8-Bit-Box

Cover / Foto: Huch!

Brett- und Computerspiele haben vieles gemein, daher überschneidet sich häufig die Spielerschaft. Auch ich war einige Jahre lang mehr den Computer-, oder besser gesagt den Konsolenspielen, zugetan als den Gesellschaftsspielen. Doch mit der zunehmenden Digitalisierung in allen Lebenslagen wächst auch wieder der Wunsch nach einer digitalen Auszeit, z.B. durch Brettspiele. Das Erkennen auch die Verlage und die Brettspielautoren, wodurch es hin und wieder Veröffentlichungen gibt, bei denen der Versuch gewagt wird ein bekanntes, digitales Spielerlebnis auf den Spieltisch zu bringen. Im Falle des Spiels, welches ich euch heute vorstellen möchte, hat man sich nicht auf ein besonderes Spiel festgelegt, sondern direkt eine gesamte „analoge Spielkonsole“ erstellt, die direkt mit drei individuellen Spielen an den Start geht.

Spielmaterial:

Die Schachtel hat eine für ein Brettspiel ungewöhnliche Form, sie kommt als Verpackung einer Konsole daher. Wenn man den bunten Pappschuber abzieht, findet man darunter einen in weiß, schwarz und gelb gehaltenen Karton mit Deckel. Darin befindet sich dann die eigentliche „Konsole“, ein kleinerer Pappkarton auf dem elektronische Anschlüsse und ein CD-Schlitz aufgedruckt sind. Der untere Teil dieser Konsole enthält das allgemeine Spielmaterial in Form von unterschiedlichen, bunten Würfeln und weißen sowie farbigen Markern. Den oberen Teil der Konsole bietet eine Ablage für die sechs „Controller“ aus Pappe, die jeweils drei Rädchen besitzen, um Zahlen, Pfeile oder Symbole einzustellen. Die andere Hälfte des großen Kartons ist mir den einzelnen Spielen gefüllt, die in eigenen kleinen Schachteln verstaut sind. Darin befindet sich das spezielle Spielmaterial, welches nur für dieses Spiel verwendet wird. Platz wurde direkt für ein viertes Spiel vorgehalten, dieser wird mit einer vierten Pappschachtel gefüllt, die allerdings leer ist.

8 Bit Box Schachtel / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Jedes einzelne Spiel bringt sein eigenes Material mit und ein kleines Regelheft, die Spiele unterscheiden sich stark voneinander. Daher habe ich diese Rezension etwas anders strukturiert, als ihr es normalerweise gewöhnt seid und werde nun auf die einzelnen Titel näher eingehen.

Pixoid

Cover / Foto: Huch!

Hier ist das Vorbild schnell ausgemacht: Pixoid ist die analoge Version von Pac-Man, bei dem ein Spieler in die Rolle der Hauptfigur schlüpft, während die anderen versuchen ihn in möglichst wenigen Zügen zu erreichen. Alle stellen ihre Bewegungen geheim ein, ohne sich abzusprechen. Pac-Man kann zusätzlich versuchen Energiewürfel einzusammeln, um mehr Punkte zu erhalten. Nach jeder Runde, in der er nicht geschnappt wurde, erhält er einen weiteren. Es werden so viele Durchgänge gespielt, wie Spieler dabei sind, also 3 oder 4, damit jeder einmal Pac-Man, ähm Pixoid, sein kann.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Irgendwie hat uns dieses Spiel nicht wirklich begeistern können. Die Spieler, die sich gegen Pixoid verbrüdern, müssen schon alle ähnlich denken, um eine Chance gegen ihn zu haben und ihn in eine Zwickmühle zu treiben. Gelingt dies nicht, kann der Spaß schnell auf der Strecke bleiben.

Outspeed

Cover / Foto: Huch!

Outspeed ist ein Wettrennen im Weltraum, jeder Spieler versucht mit seinem Raumschiff bei Spielende auf der Pole Position zu stehen. Die Bewegungen werden geheim programmiert, für jeden Streckenabschnitt gibt es bis zu drei Optionen wie viel Benzin ausgegeben werden kann für welche Weite und/oder zusätzliche Bonusplättchen. Häufig stehen die Optionen aber nur begrenzt zur Verfügung. Wenn zu viele Spiele eine davon wählen, bewegt sich niemand von diesen Spielern. Andere Streckenoptionen machen die Kosten oder die Weite von der Wahl der Mitspieler oder einem Würfelwurf abhängig. Das macht es zu einem interaktiven Wettstreit, bei dem es auf das richtige Taktieren und Bluffen ankommt.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Leider scheint sich ein elementarer Fehler in die Spielanleitung eingeschlichen zu haben. Eines der Bonusplättchen soll laut Anleitung nur in der letzten Runde spielbar sein, es scheint aber genau anders herum zu gelten, dass es nur in der letzten Runde nicht genutzt werden darf.

Stadium

Cover / Foto: Huch!

