Las Vegas – Vorher/Nachher

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Logo / Foto: Brettspielpoesie

Alea, die Vielspielermarke von Ravensburger, feiert 2019 ihr 20-Jähriges Jubiläum. Bei Vielspielern ist diese Marke sehr beliebt, immerhin brachte sie moderne Klassiker wie Die Burgen von Burgund oder Puerto Rico hervor.  Auch an diesen beiden wird ab und an die Materialqualität bemängelt, denn alea-Spiele sind auch dafür bekannt, das relativ dünne Pappe verwendet wird und die Grafiken eher funktional als schön anzuschauen sind. In den letzten Jahren häuften sich Neuauflagen bekannter Spiele sowie kleine Karten- oder Würfeladaptionen im Programm. Zum Jubiläum sollen ab diesem Jahr elf Spiele im neuen Gewand erscheinen, so lautete zumindest die Pressemitteilung im Vorfeld der Spielwarenmesse 2019. Bestätigen konnte (oder wollte?) mir dieses niemand vor Ort. Zumindest die ersten beiden Veröffentlichungen dieser neuen Serie, die auch durch eine neu begonnene Nummerierung hervor sticht, stehen fest und den Anfang macht Las Vegas.

Genauer gesagt heißt die neue Ausgabe Las Vegas Royale, was ja erst einmal ziemlich luxuriös klingt. Auch die Schachtel wirkt auf den ersten Blick recht edel, in schwarz gehalten, mit goldenem Schriftzug und der Skyline der gleichnamigen amerikanischen Stadt. Nicht einmal die Ravensburger-Ecke ist auf der Front zu finden, um das Gesamtbild nicht zu stören. Doch schon beim Abheben des Deckels setzt die erste Enttäuschung ein: Die verwendete Pappe für den Karton ist einfach total dünn, er besitzt daher nur wenig Stabilität und passt einfach nicht zum sonst so edlen Look der Schachtel.

Schachteln / Foto: Brettspielpoesie

Aber nun gut, es kommt ja auf den Inhalt an, schließlich ist der Karton nur zur Aufbewahrung des Spielmaterials da. Doch auch hier lässt die Enttäuschung nicht lange auf sich warten. Die Würfelarena in der Spielmitte ist aus dünnem Plastik, als Einleger lediglich ein Stück Pappe enthalten. Dabei hat gerade der Verlag Ravensburger doch schon bei Spielen wie Der große Wurf oder dessen Nachfolger Impact bewiesen, dass sie eigentlich wissen, wie ein solcher Einleger sein sollte. Überhaupt ist diese neue Würfelarena eher hinderlich. Zuvor hat jeder Spieler auf dem Tisch vor sich gewürfelt, was zügig nacheinander möglich war. Nun kann der nächste Spieler erst mit dem Würfeln beginnen, wenn der andere Spieler alle seine übrigen Würfel aus der Mitte heraus gefischt hat.

Casinos / Foto: Brettspielpoesie

Die Würfel selbst wirken auch nicht besonders „royale“, es sind stinknormale Spielwürfel, bei denen die Würfelaugen auch schon mal „abfallen“ bzw. verblassen. Leider sind auch nur so viele enthalten, das fünf Spieler mitspielen können, während  Las Vegas inkl. der Boulevard-Erweiterung Würfel für bis zu acht Spieler enthielt. Immerhin mit dabei sind die Biggys aus der Erweiterung, ein großer Würfel jeder Spielerfarbe der bei Auswertung der Mehrheiten als zwei Würfel zählt. Warum diese Biggys jedoch schwarze Augen haben, während die kleinen Würfel alle weiß, ist nicht nachvollziehbar,

Würfel / Foto: Brettspielpoesie

Ganz neu sind die als Jetons bezeichneten Plastikchips. Wenn ich mir ein Objekt mit dem Namen Jeton vorstelle, dann denke ich an einen schweren Chip, der sich wertig in der Hand anfühlt. Das gilt jedoch leider nicht für die hier enthaltenen Jetons, diese sind aus billigem, leichten Plastik. Sie sind einfach nur schwarz ohne besondere Prägung. Das schlimmste jedoch: Es sind einfach zu wenige enthalten. Jeder Spieler soll zu Beginn jeder Runde zwei Jetons erhalten, demnach müssten bei maximal fünf Spielern und drei Runden genau 30 Jetons enthalten sein. Es sind jedoch nur zwanzig enthalten. Wenn alle Spieler ihre Jetons bunkern, die immerhin bei Spielende 10.000 $ wert sind, kann in der dritten Runde niemand welche erhalten. Eingesetzt werden können die Jetons, um nach einem Würfelwurf auf den Einsatz von Würfel zu verzichten. Das macht das Spiel zwar etwas weniger glückslastig, aber in meinen Augen lebt Las Vegas genau von solchen Momenten, in denen beispielsweise ein Spieler gezwungen ist mit seinem letzten Würfel dafür zu sorgen, dass er eine Mehrheit verliert und leer ausgeht, während sich der lachende Dritte freut. Denn in Las Vegas muss meiner Meinung nach das Glück einfach auf die Probe gestellt werden, um thematisch zu überzeugen.

