Was gibt’s zu Essen? Nr.11 – Lizenzspiele

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Logo / Foto: Brettspielpoesie

Lizenzspiele, also Verspielungen bekannter Lizenzen wie zum Beispiel Disney, Star Wars, Der Herr der Ringe oder Harry Potter, haben es oft schwer. Das liegt sicherlich daran, dass zu diesen Universen häufig Unmengen an Produkten entstehen, die meist in erster Linie dafür produziert werden, den Namen „auszuschlachten“. Also möglichst viele Käufer zu bekommen, die es einfach erwerben, weil sie die Bücher/Filme/Serie/etc. dahinter so klasse finden und einfach alles dazu haben möchten. Ob es dann gespielt wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Meist wäre es auch ratsam das Spiel einfach als Anschauungsobjekt im Schrank zu behalten, sonst könnte ein falsches Bild von modernen Gesellschaftsspielen entstehen. Zum Glück bestätigen Ausnahmen die Regel und meine Ersteindrücke zu zwei aktuellen Titeln, auf die dies zutrifft, möchte ich euch heute gerne mitteilen.

Diese beiden Spiele haben bei mir einen besonderen Stellenwert, denn sie haben es geschafft Familienmitglieder an den Spieltisch zu bekommen, die sonst eher ablehnend die Nase rümpfen, wenn es um einen Spieleabend geht.

Star Wars: Outer Rim (Corey Konieczka, Tony Fanchi bei Fantasy Flight Games)

Mit Star Wars: Outer Rim ist es mir gelungen sogar sehr kurzfristig einen Spielenachmittag mit meinem Schwager zu vereinbaren. Als großer Star Wars-Fan hatte er bereits davon erfahren und war sogar interessiert, dieses Spiel zu erleben, auch wenn er sonst gerne von Spieleabenden, die wir mit meiner Schwester planen, fern bleibt. Bei Star Wars: Outer Rim nimmt jeder Spieler die Rolle einen Star Wars-Charakters ein (von denen es mehr gibt, als in einer Partie zu viert verwendet werden können), fliegt mit diesem durch einen Teil der Galaxie, den Outer Rim mit Planeten wie Tatooine oder Naboo, um Aufträge zu erledigen, die Prestige einbringen. Wer zuerst eine bestimmte Anzahl Prestigepunkte vorweisen kann, gewinnt die Partie.

Der Spielablauf ist dabei eigentlich recht simpel gehalten, jeder Zug besteht aus drei Phasen, doch gehen diese schnell ins Blut über. Eine Partie kann schon 2-3 Stunden dauern, die Zeit vergeht dabei meist wie im Flug. Denn es fühlt sich sehr thematisch an, alle Personen, Orte, Raumschiffe entstammen den Filmen. Das Leben in der Unterwelt ist sicher nicht immer leicht, die Würfel entscheiden oft über Sieg oder Niederlage, das passt thematisch einfach. Es kann auf dem Weg durchs All eben viel Unerwartetes dazwischen kommen. So gibt es einen dicken Stapel Datenbankkarten, in der einige Kartennummer mehrfach vergeben sind, sodass nicht immer das gleiche Ereignis eintreten muss. Es gibt auch unterschiedlichste Möglichkeiten an Prestige zu gelangen, ein jeder kann zum Sieg führen. Die Spieler können sich beispielsweise darauf konzentrieren Jobs zu erledigen, Fracht abzuliefern oder Personen gefangen zu nehmen, um Kopfgeld einzukassieren. Diese Aufträge müssen als Karten am Markt erworben werden, meist muss zur Erfüllung ein bestimmter Planet angeflogen werden.

SW Outer Rim Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Alle waren zufrieden mit dem Spiel, auch die Verlierer hatten einfach Spaß daran zum Beispiel mit Han Solo den Milleniumfalken zu kaufen und Chewbacca als Crew-Mitglied anzuheuern. Nachdem nun alle wissen, worum es in diesem Spiel geht, verlaufen kommende Partien sicher noch lockerer. Die nächste Verabredung mit den beiden dazu kommt bestimmt. Nur zu zweit hat es mir nicht so gut gefallen, dann wähle ich doch lieber andere Spiele, die weniger auf Glück basieren. Gerne auch aus dem gleichen Universum, wie zum Beispiel das das Star Wars LCG oder Star Wars Rebellion.