In Stadium messen sich zwei oder drei Zweier-Teams in zehn unterschiedlichen Disziplinen bei den Olympischen Sommerspielen. In manchen Disziplinen wird nur eine Gold-Medaille vergeben, in anderen zusätzlich Silber und Bronze. Für jede Disziplin gibt es eine Seite mit den Detailregeln in einem separaten Heftchen, es muss also immer wieder nachgelesen werden. Grundsätzlich programmieren die Spieler wieder geheim, Absprachen innerhalb eines Teams sind nur in wenigen Disziplinen erlaubt, manche Disziplinen benötigen die Controller gar nicht. Alle Spieler beginnen mit der gleichen Menge an Energie, diese gilt es sich optimal einzuteilen, häufig wird mit der Energie um die Medaillen gefeilscht, wie bei einer Versteigerung. Es gewinnt welches Team bei Spielende die meisten Punkte über die Medaillen geholt hat. Zwischendrin gibt es zwei „Disziplinen“, um sich zu erholen.

Spielsituation / Foto Brettspielpoesie

Da mehr Disziplinen enthalten sind, als pro Partie verwendet werden, erscheint die Varianz auf den ersten Blick groß. Doch auch wenn die einzelnen Disziplinen sich in Details unterscheiden, so fühlen sich doch alle recht ähnlich an. Es geht um das Haushalten mit der eigenen Energie und darum den Gegner einzuschätzen. Vieles wird dann aber einfach per Würfelwurf entschieden, den man nur bedingt beeinflussen kann. In einer Disziplin kann sich das Spiel sogar aufhängen, weil alle Teams ihre gesamte Energie verspielen könnten, ohne eine Entscheidung herbei zu führen.

Fazit:

Ich wollte dieses Spiel so gerne mögen, weil ich die Idee dahinter einfach großartig finde, aber leider ist die Umsetzung in meinen Augen nicht wirklich gut gelungen. Im Grunde basieren alle drei Spiele auf dem selben Mechanismus, die geheime Wahl, dem „ich denke, was Du denkst und plane darauf basierend meinen Zug“. Stadium dauert einfach viel zu lange für den hohen Glücksanteil und es passiert gefühlt immer das Gleiche, bei Pixoid kommt mir einfach zu wenig Spaß auf, lediglich Outspeed würde ich ab und an noch ganz gerne mal spielen. Da wird das Programmieren wirklich interessant, dabei dauert eine Partie nicht zu lange und es ist durchaus ganz spannend, wer sein Benzin am besten einteilt, um am Ende die Nase vorn zu haben.

8 Bit Box Konsole / Foto: Brettspielpoesie

Das Spielmaterial der Konsole ist hochwertig produziert, es verstecken sich alleine auf der Verpackung so viele verspielte Details, die einem Konsolen-/Computerspieler das Herz höher schlagen lassen. Das Material der einzelnen Spiele weiß weit weniger zu überzeugen. Die Plättchen sind allesamt recht dünn, die ersten Raumschiffe zeigen bei uns nach wenigen Partien schon deutliche Abnutzungserscheinungen, genau wie der Rahmen bei Pixoid, der für jede Partie immer wieder zusammen gesteckt und auseinander genommen werden muss. Die Spielerzahl halte ich auch für problematisch, es werden mindestens drei Spieler benötigt, für Pixoid jedoch nicht mehr als vier, während Outspeed mehr Spaß bereitet, desto mehr Spieler involviert sind. Und für Stadium werden genau vier oder sechs Spieler benötigt.

8 Bit Box Konsole / Foto: Brettspielpoesie

Mit Double Rumble ist bereits ein viertes Spiel in diesem Universum angekündigt, ob weitere folgen werden, kann ich nicht sagen. Ich bekomme mehr und mehr das Gefühl, dass es nicht wirklich gelingen wird, das digitale Spielgefühl zu übertragen. Man hat mit den Computerspielen seine Erfahrungen gemacht, die positiven Aspekte sind fest in unseren Gehirnen verankert, da werden es analoge Spiele immer schwer haben, wenn sie eben diese Gefühle erzeugen wollen. Man vergleicht einfach ständig und kommt dabei meist zu dem Schluss, dass es nicht an das damalige Spielgefühl heran kommt. Vielleicht sollte man sich einfach davon lösen, etwas analog zum Leben zu erwecken, was vor einiger Zeit digital hervorragend funktioniert hat und lieber neue Spielideen umsetzen, die nicht mit so vielen Erinnerungen vorbelastet sind.

Meine Bewertung bezieht sich auf das Gesamtpaket, dass mich leider nicht überzeugen konnte. Auch wenn die Spiele selbst unterschiedliche Eindrücke hinterlassen haben, komme ich insgesamt nicht über zwei Punkte hinaus. Schließlich gibt es die Spiele nur im Gesamtpaket zu erwerben, man kann sich nicht einfach ein einzelnes heraus picken.

Wertungsnote 2/6

Verlag: iello / Vertrieb: Huch!
Autor(en): Frank Crittin, Grégoire Largey
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 3 – 6 Spieler
Dauer: 15 – 40 Minuten

Vielen Dank an Huch! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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