Was gibt’s zu Essen? No.8 – Pegasus

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Logo / Foto: Brettspielpoesie

Bevor es in weniger als zwei Wochen nach Essen geht, machten wir uns vergangenen Freitag ein letztes Mal in diesem Jahr auf den Weg zu einer Presseveranstaltung im Vorfeld der Messe. In Friedberg ist der Verlag Pegasus Spiele beheimatet und lädt seit einigen Jahren im Herbst ein, um seine Neuheiten den Händlern, der Presse und Supportern vorzustellen. Bei den vielen Titeln, die beim Verlag selbst und den Partnern Edition Spielwiese, Frosted Games, Plan B Games und Portal Games erscheinen, ist es kaum möglich alles an einem Tag anzuspielen. Da auch nicht jeder länger bleiben oder bei kurzen Strecken erneut anreisen kann, hat Pegasus für alle ein spezielles Menü vorbereitet, um drei Spiele besonders hervor zu heben.

Thematisch stand die Veranstaltung ganz im Zeichen des neuen Echtzeit-Familienspiels Kitchen Rush, es drehte sich heute alles um das Kochen. So gab es z.B. ein kleines Quiz zu diesem Thema. Aber zurück zum Spiel, welches ich ja bereits auf der BerlinCon spielen konnte. Mein Ersteindruck hat sich nicht verändert. Es ist ein zugängliches Familienspiel, das über die insgesamt acht Szenarien immer mehr Elemente hinzu nimmt und damit anspruchsvoller wird. Ich bin gespannt, was in den späteren Szenarios noch alles hinzugefügt wird und wie sich das Spielgefühl dadurch verändert.

Kitchen Rush Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Der zweite Gang führte uns alle in das Mittelalter, gespielt wurde die Eggertspiele-Neuheit Era – Medieval Age. Autor Matt Leacock hat sein Roll’n’Write Im Wandel der Zeiten – Das Würfelspiel zu diesem Roll’n’Build weiter entwickelt. Aufgeschrieben werden hier nur noch die Punkte bei Spielende, gewürfelt wird weiterhin, gebaute Gebäude als kleine Miniaturen auf dem eigenen Spielertableau platziert. Manche Gebäude bringen zusätzliche Würfel, andere erhöhen das Einkommen und alle führen zu Siegpunkten. Die Ressourcen werden ähnlich wie beim Vorgänger verwaltet, mit kleinen Stäben die in das Tableau gesteckt werden, nun allerdings alles aus Plastik. Ich kann ja mit Miniaturen nicht viel anfangen, von daher empfinde ich diese ganzen Plastikteile hier als wenig ansprechend, wobei es schon ein tolles Gefühl erzeugt, gebaute Gebäude nicht nur abzukreuzen, sondern auch in 3D platzieren zu können.

Era Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Einen weiteren Titel eines Partners gab es als dritten Gang, im Imperial Settlers Universum erscheint das Standalone-Spiel Empires to the North. Ich muss gestehen, dass ich noch keine Partie Imperial Settlers gespielt habe, ich hatte daher gehofft dieses Spiel könnte mein Einstieg in dieses Universum werden. Das Roll’n’Write ist ja leider aufgrund redaktioneller Mängel bei mir bereits durchgefallen, leider muss ich auch hier ein wenig rum mäkeln. Es gibt sechs verschiedene Fraktionen, diesen sind die Marker für die Siegpunktleiste zugeordnet. Die Grafiken stimmen überein, die Farben passen jedoch nicht zu den Kartenrückseiten und lassen sich nur schwer von den Spielerfarben unterscheiden. Das führte zu sehr viel Verwirrung bei uns am Tisch. Weder der Rundenablauf, noch die Aktionsmöglichkeiten sind außerhalb der Anleitung vermerkt, das hätte den Einstieg sicher erleichtert. Das Spiel selbst hat mir Spaß gemacht, ich bin überzeugt die Karten besser zu kennen führt zu einem noch besseren Spielgefühl. Denn die Downtime war doch eher anstrengend, ich hoffe das legt sich mit einem besser Verständnis der Karten. Dabei versuchen die Spieler mit ihren Karten eine Engine zum Laufen zu bringen, Ressourcen zu sammeln, einzutauschen und in Siegpunkte zu überführen. Neu ist das in jeder Partie neu zusammen gesetzte Aktionsrondell und das Segeln, bei dem vorab entschieden werden muss, welche Ressourcen man mitsendet, was fast ein wenig an Champions of Midgard erinnert. Es gibt auch die Möglichkeit direkter Interaktion, indem Aktionskarten der Mitspieler erschöpft werden können. Dafür ist ein Verständnis über dessen Karten erforderlich, in der Erstpartie war es hingegen noch schwierig die eigenen Karten zu überblicken, daher wurde diese Option von uns nicht gewählt.