Harry Potter – Kampf um Hogwarts (Forrest-Pruzan Creative, Kami Mandell, Andrew Wolf bei Kosmos Spiele)

Ein ähnliches Phänomen lies sich bei Michas Schwester erkennen, als wir sie und eine Freundin zu Harry Potter – Kampf um Hogwarts einluden. Da dieses Universum bei uns zu Hause auf völliges Desinteresse stößt, dieses Spiel aber von vielen Seiten gelobt wurde, wollten wir es einfach kennen lernen. Und dachten uns, es könne nicht schaden, ein paar Insider dabei zu haben. Das war also die Ausgangslage: Zwei erfahrene Spieler und uns gegenüber zwei Gelegenheitsspieler mit Harry Potter-Interesse. Aus diesem Grund starteten wir ganz normal mit Kapitel 1, obwohl erfahrenen Spielern empfohlen wird, die ersten beiden Kapitel zu überspringen. Dort werden die Spieler schlicht mit dem Deckbaumechanismus bekannt gemacht. Das Spiel ist sehr einfach gehalten, es gibt nur zwei Ressourcen, mit der einen lässt sich das Kartendeck erweitern, mit der anderen werden Bösewichte bekämpft. Solange diese ausliegen, tritt ihr negativer Effekt in jeder Runde ein, zusätzlich wird zu Beginn jeder Runde eine Karte (später ggf. mehrere) mit einem negativen Effekt aufgedeckt. Dadurch können die Spieler Gesundheit verlieren, sie sterben allerdings nie, werden höchstens betäubt, verlieren Karten und Ressourcen, um später mit voller Gesundheit weitermachen zu können.

Harry Potter – Kampf um Hogwarts Spielsituation

Das Spiel gliedert sich in sieben Kapitel, die sich an den den sieben Büchern orientieren, die gesamte Geschichte kann also nacherlebt werden. Die Charaktere werden erwachsener, bekommen in späteren Kapiteln Fähigkeiten hinzu, das Spiel entfaltet sich über die sieben Kapitel immer mehr. Mittlerweile haben wir zwei Abende hinter uns, alle Kapitel schon mindestens ein Mal gespielt. Eine weitere Verabredung steht noch aus, da wir uns im letzten Kapitel geschlagen geben mussten, es aber schon viel zu spät war, einen weiteren Versuch zu starten. Hier gibt es direkt einen Kritikpunkt zu erwähnen, die Partien können sehr unterschiedlich laufen, je nachdem in welchen Kombinationen bestimmte Karten ausliegen oder eben nicht verfügbar sind. Manche Negativeffekte der Bösewichte beeinflussen sich gegenseitig, was es sehr schwer macht, auch nur einen davon zu besiegen. Vor allem, wenn diese Situation früh im Spiel entsteht, wenn die Spieler noch keine stärkeren Karten in ihren Decks haben. So kann eine Partie im Handumdrehen gewonnen werden, während sich die nächste chancenlos anfühlt.

Insgesamt haben die Partien uns allen Spaß gemacht. Auf der einen Seite gab es ständig „Ahs“ und „Ohs“ zu hören, wenn neue Charaktere aufgedeckt wurden, auf der anderen Seite erfreute man sich einfach am Mechanismus. Auch wenn dieser wirklich recht einfach gehalten ist und sich die Partien allesamt sehr ähnlich anfühlen. Die neuen bzw. zusätzlichen Karten, die in jedem Kapitel hinzugenommen werden, machen die Partien vielleicht etwas schwerer zu bestehen, dennoch kommt darüber gar nicht so viel Variation hinzu. Bei den Hogwarts-Karten, mit denen die Spieler ihre Decks zusammen stellen, kommen immer neue hinzu, es sollte gut gemischt werden, damit immer Karten aus allen Kapiteln zur Verfügung stehen. Vielleicht wäre es hier gar nicht verkehrt gewesen, in späteren Kapitel einige Karten auszusortieren. Aber wie bereits geschrieben, wurde hier alles schlicht einfach gehalten. Die Partien an sich werden also durch die zusätzlichen Karten immer länger von der Spieldauer her, fühlen sich irgendwann jedoch recht repetitiv an. Dennoch halte ich es für eine gelungenes Lizenz-Spiel, welches in seiner Zielgruppe sicherlich gut ankommen wird und vielleicht den einen oder anderen neuen Spieler heran zieht. Für Harry Potter-Fans eine ganz klare Empfehlung, erfahrene Spieler ohne Bezug dazu, könnten sich allerdings schnell langweilen. Wobei es auch nicht so viele kooperative Deckbauspiele gibt, von daher vielleicht doch wieder ein Pluspunkt. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die kommende Verabredung zu Harry Potter – Kampf um Hogwarts.

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