Spiel des Jahres 2026 – Prognose

Zu dieser Zeit eines Jahres stehen in der Brettspielbubble direkt einige wiederkehrende Themen an. Auch in diesem Jahr wird die Spiel des Jahres-Jury wieder einige Spiele des aktuellen Jahrgangs hervorheben. Ich habe zwar das Gefühl, nur einen kleinen Teil der in Frage kommenden Spiele selbst gespielt zu haben, möchte aber trotzdem versuchen anhand eigener Spielerlebnisse und der Rezeption mancher Personen aus der Jury eine Prognose abzugeben. Kommenden Dienstag wissen wir alle schon mehr, denn dann findet die Bekanntgabe ab 16 Uhr im Rahmen eines Youtube-Streams statt.

Zum Einstieg möchte ich ein kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr wagen. Meine Tipps für das Kennerspiel waren gar nicht schlecht. Endeavour – Die Tiefsee wurde, wie von mir prognostiziert, zum Kennerspiel des Jahres 2025 gekürt. Auch bei Faraway hatte ich den richtigen Riecher und es auch auf der richtigen Liste eingeordnet. SETI war dann wohl doch zu komplex und landete nicht einmal auf der Empfehlungsliste. Dort gab es aber, wie erhofft, einen sehr verdienten Platz für Medical Mysteries.

Auch beim Spiel des Jahres lag ich mit dem späteren Preisträger Bomb Busters genau richtig. Die beiden anderen Nominierten Krakelorakel und Flip 7 hatte ich nur auf der Empfehlungsliste erwartet. Dort landete wiederum Cities, für das ich eine Nominierung prognostiziert hatte und der dritte von mir für die Nominierung vorgesehene Titel, Neuland, erhielt eine Nominierung, allerdings beim Kennerspiel des Jahres.

Kinderspiel des Jahres

Auch wenn meine Neffen und meine Nichte immer älter und die gemeinsamen Spielemöglichkeiten somit interessanter werden, bin ich noch weit davon entfernt einen guten Überblick über die auszeichnungswürdigen Kinderspiele eines Jahrgangs zu haben, daher kann ich hier leider keine fundierte Prognose abgeben. Zum Kennerspiel des Jahres 2021, Paleo, ist mit Paleolino eine Kinderspiel-Variante von Marco Teubner erschienen, vielleicht reiht sich diese in die erfolgreichen Kinderspiel-Adaptionen der vergangenen Jahre ein? Auch Dixit Kids müsste in diesem Jahrgang erschienen sein, Azul Kids kommt erst noch.

Kennerspiel des Jahres

Beim Kennerspiel des Jahres habe ich kein wirklich gutes Gespür dieses Jahr. Leider hat sich mir noch keine Gelegenheit ergeben Rebirth zu spielen, aber diesem Mehrheitenspiel von Reiner Knizia rechne ich die größten Chancen für diese Auszeichnung ein. Das Spielprinzip soll einfach zu erlernen sein, jede Runde zieht man ein zufälliges Plättchen und platziert es auf dem gemeinsamen Spielplan. Es ist ein eher klassisches Brettspiel, mit gemeinsamen Spielbrett und vor allem soll es richtig konfrontativ sein. Erst die Spielplanrückseite macht es mit neuen taktischen Herausforderungen wohl zu einem echten Kennerspiel. Dennoch fordern die geheimen Zielkarten schon einiges an Regelverständnis, da trifft es sich gut, dass Frosted Games bereits Spielhilfen zum Download bereitstellt und in neuen Auflagen beilegen wird.

Obwohl es mir in bisher einer einzigen Partie persönlich nicht so sehr zugesagt hat, wie sein Vorgänger Arche Nova, rechne ich auch Artengarten gute Chancen ein. Denn es bricht das Expertenspiel gekonnt herunter. Sechseckige Plättchen ersetzen die Karten, die Tiere sind hier direkt in passenden Gehegen, es gibt nur vier Hauptaktionen, deren Aktionswert sich jede Runde ändert und die man durch Umdrehen aufwerten kann. Nach der Partie hatte ich Sehnsucht nach einer “richtigen” Partie Arche Nova, aber ist dessen Vorgänger nicht bekannt, kann Artengarten ein gute Brücke dahin schlagen.

