Flügelschlag

Cover / Foto: Feuerland

Jedes Jahr aufs Neue, immer wieder,
lassen sich die Vögel nieder.
Dabei suchen sie gern Orte auf,
an denen sie Nahrung finden zuhauf.
Ob am Wasser, Wald oder Gras,
hier gibt es für jeden Vogel etwas,
Passendes, um seine Familie zu hegen,
gemütlich, um viele Eier zu legen.
Nach vier Runden steht dann fest,
wo es sich am besten leben lässt.

 

Spielmaterial:

Das Spielmaterial begeistert auf ganzer Linie: Große, stabile Spielertableaus, ein Vogelhaus als Würfelturm für die hölzernen Würfel und viele bunte Miniatureier. Die Farbe derer spielt überhaupt keine Rolle, was so manchen Spieler irritierte, da es sich irgendwie eingebürgert hat, das Spielmaterial in unterschiedlichen Farben auch unterschiedliche Bedeutungen haben muss. Die Eier können, genau wie die über 100 Futtermarker, in den enthaltenen Game Trays verstaut werden. Die Vogeltränke aus Plastik dient nicht nur zur Aufbewahrung der fast 200 Karten, sondern wird auch im Spiel für die offene Kartenauslage verwendet. Die 170 Vogelkarten zeigen einzigartige Vögel aus Nordamerika, zusätzlich gibt es 26 Bonuskarten. Einzig die Zieltafel ist auf dünne Pappe gedruckt und wirkt im Vergleich zum restlichen Material etwas lieblos. 40 hölzerne Aktionswürfel in den fünf Spielerfarben, Zielplättchen, ein Startspielermarker sowie Automa-Karten für das Solo-Spiel runden das Spielmaterial ab.

Flügelschlag Vogelhaus / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Über vier Runden besorgen sich die Spieler Karten und Rohstoffe, um Vogelkarten auszuspielen und diese Vögel Eier legen zu lassen. Das sind bereits die vier möglichen Aktionen, aus denen die Spieler wählen können. Jedes Spielertableau zeigt drei Gebiete, viele Vögel wollen in bestimmte davon. Die Anzahl der zuvor ausliegenden Vogelkarten in einem Gebiet bestimmt den Ertrag der Aktion, umso mehr Vögel bereits ausliegen, desto stärker die Aktion. Außerdem können anschließend alle Vogelkarten desselben Gebiets nacheinander aktiviert werden, wenn die Karte diese Option ermöglicht. Manche Karten haben nur einen Sofort-Effekt beim Ausspielen, andere können in den Zügen der Mitspieler aktiviert werden.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Bei der Aktion Rohstoffe erhalten, stehen immer nur die Rohstoffe zur Wahl, welche die Würfel im Vogelhaus zeigen. Um Eier zu legen wird entsprechend Platz in den Nestern der Vögel benötigt, jede Vogelkarte zeigt dazu Angaben zur Eierkapazität. Neben der Flügelspannweite, die für manche Karteneffekte interessant sein kann, gibt jede Vogelkarte eine von vier Nestarten an, ein Stern zählt als Joker. Nach jeder Runde gibt es eine Mehrheitenwertung, welche das genau ist, steht bereits zu Beginn fest. Anhand der Erfüllung dieser Aufgabe, in der Regel Eier in bestimmten Nestarten oder Vogelkarten im angegebenen Gebiet, wird ein Klötzchen jedes Spielers auf der Zieltafel platziert. Verwendet werden dazu die gleichen Klötzchen, wie für die Ausführung der Aktionen, was dazu führt, dass die Anzahl Aktionen in jeder Runde sinkt. Alternativ kann die andere Seite der Zieltafel verwendet werden, dort stehen die Spieler weniger in Konkurrenz zueinander, sie erhalten einfach Punkte anhand dessen, wie oft sie Bedingung erfüllen, maximal jedoch fünf Punkte je Wertung.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Nach Ablauf der vierten Runde ist die Partie vorüber, es folgt die Schlusswertung. Es gibt Punkte für ausgespielte Vogelkarten, übrige Eier auf dem Spielplan und die Rundenwertungen. Zusätzlich bringen auf bzw. unter den Vögeln gesammelte Ressourcen und Karten jeweils einen Punkt ein. Wer die meisten Punkte einfahren konnte, gewinnt die Partie.

Spieleranzahl:

Das Spielmaterial ermöglicht Partien mit bis zu fünf Spielern. Das habe ich ein Mal ausprobiert, nur um festzustellen, dass es mir dann einfach viel zu lange dauert. Vier Spieler sind für mich das Maximum, lieber noch sind mir Partien zu zweit oder dritt. Zu zweit sind die Mehrheitenwertungen am Rundenende und manche Karten, die sich auf die Mitspieler beziehen, natürlich weniger interessant. Flügelschlag kann auch solo gespielt werden, doch das habe ich nicht ausprobiert. Hierbei kommen Automa-Karten von der Automa Factory zum Einsatz.

Glücksfaktor?

