Letter Jam

Cover / Foto: CGE

Ein Wort aus Buchstaben, mir unbekannt,
versuche es zu erraten, bin ganz gespannt,
pro Runde bekommen wir ein Wort „genannt“,
müssen dieses verarbeiten, wortgewandt.
Die Mitspieler ihren Hinweis geben,
indem sie Wörter aus den Buchstaben legen.
Mit den Chips wird die Reihenfolge markiert,
jeder Spieler für sich nun Worte daraus kreiert.
Damit jeder seine Buchstaben erkennt,
bei Spielende sein ganzes Wort benennt.
Die Karten müssen dann richtig liegen,
um bei Letter Jam als Gruppe zu siegen.
Doch geht es hier gar nicht so sehr ums gewinnen,
sondern beim gemeinsamen Knobeln eine schöne Zeit zu verbringen.

Spielmaterial:

Die 64 Buchstabenkarten sind schlicht gestaltet, dabei groß genug, dass alle Spieler am Tisch die Buchstaben bei den Mitspielern gut erkennen können. Die Buchstaben J, Q, V, X und Y sind in der deutschen Version nicht enthalten, dafür eine Jokerkarte, die immer offen ausliegt. Jeder Spieler erhält einen kleinen Plastikständer, in welchen sich die Karten gut hineinstecken lassen und auch leicht wieder zu entfernen sind. Acht nummerierte Pokerchips zeigen appetitliche Früchtchen, Blumenkarten mit passenden roten und grünen Hinweismarkern dienen als Rundenzähler. Es sind sechs lange Bleistifte enthalten, die einige Partien halten sollten. Zu Beginn sind sie nicht angespitzt, doch zu diesem Zweck liegt dem Spiel auch direkt ein Anspitzer bei. Jeder Spieler erhält zudem einen Zettel zur Notierung der Hinweise, dieses Blatt kann so geknickt werden, dass nicht gleich jeder die Notizen einsehen kann. Auch einige kleine Easter Eggs verstecken sich in dem Spiel, das zeigt die Liebe zum Detail bei Czech Games Edition.

Letter Jam Hinweis / Foto: Brettspielpoesie

Spielmechanismus:

Jeder Spieler bildet aus fünf Buchstabenkarten ein Wort, mischt diese Karten und gibt sie einem anderen Spieler. Dieser schaut sich die Karten nicht an, stattdessen legt er sie nebeneinander vor sich auf den Tisch und stellt die erste Karte in den Ständer. Diese Karte zeigt von ihm weg, sodass alle anderen sie sehen können, der Spieler selbst jedoch nicht. Jeder möchte versuchen seine Buchstaben herauszufinden, dafür versuchen die Spieler aus den sichtbaren fünf Buchstaben Wörter zu bilden. Ein Spieler wird anhand einer kurzen Einordnung zur Nützlichkeit seines Wortes ausgewählt. Er nennt es nicht, sondern legt die nummerierten Chips in der richtigen Reihenfolge zu den Buchstabenkarten, ein Joker-Buchstabe steht dabei immer zur Verfügung. Spielen weniger als sechs Spieler mit, gibt es zusätzliche Kartenstapel, sodass zudem auch wirklich immer fünf Buchstaben verwendet werden können. Die Spieler können sich diese Buchstaben auf ihren Zetteln notieren, so fällt es leichter zu erkennen, welche Buchstaben für den eigenen gesuchten eingesetzt werden können.

Letter Jam Spielersicht / Foto: Brettspielpoesie

Wer einen Hinweis gibt, entfernt dabei einen Hinweismarker von der Rundenkarte. Anhand der übrigen Marker kann abgelesen werden, wie viele Runden noch zu spielen sind, außerdem wird dafür gesorgt, dass jeder Spieler mindestens einen Hinweis geben muss. Mit etwas Spielpraxis können zu Beginn auch Wörter mit mehr als fünf Buchstaben verwendet werden.

Letter Jam Hinweis / Foto: Brettspielpoesie

Spielende:

Eine Partie endet, wenn alle Spieler glauben ihr Wort zu kennen oder die zur Verfügung stehenden Runden abgelaufen sind, also keine Marker mehr von der Rundenkarte entfernt werden können. Dann ordnen die Spieler ihre noch immer verdeckt liegenden Buchstabenkarten so an, wie sie ihrer Meinung nach ein gültiges Wort bilden. Dies muss übrigens nicht das Wort sein, welches der andere Spieler sich bei der Auswahl der Buchstabenkarten gedacht hat. Erst danach wird aufgedeckt und die Worte überprüft. Offiziell hat das Team gewonnen, wenn fast alle Spieler ein gültiges Wort gelegt haben. Wer es genauer wissen möchte, kann Punkte berechnen und mit einer Skala vergleichen wie gut sich das Team geschlagen hat.

Letter Jam Lösung – Das Wort war natürlich Schaf… / Foto: Brettspielpoesie

Spieleranzahl:

Zunächst dachte ich, ein solches Spiel benötigt viele Spieler. Doch die Praxis zeigte, Letter Jam funktioniert mit jeder Spielerzahl. Selbst zu zweit hatten wir viel Spaß daran, unsere Wörter zu erraten. Die Rundenkarten sind für jede Spielerzahl unterschiedlich. In Partien mit genau sechs Spielern gibt es keine zusätzlichen Kartenstapel, die Wörter können also nur aus den Buchstaben der Spieler gebildet werden. Bei weniger Spielern werden neutrale Stapel verwendet, dessen Buchstabenkarten nach Verwendung abgelegt werden. Das führt zu mehr Rotation der verfügbaren Buchstaben, während sich die Buchstaben in Vollbesetzung nur verändern, wenn die Spieler sich sicher sind und ihre Buchstaben freiwillig ablegen. So kann die Partie bei Vollbesetzung eher ins Stocken geraten.