Empires of the North Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Jede Pause wurde von mir genutzt, um neue Spiele kennen zu lernen und auch die Rückreise verzögerte sich etwas, weil ich den Tag so gut wie möglich auskosten wollte. Leider ergab sich keine Partie Azul – Sommer-Pavillon, da diese Exemplare immer besetzt waren. Das Feedback der anderen, die es spielen konnten, war sehr positiv, daher bleibe ich gespannt. Das Material sieht auf jeden Fall wieder wertiger aus, als die leichten Dinger bei Azul – Buntglas von Sintra. Nur als Prototyp vorhanden war Oriflamme, ein schnelles Kartenspiel für bis drei bis fünf Spieler. Jeder bekommt die gleichen 10 Handkarten, drei werden jeweils zufällig entfernt. Jede Runde wird reihum von jedem Spieler eine verdeckte Karte gelegt, entweder an den Anfang der Reihe oder an das Ende. Dann werden von links nach rechts alle Karten aktiviert, verdeckte Karten können verdeckt bleiben, sie erhalten dann einen Siegpunkt darauf. Aufgedeckte Karten lösen ihren Effekt aus, manche einmalig, andere bleiben dauerhaft. Die Effekte sind sehr konfrontativ, beispielsweise Karten vertauschen, entfernen oder Siegpunkte klauen. Wer nach sechs Runden die meisten Punkte hat, gewinnt die Partie.

Oriflamme Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie (Achtung: PROTOTYP!)

Noch besser gefallen, hat mir das Flip’n’Write-Spiel Der Kartograph. Den originalen Untertitel A Roll Player Tale wird Pegasus wohl nicht übernehmen, ich finde das auch verwirrend, es soll zwar im Roll Player-Universum spielen, das finde ich aber unerheblich. Dieses Spiel kombiniert den Wertungsmechanismus aus Isle of Skye mit der Interaktion aus Penny Papers. Es liegen pro Partie vier Wertungen aus, gespielt wird in vier Runden, in denen jeweils zwei davon gewertet werden. Die Wertungen beziehen sich auf die Anordnung der verschiedenen Landschaften, die durch die Vorgaben der Karten als Polyominos gezeichnet werden dürfen. In jeder Jahreszeit wird eine Monsterkarte eingemischt, wenn sie aufgedeckt wird geben die Spieler ihre Zettel weiter, damit die anderen das Monster einzeichnen können. Bei jeder Wertung führen freie Felder um Monster herum zu Minuspunkten. Das finde ich eigentlich eine schöne Art der Interaktion, doch wie auch schon bei Penny Papers kann es passieren, dass dieses Element nicht oder nur wenig vorkommt. Bei uns erschien das einzige Monster in Runde 4. Dann fühlt sich das Spiel nicht ganz vollwertig an. Dennoch hat es mir gut gefallen, ich möchte gerne in weiteren Partien herausfinden, ob das bei uns einfach unglücklicher Zufall war und das Spiel durch mehr Monster noch gewinnt.

Der Kartograph Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie (Großspiel für Veranstaltungen)

Pegasus ist für mich dieses Jahr der Verlag mit besonders kurzen Familienspielen, die auch mir Spaß machen. Zum einen wäre da Tiny Towns. Auch hier kommen Polyominos zum Einsatz. Runde für Runde dürfen sich die Spieler eine Ressource nehmen und irgendwo auf ihrem Spielertableau platzieren. Auf dieser aus 4 mal 4 Feldern bestehenden Fläche versuchen die Spieler vorgegebene Ressourcen in bestimmter Anordnung abzulegen, um auf einem dieser Felder ein entsprechendes Gebäude zu platzieren. Die Funktionen dieser Gebäude können sich von Partie zu Partie unterscheiden, grundsätzlich generieren alle Siegpunkte oder helfen dabei. Durch das Bauen der Gebäude werden belegte Plätze immer wieder frei, das Spiel endet erst, wenn alle Spieler alle Felder belegt haben. Wer ungeschickt platziert, kann früher raus sein, die Partien sind in der Regel aber fix vorüber. Ich hatte trotz frühen Ausscheidens Spaß daran und würde mich gerne durch die verschiedenen Gebäude spielen.