Ich empfinde den Glücksfaktor in diesem Spiel schon als störend. Zu Beginn wird eine Zielkarte gewählt, doch wenn beide Ziele nicht zu den Handkarten passen, ist die Entscheidung willkürlich, da man einfach nicht erahnen kann, was lukrativer sein wird. Die Starthand ist ebenso glücksbehaftet: Werden nur Vögel gezogen, die wenig Futter benötigen, fällt es natürlich leichter diese Vögel schnell auszuspielen, als wenn alle gleich drei Nahrung benötigen. Wer früher Vögel ausspielen kann, kann die Aktionen früher pushen, während andere sich länger mit den einfachsten Aktionen herum plagen müssen, um überhaupt ins Spiel zu kommen. Die Würfel sind ein weiteres Glückselement, denn sie geben vor, welche Ressourcen zur Verfügung stehen. Neu gewürfelt werden darf erst, wenn nur noch eine Ressource gewählt werden kann. Das kann schon wirklich frustrieren, wenn benötigte Ressourcen einfach nicht auftauchen. Da hilft auch die Möglichkeit zwei Ressourcen als ein beliebige auszugeben nur bedingt, da Ressourcen in der Regel ein rares Gut sind. Die Raubvögel bringen den nächsten Glücksfaktor, da durch ihre Fähigkeiten Futter und Karten für die Wertung bei Spielende gesammelt werden können, aber nur wenn ihre Bedingungen an die Würfel bzw. aufzudeckende Karten erfüllt werden. Manch einem Spieler gelingt dies ab der ersten Runde nahezu jedes verdammte Mal, andere haben vielleicht weniger bis gar keinen Erfolg dabei.

Fazit:

Wie ich es bereits mehrfach im Zuge der Spiel des Jahres-Verleihung erwähnt habe, ist Flügelschlag in meinen Augen eine tolle Wahl für das Kennerspiel des Jahres und das Zielpublikum dieses Preises. Meinen persönlichen Geschmack trifft das Spiel allerdings nur bedingt. Es punktet definitiv mit dem Material, dieses lässt mich hin und wieder zu dem Spiel greifen wollen, weil es einfach schön anzusehen und entspannt zu spielen ist. Der große Einfluss des Glücks steht diesem entgegen, der kann einen nämlich ordentlich zur Weißglut bringen. Da ziehe ich andere Engine Builder vor, mit weniger hochwertigem Material, die mir aber mehr Optionen bieten und nicht so sehr vom Zufall gesteuert werden. Für einen Einsteiger in dieses Genre ist das Spiel hingegen wunderbar geeignet. Der Einstieg wird von den übersichtlich strukturierten Spielertableaus hervorragend unterstützt, an denen der grundsätzliche Spielablauf einfach erklärt und nachvollzogen werden kann.

Es sind sehr viele Vogelkarten enthalten, alle sind fabelhaft illustriert und mit interessantem Flavourtext versehen, doch die für die Rundenwertungen interessanten Informationen lassen sich bei den Mitspielern nur schwer erkennen. Wie auch schon bei Planet, kann ich nicht verstehen, wieso es den Spielern so schwer gemacht wird, die Zielerreichung zu beobachten. Die illustrierten Vögel nehmen den größten Teil der Karten ein, viel interessanter sind aber die Nestarten und Eierkapazität, die nicht immer bei allen Spielern am Tisch gut einsehbar sind. Auch bei den ausliegenden Vogelkarten sind diese Informationen und deren Fähigkeit nur schwer zu erkennen, wenn die Kartenablage nicht direkt vor einem Spieler liegt. Zudem kommen von den vielen enthaltenen Karten viel zu wenige in den Umlauf. Vor der Partie fällt die Wahl auf eine Zielkarte, doch kann zu diesem Zeitpunkt kaum abgeschätzt werden, welche Karten einem überhaupt zur Verfügung stehen. Natürlich können die Handkarten zu Beginn eine erste Tendenz aufweisen, doch sollten die Karten überhaupt nicht zu den Zielen passen, muss ins Blaue geraten werden. Um möglichst viele Karten zu sehen zu bekommen, muss schon eine bestimmte Strategie verfolgt werden. Es kann auch ohne einen großen Kartendurchsatz gewonnen werden, dann wird aber eine ordentliche Portion Glück benötigt, um an die zur Strategie passenden Karten zu gelangen.

Zielkarten / Foto: Brettspielpoesie

Die Zielkarten scheinen auch unterschiedlich stark zu sein, es gibt Zielkarten die belohnen Karten mit bestimmten Eigenschaften einfach durchweg mit Punkten, während andere Karten nur eine feste Punktzahl für eine vorgegebene Anzahl an Vogelkarten vergeben. Ich habe Partien erlebt, da hat ein Spieler mit nur einer Zielkarte ähnlich viele Punkte gemacht wie ein Mitspieler, der drei Zielkarten werten konnte. An zusätzliche Zielkarten zu gelangen scheint zunächst lukrativ, doch ist dabei nicht sicher gestellt, dass die neuen Ziele auch nur annähernd erfüllt werden können, besonders umso später in der Partie sie hinzu kommen. Besonders in der letzten Runde ist es häufig die beste Option Eier zu legen, anstatt noch Vögel auszuspielen, die Eier kosten. Dafür müssen natürlich auch entsprechend große Nester vorhanden sein, doch ein wenig trübt dieser Umstand das Spielgefühl.

Trotz der diversen Kritikpunkte, die meiner Vielspielersicht entstammen, ist Flügelschlag ein gutes Spiel. Die unterschiedlichen Rundenziele sorgen für Variation über mehrere Partien hinweg. Es überzeugt durch die Optik und das Material, das ungewöhnliche Thema sowie das wohlige Spielgefühl am Tisch, bei dem jeder Spieler für sich etwas aufbaut.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Feuerland Spiele
Autor(en): Elizabeth Hargrave
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
Dauer: 40 – 75 Minuten

Vielen Dank an Feuerlandspiele für die Bereitstellung eines vergünstigten Rezensionsexemplares!

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