Glücksfaktor?

Wichtiger als Glück ist bei diesem Spiel, ein gewisses Gespür für Wörter. Es kann passieren, dass nur Vokale oder nur Konsonanten zur Verfügung stehen, dann ist es natürlich schwerer hilfreiche Wörter zu bilden.

Meinung:

Letter Jam ist eine gelungene Mischung aus Wort- und Knobelspiel, beides mag ich sehr gerne, was zu einem Spiel führt, für welches ich mich absolut begeistern kann. Ähnlich wie bei Decrypto ist das Spielprinzip eigentlich gar nicht schwierig, doch der Einstieg ist oft eher holprig, da sich die Spieler den Ablauf meist nicht wirklich vorstellen konnten. In den ersten Runden wird dann oft erst klar, wie das Spiel wirklich funktioniert. Da jeder Spieler sich Wörter als Hinweise ausdenken muss, sollten wirklich alle an einer solchen Aufgabe Spaß haben. Auch wenn hier die meisten Spieler jederzeit eingebunden sind, geht es am Tisch doch eher ruhig zu, es ist kein typisches Partyspiel. Um die Hinweise richtig zu deuten und die eigenen Buchstaben zu erkennen, ist Denkarbeit notwendig, das funktioniert bei den meisten Spielern besser in ruhiger Umgebung. Während einer Partie ist auch die Kommunikation eingeschränkt, doch hinterher wird gerne noch lange über die Hinweise philosophiert. Die sind nämlich nicht immer so gut, wie man zunächst denkt. Besonders wenn der Joker benutzt wird, sollte gut überlegt werden, was die Spieler anhand ihres fehlenden Buchstabens zur Auswahl haben und wie gut der Hinweis dies wirklich eingrenzt. Das wird nämlich gerne übersehen.

Wer sich schwer tut zu Beginn ein Wort zu bilden, kann alternativ gibt die speziell dafür erhältliche App verwenden. Mit den enthaltenen Chips können nur acht Buchstaben in ihrer Reihenfolge angezeigt werden, auf der SPIEL’19 gab es für die langen deutschen Wörter extra einen neunten Chips dazu. Doch richtig gute Hinweise können aus noch mehr Buchstaben bestehen, da muss man sich dann zu helfen wissen. Bei uns waren solche Tipps aber eher selten, von daher finde ich es in Ordnung, dass diese Anzahl beigelegt wurde.

Ein großer Unterschied zu Spielen wie Codenames oder Decrypto liegt darin, dass hier keine Wortbedeutungen oder Assoziationen relevant sind, sondern wirklich die reine Kombination von Buchstaben, das erkennen von Mustern, welche Buchstaben noch in Frage kommen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass hier nicht zwei Teams gegeneinander spielen, sondern alle miteinander. Dennoch gibt es keinen klassischen Alpha-Spieler, da jeder Hinweise geben sollte, damit alle voran kommen. Alle Spieler möchten Hinweise geben, die möglichst vielen Mitspielern auf die Sprünge helfen. Ich liebe diese Momente, wenn alle große Fragezeichen über den Köpfen haben und den Spielern dann nacheinander ein Licht aufgeht, was für ein genialer Hinweis das eigentlich war. Genauso kann es allerdings ein wenig frustrieren, wenn ein Hinweis für alle anderen hilfreicher war, weil der eigene Buchstabe mal wieder nur als Anfangsbuchstabe verwendet wurde, was es meist schwieriger macht, ihn eindeutig zuzuordnen. Oder man einfach nicht auf das Wort kommt, welches der Hinweisgeber vor Augen hatte. Das Team sollte es schaffen, die Hinweise so zu vergeben, dass alle Spieler ähnlich gut vorankommen und niemand hinterher hängt, da pro Runde eben maximal ein Buchstabe erkannt werden kann und die Rundenanzahl begrenzt ist. Oft ist das aber gar nicht so einfach, umso exotischer die Hinweise werden, desto größer auch die Gefahr, dass ein Spieler dieses Wort noch nie gehört hat und mit dem Hinweis nichts anfangen kann.

Fazit:

Wer gerne mit Buchstaben hantiert, ist bei Letter Jam genau richtig. Es ist eines dieser Spiele mit einer Wertung, die aber eigentlich kaum interessiert, der Weg ist das Ziel. Ob wirklich alle am Ende die Buchstaben richtig erkannt oder angeordnet haben, interessiert nur am Rande. Es ist immer wieder herausfordernd die eigenen Buchstaben zu erraten und hilfreiche Hinweise für die Mitspieler zu finden.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Czech Games Edition / HeidelBär Games
Autor(en): Ondra Skoupý
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 45 Minuten

Vielen Dank an Czech Games Edition für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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3 Gedanken zu “Letter Jam

  1. Du hast Recht – auch nach dem dritten Durchlesen einer Spielbeschreibung für dieses Spiel habe ich keine rechte Vorstellung davon, wie es funktioniert. Aber es interessiert mich immer mehr. Ich hoffe doch sehr, das irgendwann mal spielen zu können.

    • Ist auch wirklich nicht leicht zu beschreiben. Wer Wortspiele mag, sollte es einfach mal spielen, sollte sich die Gelegenheit ergeben :-)

  2. Pingback: Im Rampenlicht: Letter Jam – Beeple

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