#kosmospt20

Logo Brettgeschichte / Foto: Brettspielpoesie

Die Kosmos Pressetage gibt es schon seit mehr als zwei Jahrzehnten, in den vergangenen Jahren durfte auch ich daran teilnehmen. Seit 2017 wird das Event immer zentral im Kloster Haydau in Morschen durchgeführt. Davon wurde dieses Jahr Abstand genommen, 2020 verändert eben alles. Für den Kosmos-Verlag noch lange kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken, sie verlegten das Event einfach in die Wohn- bzw. Spielzimmer der Teilnehmer. Und so trafen wir uns vergangenen Freitag zu einer großen Zoom-Konferenz, um lecker zu essen, miteinander anzustoßen und vor allem gemeinsam neue Spiele des Kosmos-Verlags kennen zu lernen. Fast so wie vor Ort.

Kosmos hat bei der Vorbereitung wirklich an alles gedacht, um das Erlebnis so authentisch wie möglich werden zu lassen. Am Donnerstag trafen bei vielen Medienschaffenden aus der Brettspielwelt große Pakete ein. Darin enthalten waren nicht nur viele der Neuheiten, sondern auch leckere Köstlichkeiten. Da nicht alle Spiele vorab fertig produziert werden konnten, wurde nachgeholfen und viele Handmuster vorbereitet. Daher beachtet bitte, dass die Bilder hier und auf Instagram vor allem diese Handmuster und nicht das fertige Spielmaterial zeigen.

Switch & Signal zum Anstoßen / Foto: Brettspielpoesie
Switch & Signal

In einer gemeinsamen Videokonferenz wurden wir auf das Event eingestimmt und dann ging es auch schon los mit der ersten Partie Switch & Signal, einem kooperativen Zugspiel von Autor David Thompson. Gemeinsam versuchen die Spieler dabei Züge über das Schienennetz zu befördern, um Waren aus den Städten aufzuladen und zu einem Hafen zu bringen. Es müssen Weichen und Signale gestellt werden, damit die Züge passieren können und die korrekten Richtungen einschlagen. Neue Züge gelangen zufällig ins Spiel, Würfel bestimmen wo sie starten. Es sollte daher auch beachtet werden, dass die Einstiegspunkte freigemacht werden. Zudem sollte verhindert werden, dass die Züge frontal aufeinander prallen oder aufeinander auffahren. In der ersten Partie scheiterten wir auf der Europa-Karte knapp, bei der zweiten Partie waren uns die Würfel wohlgesonnen. Diese entscheiden nämlich darüber wie schnell sich die Züge bewegen können. Dabei ist Schnelligkeit nicht immer erwünscht, wenn die Strecke noch nicht darauf vorbereitet ist.

Switch & Signal Europa / Foto: Brettspielpoesie

Die Rückseite des Spielplans zeigt eine USA-Karte mit kleinen spieltechnischen Änderungen. Dort gibt es zwei Hafenstädte die jeweils eine Ware jeder Farbe verlangt. Nur knapp gelang es uns im letzten Spielerzug die Aufgabe zu erledigen. Beide Spielplanseiten gefielen uns, alle hatten Spaß an den Partien. Der Schwierigkeitsgrad kann angepasst werden, indem weniger Zeitplättchen und/oder Rundenkarten verwendet werden. Wer sich in der aktuellen Situation nicht auch noch spielerisch mit einer weltweiten Pandemie auseinander setzen möchte, findet hier vielleicht ein thematisch anders gelagertes, kooperatives Spiel auf Familienniveau.

Switch & Signal New York / Foto: Brettspielpoesie
Blätterrauschen

Weiter ging es mit einer gemeinsamen Partie Blätterrauschen mit allen Teilnehmern. Das ist bei diesem Roll’n’Write-Spiel möglich, da einer würfelt und jeder das Ergebnis einträgt, um Punkte zu generieren. Enthalten ist ein dicker Block mit vier unterschiedlichen Arten von Spielzetteln, jede Art repräsentiert eine der vier Jahreszeiten. Wir haben passenderweise die aktuelle Jahreszeit, den Herbst, gewählt. Die beiden Würfel zeigen jeweils ein bis vier Blätter, aufgrund dessen ein Rechteck eingezeichnet wird, mit der Anzahl Blätter als Länge der Seitenkanten an. Darin wird dann ein Symbol gewählt, welches in die Wertung genommen wird. Jedes Symbol hat dabei seine ganz eigenen Regeln, um Punkte zu generieren.

Die anderen Jahreszeiten zeigen andere Symbole, die auf ganz andere Weisen punkten. Leider sind die Wertungszettel recht vollgestopft, die Übersicht geht schnell verloren. Bald ist nicht mehr gut zu überblicken welche Bereiche schon verwendet wurden und welche noch nutzbar sind. Dabei fand ich es leider direkt ersichtlich, welche Symbole am lukrativsten sind, um viele Punkte zu generieren. Interaktion gibt es keine, die Spieler beginnen bloß alle an unterschiedlichen Stellen und am Ende werden die Punkte verglichen. Sonst spielt es sich eher solitär.

