Puerto Rico – Vorher/Nachher

Puerto Rico Seitennummern 7-16-4 / Foto: Brettspielpoesie

Der Gewinner des Deutschen Spielepreises aus dem Jahr 2002 hält sich nicht nur wacker in den Top-Listen bei BGG, sondern bekommt auch immer mal wieder ein neues Aussehen. Viele schwören auf die Deluxe-Ausgabe aus dem Jahre 2011, mit besonders hochwertigem Material. Diese tanzt aber außer der Reihe und zeigt keine Zahl am Schachtelrand. Daher bekommt sie in meiner Sammlung keinen Platz. Anders als die Versionen aus den Jahren 2002, 2013 und 2020 mit den Nummern 7, 16 und 4. Diese drei Versionen werde ich nun miteinander vergleichen. Völlig außen vor lasse ich heute das Puerto Rico Kartenspiel, bei dem es sich genau genommen um eine neue Ausgabe von San Juan handelt.

Beim ersten Öffnen der Spielschachteln fällt sofort auf, dass bei den ersten beiden Ausgaben das unpraktische Standard-Tiefziehteil aus Plastik zum Einsatz kam, bei dem man eigentlich nie so richtig weiß, was nun wohin soll. Die neue Reihe verzichtet ganz einfach auf solch sperrige Teile. Daher empfiehlt es sich umso mehr alle Kleinteile in Zip-Tüten zu verstauen.

Puerto Rico Ablagetableaus Alt / Foto: Brettspielpoesie

Alle drei Ausgaben enthalten sechs große Tableaus, fünf für die einzelnen Spieler und eines für die Gebäudeauslage in der Spielmitte. Diese Gebäudeauslage war zunächst hochkant, erst in der neuesten Ausgabe ist sie das nicht mehr. Sie bietet nun auch separate Ablagefläche für bestimmte Erweiterungsgebäude.

Puerto Rico Gebäudeplan Neu / Foto: Brettspielpoesie

Optisch unterscheiden sich die drei Ausgaben sehr. Franz Vowinkel illustrierte die erste Version, es folgten Illustrationen von Harald Lieske, die Optik der neuesten Version stammt aus der Feder von Vincent Dutrait und John Morrow. In der ersten Version waren die Plätze für Gebäude oberhalb der Plantagen, dies wurde später umgekehrt. Zudem sind die Plantagen seit 2013 symmetrisch in drei Reihen mit vier Spalten aufgeteilt. Rechts unten sind auf allen Tableaus die Rollenfähigkeiten beschrieben.

Puerto Rico Spielertableaus / Foto: Brettspielpoesie

Die Plantagen sind nicht bloß neu illustriert, die Farbgebung unterscheidet sich ebenfalls. Waren in beiden vorherigen Versionen die Plättchen komplett eingefärbt, zeigen sie nun nur noch in Form eines farbigen Streifens am Rand dieselbe Farbe wie zugehörige Gebäude und Ressourcen. Der Kreis zum Einsatz der Arbeiter ist zunächst pompöser geworden, doch hat sich in der letzten Version zu einem Halbkreis gewandelt.

Puerto Rico Plantagen / Foto: Brettspielpoesie

Ein großer Kritikpunkt ist bei alea schon immer die Dicke der Plättchen gewesen. Sämtliche Plättchen sind in der aktuellen Auflage nahezu doppelt so dick wie zuvor. Sie liegen auch viel besser in der Hand.

Puerto Rico Plättchendicke / Foto: Brettspielpoesie

Die Rollenkarten unterscheiden sich optisch in allen drei Versionen. Während die zweite Ausgabe verspielter illustriert wurde, erscheint es bei der aktuellen Version so, als würde man zum Ursprung zurück kehren wollen. Die Funktion dieser Aktionen hat sich nicht verändert, doch wurde eine für die aktuelle Ausgabe umbenannt. Statt des Bürgermeisters kann nun der Vorarbeiter eingesetzt werden, um Arbeiter anstelle von Kolonisten zu rekrutieren.

Puerto Rico Aktionen / Foto: Brettspielpoesie

Die zugehörigen Marker der Kolonisten bzw. Arbeiter sind nun lila statt braun. Die Farben der Ressourcen sind geblieben, lediglich der Zucker entwickelte sich über beige zu weiß. Das Gold hat nun eine passende Farbe, da es sich von gelb zu einem wahren Gold-Ton entwickelte. Die Siegpunkte sind weiterhin blau und gelb hinterlegt.

Puerto Rico Marker / Foto: Brettspielpoesie

Die Arbeiter gelangen nun nicht mehr vom Kolonistenschiff ins Spiel, sondern warten in der Anwerbestelle auf ihren Einsatz. Die Ressourcenfelder auf den Schiffen und im Handelshaus sind nun nicht mehr quadratisch sondern achteckig, passend zur Form der Warensteine. Die Schiffe entwickelten sich bereits zur zweiten Auflage von rechteckigen Plättchen zu einer Schiffsform.

