäude in einer Stadt gibt es die ganz großen Erträge, bei drei unterschiedlichen Gebäudetypen und in der Regel nur drei Standardbauplätzen muss irgendwas zurück gestellt werden.

In der ersten Partie mit den Rückseiten der Tableaus und den Aufträgen dachte ich noch, dass dies gar nicht so viel am Spiel ändert. Doch ich wurde schnell eines Besseren belehrt. Das Spielgefühl bleibt zwar sehr ähnlich, aber es gibt einfach noch viel mehr in Betracht zu ziehen. Schnell fehlt doch noch die eine zusätzliche Ressource, um auf diesem Bonusfeld platzieren zu können, also wartet man mit dem Bau vielleicht lieber noch. Wenn man nicht aufpasst, eröffnet das jedoch den Mitspielern die Möglichkeit sicher geglaubte Aufträge vor einem zu erfüllen. Ich mag genau solche Zwiespälte und liebe es immer wieder auf ein neues die beste Strategie auszutüfteln und gegebenenfalls im Verlauf einer Partie taktisch anpassen zu müssen. Ich mag auch das Hoffen und Bangen, ob man die „richtigen“ Karten auf die Hand bekommt. Denn trotz des Glücksfaktors gibt es diverse Optionen Einfluss zu nehmen, dabei unterbindet das Handkartenlimit ein schlichtes Karten horten. Lediglich die Wertungskarten können unangemessen verteilt sein und ein Spieler keine solche Karte über den normalen Kartenstapel in die Hände bekommen. Es liegen aber immer die Spezialkarten mit Endwertungen aus, also wird auch diesem Umstand etwas entgegen gewirkt. Ich habe jedenfalls großes Interesse daran, noch viel Partien Underwater Cities folgen zu lassen. Die unterschiedlichen Wertungsziele erfordern ganz unterschiedliche Strategien, was den Wiederspielwert hoch hält. Zur SPIEL 2019 ist dennoch bereits eine Erweiterung angekündigt, die ich mir auf jeden Fall ansehen werde, auch wenn ich ohne diese sicher noch einiges zu entdecken habe.

Wertungsnote 6/6

Verlag: Delicious Games
Autor(en): Vladimir Suchy
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 40 Minuten pro Spieler

Vielen Dank an Delicious Games für die Bereitstellung eines vergünstigten Rezensionsexemplares!

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