Bläetterrauschen Wertungsblatt / Foto: Brettspielpoesie

Bei Twitter hab ihr vielleicht mitbekommen das Kosmos zu einer Easter Egg-Suche in ihren Exit-Spielen aufgerufen hat. Die entsprechenden Bildausschnitte waren Teil des großen Pressepakets, sodass keiner seine gespielten Kisten durchsuchen musste. Viele haben sie ja gar nicht mehr zu Hause. Ich fand es gut, dass der Redakteur hiermit seine Liebe zum Detail aufzeigen konnte. Denn beim Spielen der Exit-Spiele nehmen wir uns oft nicht die Zeit, solche Details auszumachen. Da fällt was Offensichtliches vielleicht mal direkt ins Auge, sonst geht es eher an einem vorbei. Vielleicht ist dies ja der Anstoß, zukünftig mehr darauf zu achten, ggf. nach Abschluss eines Exit-Spiels.

Greenville 1989

Als nächsten Programmpunkt wurden wir aufgefordert die Schachteln des kooperativen Storytelling-Spiels Greenville 1989 in die Hände zu nehmen. Es folgte ein kleines Quiz, welches sich der zuständige Redakteur Ralph Querfurth ausgedacht hatte. Er gab uns eine kurze Geschichte in einzelnen Sätze und wir sollten das passende Bild auf den enthaltenen Karten herausfinden.

Nachdem der „offizielle“ Teil des Abends beendet wurde, spielten wir in unserer Vierer-Runde gleich eine ganze Partie, bevor wir alle Karten wieder zurück legten. Etwas Mysteriöses ist Geschehen und ihr befindet euch, statt mit euren Freunden beim Bowling-Abend, plötzlich in der „Anders-Welt“ wieder. Allerdings ganz alleine, könnt eure Freunde aber immerhin noch hören. Jeder startet mit einer gruseligen, Dixit-artigen Karte und beginnt anhand der Karte eine Geschichte zu erzählen.

Ein wechselnder Spielleiter deckt neue Karten auf und versucht sie so zuzuordnen, wie sie seiner Meinung nach die Geschichten sinnvoll fortführen. Sind die Plättchen der Mitspieler verdeckt platziert, entscheiden die Mitspieler gemeinsam welche sie wem zuordnen würden. Bei korrekter Zuordnung erhält der Spieler die Karte, um seine Geschichte anhand dessen weiter zu erzählen. Falsche Zuordnung führt dazu weiter in die Anders-Welt hineingezogen zu werden. Die Partie endet, sobald ein Spieler zu tief hineingezogen wird mit einer Niederlage oder siegreich wenn jeder Spieler mindestens vier Karten vor sich ausliegen hat.

Obwohl unsere Gruppen meinten, nicht kreativ zu sein, haben uns beide Partien dieses Wochenendes sehr viel Spaß bereitet, es kamen wirklich merkwürdige Geschichten zusammen. Unsere erste Partie haben wir auf Messers Schneide gewonnen, eine weitere falsche Zuordnung hätte das Ende bedeutet. Es blieb also spannend bis zum Schluss, wie in einem guten Horror-Film, zu denen es übrigens einige Hinweise auf den Karten zu entecken gibt.

Greenville 1989 Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie
Anno 1800

Nach Mitternacht ging es erst ins Bett und früh morgens wieder raus, selbst daran hat sich beim Kosmos Presseevent dieses Jahr nichts geändert ;) Der Morgen startete mit einem 30-minütigen Erklärvideo zum neuen Brettspiel von Martin Wallace: Anno 1800. Danach spielten alle Gruppen für sich, Fragen konnten jederzeit an die zuständigen Redakteure gestellt werden.

Leider kenne ich das Videospiel dazu nicht, kann daher keine Vergleiche ziehen. Es geht darum die Bevölkerung auszubauen, mit dieser Waren zu produzieren und Schiffe bereit zu stellen, um die Waren zu verschiffen. Es werden neue Landstriche entdeckt und Handel mit den Mitspielern betrieben. Die Spieler führen reihum genau eine Aktion aus, das geht recht flott. Die gesamte Parte dauerte bei uns in der Erstpartie zu zweit sehr lange, wir mussten es mittags sogar unterbrechen, weil wir noch etwas anders vor hatten. Das Spielende wird von den Spielern selbst beeinflusst. Sie erhalten mit jedem neuen Arbeiter auch eine Bedürfniskarte, die erfüllt werden muss, um sie abzulegen. Erst wenn ein Spieler keine dieser Karten mehr auf der Hand hat, endet die Partie nach der folgenden Runde. Es muss also der richtige Zeitpunkt gefunden werden diese Karten abzubauen, das gelang uns wahrscheinlich noch nicht gut. Mir hat es jedenfalls gefallen, ich freue mich schon auf weitere Partien, vor allem auch mal mit mehr als einem Mitspieler. In der Hoffnung, dass mit etwas mehr Übung auch die Spielzeit sinkt.

Anno 1800 Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Neben den hier erwähnten Spielen lagen dem Paket auch Murder Mystery Party – Mörderisches Klassentreffen, Paris – Die Stadt der Lichter, Adventure Games – Grand Hotel Abaddon und Die Monsterbox der Monster Erweiterung zu Harry Potter – Kampf um Hogwarts bei. Ersteindrücke zu diesen werden in den kommenden Wochen hoffentlich noch folgen. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, da wurde wirklich etwas Tolles auf die Beine gestellt, um der aktuellen Pandemie zu trotzen. Vielen Dank an alle, die dieses Erlebnis mitgestaltet haben. Auch wenn wir nicht gemeinsam spielen konnten, so war es toll eure Stimmen zu hören und in eure Wohnungen zu schauen, wie ihr spielt. Hoffentlich dauert es nicht mehr lange, bis wir uns alle wieder live treffen können.

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