Puerto Rico Handelshaus Schiffe / Foto: Brettspielpoesie

In der ersten Ausgabe wurden die Gebäude überhaupt nicht illustriert, lediglich die Produktionsgebäude waren vollständig farblich hinterlegt. Dies wurde in der späteren Ausgabe fortgeführt, jedoch unterscheiden sich nun die Vor- und Rückseiten der Plättchen. Während auf einer Seite lediglich die Funktion der Gebäude ausführlich beschreiben wurde, zeigte die andere Seite eine Illustration des Gebäudes mit einem gekürzten Funktionstext in der Ausgabe aus dem Jahr 2013. Die weiteren Gebäude werden seitdem nicht mehr lila eingefärbt. Wie auch schon bei den Plantagen ersetzt nun ein farbiger Streifen die Zuordnung zu einer Ressource. Die Texte befinden sich nur noch auf einer Seite, dafür wurden hilfreiche Symbole verwendet. So ist der Wert für die Bezahlung auf einem gelben Kreis zu finden, die Siegpunkte auf einem Sechseck, analog zu den Formen der Münzen und Siegpunktmarker. Zudem finden sich die Aktionssymbole der Spielertableaus auf den Plättchen wieder.

Puerto Rico Gebäude/ Foto: Brettspielpoesie

Mit jeder der hier aufgeführten Versionen sind Erweiterungen hinzugekommen. Die neuen Gebäude und Die Adligen gab es bereits in der damals als vollständig angelegten Ausgabe 2013, sie haben sich nur optisch verändert. Analog zu den Standardgebäuden sind die Illustrationen neu und es wurden funktionale Symbole hinzugefügt. Zudem sind die Titel der Gebäude aus den Erweiterungen jetzt grün bzw. rot hinterlegt. Bei der Ausgabe aus dem Jahr 2013 waren stattdessen die Kreise um die Kosten unterschiedlich eingefärbt.

Puerto Rico Erweiterungen / Foto: Brettspielpoesie

Die aktuelle Ausgabe von Puerto Rico enthält noch zwei zusätzliche Erweiterungen. Den Freibeuter gab es erstmalig in der DSP Goodie Box 2019 von Frosted Games. Auch diese neue Rolle mit gleich vier verschiedenen Aktionsmöglichkeiten hat eine neue Grafik erhalten. Das Festival gab es zu Ehren der Teilnahme des Autoren Andreas Seyfarth und seiner Frau Karen beim XIV Festival Internacional de Juegos in Córdoba. Das Festival legt Aufgaben fest, für deren Erfüllung der schnellste Spieler eine Belohnung erhält. Optisch wurde auch diese Erweiterung an das neue Spielmaterial angepasst.

Puerto Rico Freibeuter Festival / Foto: Brettspielpoesie

Fazit:

Optisch gefällt mir persönlich die Ausgabe von 2013 tatsächlich besser als die aktuelle. Dafür hat die neueste Ausgabe in meinen Augen das edlere Cover und reiht sich damit gut in die neu aufgezogene alea-Serie ein. Auch die durchgängig verwendeten funktionalen Symbole sind hilfreich. Den farbigen Streifen der Plantagen und Produktionsgebäude hingegen weniger. Die komplette Einfärbung hat sie eindeutig von den anderen Gebäuden unterschieden, nun muss genau hingeschaut werden. Durch die verspielten Illustrationen finde ich die Plättchen der mittleren Version optisch am schönsten, trotz der farbigen Hinterlegung.

Grüne und rote Texte zur Unterscheidung der Gebäude aus den Erweiterungen ist für mich okay. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Menschen mit Farbschwächen Probleme bekommen. Es gibt leider kein anderes Unterscheidungsmerkmal.

Die neuen Spielertableaus irritieren mich total, da ein Fluss drei Plättchen von den anderen trennt. Dies hat aber keine spielmechanische Bedeutung. In unserer Ausgabe wirkt die Schrift auf einigen der Spielertableaus leider etwas verschwommen. Grundsätzlich gab es nach dem ersten Druck diverse Probleme, da bei manchen Plättchen die Vorder- nicht zu den Rückseiten passten. Leider sind solche Druckprobleme zuletzt häufiger geworden bei alea. Aber immerhin haben sie sich eines oft geäußerten Kritikpunkts angenommen und die Plättchen dicker gemacht.

Seit der Ausgabe von 2013 ist es möglich Puerto Rico bereits ab zwei Spielern zu spielen. Ja, das funktioniert irgendwie, aber zu zweit gibt es einfach bessere Spiele. Besonders die Wahl der Aktionen mit dem Vorteil für den auswählenden Spieler wird erst bei mehr Spielern so wirklich interessant.

Für die thematische Umsetzung von Puerto Rico wurde der Verlag schon mehrfach kritisiert, dies wird nun erstmalig in der Spielanleitung erläutert. Heutzutage würde ein neues Spiel mit solchem Thema bei alea nicht mehr erscheinen, heißt es darin. Sie wollen aber dennoch das erfolgreiche Spiel, welches vor allem in Nordamerika zu den Vorreitern der Euro Games gehört und innerhalb der Welt der Brettspiele eine hohe Relevanz hat, im Programm behalten. Um aufzuzeigen sich der Problematik bewusst zu sein, wurden die Arbeiter umgefärbt und umbenannt. Ob es das nun besser macht, muss jeder für sich entscheiden. Zumindest zeigt der Verlag, dass derzeit ein Umdenken statt findet und fordert alle Spieler auf, sich mit der Geschichte Puerto Ricos und speziell der Kolonialisierung auseinanderzusetzen.

Optisch gefällt mir die vorherige Ausgabe einfach besser, ich würde diese niemals durch die neue Ausgabe ersetzen. Da sind immerhin zwei der vier Erweiterungen bereits enthalten, den Freibeuter kann man zusätzlich erwerben. Wer jedoch bisher noch kein Puerto Rico hat, bekommt hier ein Komplettpaket und kann ruhig zugreifen.

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