Jetons / Foto: Brettspielpoesie

Die Casinos sind keine einzelnen Tafeln mehr, sie bilden nun einen Ring um die Würfelarena herum. Da ist erst einmal nichts gegen einzuwenden, zu der überarbeiteten Verteilung der Geldscheine aber schon. Zuvor wurden zu jedem Casino so viele Scheine aufgedeckt, bis überall insgesamt eine Summe von mindestens 50.0000 $ auslag. Das konnte ein Geldschein sein, aber auch zwei oder gar drei. Nun werden einfach sechs Sets aus zwei Karten aufgedeckt und sortiert den Casinos zugewiesen, die höchste Summe zum Casino mit der Augenzahl sechs bis hin zur kleinsten Summe am Casino mit der kleinsten Augenzahl. Ich fand es jedoch gerade cool, dass eben nicht die Augenzahl sechs immer die beliebteste war, sondern dass man auch mit kleinen Augenzahlen richtig Kohle machen konnte. Die Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Zahl zu würfeln ist ja sowie immer gleich. Nun kommen bei Las Vegas Royale drei weitere Tafeln mit Zusatzfunktionen an die Casinos mit den niedrigsten Augenzahlen. Von daher erscheint die Verteilung durchaus sinnvoll, da die niedrigeren Werte der Geldscheine mit den Zusatzfunktionen belohnt werden. Das ganze Gebilde sieht dabei auf dem Tisch jedoch einfach unvollständig aus, wenn nur drei Zusatztafeln angebracht werden.

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Nur als Variante können alle sechs Casinos mit Zusatztafeln bestückt werden. Die Funktionen der Zusatztafeln spielen sich tatsächlich interessanter, als sie im ersten Moment klingen. Sie können zusätzliches Einkommen einbringen (auch in Form von Jetons, gibt ja eh schon so viele davon…), die grauen Blanko-Würfel ins Spiel bringen oder einfach weitere Glücksmomente liefern. Die acht beidseitig unterschiedlich bedruckte Tafeln sorgen für eine Menge Abwechslung, sie bringen etwas neuen Pepp in das Spiel. Allerdings zu lasten der Spielzeit, die zwar gegenüber des Originalspiels schon um eine Runde gekürzt wurde, aber dennoch deutlich länger dauern kann als beim bekannten Spiel. Vielleicht eine mögliche Erklärung für die geringe Spieleranzahl im Vergleich zur Erweiterung?

Zusatztafeln / Foto: Brettspielpoesie

Die Geldscheine selbst wirken im Vergleich zu denen des Originals auch weniger schön, sie sind kleiner geworden und erinnern nun optisch viel weniger an echte Geldscheine.

Geldscheine / Foto: Brettspielpoesie

Manche Entscheidungen sind bei dieser Neuauflage einfach schwer nachzuvollziehen. Ich denke viele Spieler hätten sich mehr über eine Art BigBox gefreut, welche die schon seit längerer Zeit vergriffene Boulevard-Erweiterung hätte enthalten können. Mit dem einarmigen Banditen als siebtes Casino, mehr Würfeln für mehr Spieler und einer speziellen Solo-Regel sowie den kleinen Mini-Erweiterungen. Doch so sind leider einige coole Ideen rund um das Spielprinzip verloren gegangen, dazu wurde teilweise enttäuschendes Material verwendet und das ganze wird zu einem recht hohen Preis verkauft. Leider kann ich kaum Positives zu dieser Neuauflage sagen. Es bleibt zu hoffen, das die Verantwortlichen bei alea sich das Feedback zu Las Vegas Royale zu Herzen nehmen und bei der kommenden Neuauflage von Die Burgen von Burgund mehr Liebe zum Detail erkennen lässt.

Seitenansicht Cover / Foto: Brettspielpoesie

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