Tiny Towns Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Bei dem abstrakten Bumúntú sammeln die Spieler Tiere, deren Plättchen von der Beschaffenheit an die Steine aus Azul erinnern. Jedes Tier hat eine eigene Regel, wie sich die Spieler von ihr aus bewegen dürfen, um das Startplättchen ihrer Bewegung einzusammeln. So wird das Spielfeld immer leerer und die Bewegungen schwerer ertragreich auszuführen. Wie viele Punkte es bei Spielende für die Tiere gibt, ist variabel, auch während der Partie können die Spieler diese Wertungen verändern. Für zwei Tiere werden feste Punkte pro Tier vergeben, bei den anderen entscheidet eine Mehrheitenwertung. Dadurch wird es sehr interaktiv, aber auch sehr chaotisch. Als Absacker war es für uns aber genau das richtige. Auch hier gibt es mehr Tierarten als pro Partie zum Einsatz kommen, das erhöht den Wiederspielreiz.

Bumúntú Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Bisher noch unterschlagen habe ich die Neuheiten der Edition Spielwiese. Mit Evidence bringen sie ein familienfreundliches Deduktionsspiel auf den Markt, bei dem die Spieler als Journalisten die Existenz von bestimmten Fabelwesen beweisen wollen. Das geschieht durch das Ausspielen von Handkarten und die Wahl von Lupenkarten, für die es bei Spielende Siegpunkte gibt. Zu jedem Wesen wird eine Karte zu Beginn verdeckt gezogen,sie gibt den Punktwert bei Spielende an, der mit den Lupenkarten der Spieler multipliziert wird. Da alle weiteren Karten auf die Spieler verteilt werden, kann im Laufe des Spiels immer mehr ausgeschlossen werden, welche Werte ein Wesen nicht mehr haben kann. Ich mag Deduktionsspiele und dieses fühlte sich frisch an, zudem wurde es total niedlich illustriert.

Evidence Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Während wir es bei Evidence mit einem Erstlingswerk zu tun haben, kommt der andere Titel des Verlags von Uwe Rosenberg, gemeinsam mit Corné van Moorsel. Bei diesem Puzzle-Spiel haben wir es mit dem aus Patchwork bekannten Plättchenauswahlmechanismus zu tun, gepuzzelt wird jedoch mit quadratischen Plättchen. Das funktioniert so, dass diese Plättchen Aufgaben zeigen, welche farbigen Plättchen angrenzend liegen müssen. Wird solch eine Bedingung erfüllt, darf der Spieler eine Scheibe platzieren, wer seine Scheiben zuerst los wird, gewinnt die Partie. Ein quadratisches Plättchen hat zwar nur vier Seiten an die etwas gelegt werden kann, doch auch ununterbrochene Ketten aus Plättchen derselben Farbe gelten als angrenzend. Das macht es zu einer spannenden und durchaus kniffligen Angelegenheit.

Nova Luna Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Insgesamt habe ich also nur einen kleinen Teil des diesjährigen Gesamtprogramms spielen können. Viele weitere Titel von Pegasus und seinen Partnern erwarten euch auf der diesjährigen Spiel. Es war erneut wie ein großes Klassentreffen, bei dem ich auch endlich mal mit Chris von den Brettagogen, Angelo von den Spieledinos sowie Jason und Janine von PiBo Boardgames spielen konnte. Auf deren Seiten findet ihr sicherlich bald auch Eindrücke vom Pegasus Pressetag. Mit den zuletzt genannten habe ich die Ersteindrücke auch vertont festgehalten, ihr solltet die Aufnahme ab Freitag bei den Bretterwissern finden. Und wer diese Geschichte heute noch liest, der kann bis Mitternacht noch am Gewinnspiel teilnehmen, bei dem ich Eintrittskarten für die Spiel verlose.

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