Daneben könnten auch Life of the Amazonia oder Fromage gute Chancen habe, beide konnte ich aber noch nicht spielen. Daher gehe ich stattdessen mit The Druids of Edora ins Rennen, dem vielleicht letzten bei alea selbst entwickeltem Spiel der einstigen Vielspieler-Reihe von Ravensburger, die danach nur noch Lokalisierungen hervorbrachte. Bei diesem Wüefeleinsetzspiel werden die Würfel nur zu Beginn gewürfelt. Mit diesen Ergebnissen muss man dann klar kommen, um mit dem eigenem Druiden durch den magischen Wald zu ziehen, Kultstätten zu besuchen und Aktionen auszuführen. Hohe und niedrige Augenzahlen haben dabei jeweils ihre Vor- und Nachteile. Wie bei Stefan Feld-Spielen üblich gibt es diverse Möglichkeiten an Siegpunkte zu gelangen. Spielerisch überzeugt es auf ganzer Linie, allerdings ist die Ausstattung nicht optimal. Der Spielplan ist komplett in verschiedenen Grüntönen gehalten, manche Symbole sind darauf viel zu winzig. Diese Aspekte könnten einer Nominierung vielleicht im Wege stehen.

Spiel des Jahres

Nach drei kooperativen Titeln, die in Folge mit dem Hauptpreis Spiel des Jahres ausgezeichnet wurden, wäre ein kompetitives Spiel als Preisträger sicher mal wieder sehr willkommen, aber ich vermute bei den aktuellen Jahrgangs-Highlights könnte sich wieder ein kooperatives Spiel durchsetzen. Auch wenn ich Boss Fighters QR wegen der zwingend notwendigen App-Verwendung zunächst abgelehnt hatte, wurde es von mir und meinem Partner dann in kürzester Zeit durchgesuchtet. Wie ich schon in der Rezension geschrieben hatte, ist die Kombination der Medien Brettspiel und App hervorragend gelungen, die App nimmt viel nervige Verwaltungsarbeit ab, aber das physische Spielmaterial bleibt im Vordergrund. Es ist spannend, sich die Eigenarten der verschiedenen Bosse selbst zu erschließen und jeder Sieg belohnt mit neuen Karten, die man dem eigenen Deck hinzufügen darf.

Nur weil der Verlag es als Familienspiel einordnet, muss es natürlich nicht zwingend in dieser Kategorie landen, wie ja bereits Living Forest 2022 bewiesen hat. Aber ich halte es aufgrund der vier unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade für möglich, auch wenn ich zugegebenermaßen nicht alle Level selbst ausprobiert habe. Diese sollen sich an der Spielerfahrung orientieren. Es gibt einen speziellen Trainingsboss zum Start und auch die Anleitung führt die Spielregeln häppchenwiese ein.

Ebenfalls kooperativ, schätze ich die Chancen auf eine Nominierung für Cozy Sticker Ville gut ein. Ich habe bislang nur die Demo zu zweit gespielt und war davon nur mäßig begeistert. Ich habe aber mehrfach zu hören bekommen, dass das komplette Spiel mehr bieten soll und damit nur bedingt vergleichbar wäre. Von daher möchte ich Cozy Sticker Ville gerne noch komplett kennen lernen. Da man dabei auch Ressourcen managen muss, halte ich es für mehr “Spiel” als es zum Beispiel damals MicroMacro war, was mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde.

Cozy Games scheinen gerade generell auf dem Vormarsch zu sein, es erscheinen übermäßig viele kooperative und zugleich auch gute Spiele. In Zeiten von Kriegen auf der ganzen Welt, möchte man am Spieltisch vielleicht lieber die schöne, heile Welt erleben. Ich hatte im vergangenen Jahr auch sehr viel Spaß mit dem Buchspielbuch Carp City, dem ich einen Platz auf der Empfehlungsliste wünsche. Dieses ist wirklich nur bedingt ein Brettspiel, aber eine Empfehlung für alle, die gerne Geschichten erleben, Aufgaben erfüllen und Sticker kleben, um eine sich verändernde Welt zu erleben.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese beiden kooperativen Spiele zusammen mit einem kompetitiven Spiel nominiert werden. Und da habe ich viel Gutes zu Got Five vernommen, welches ich selbst leider noch nicht in die Finger bekommen habe. Es ist ein Deduktionsspiel, bei dem jeder fünf Zahlensteine aus fünf definierten Zahlenbereichen zugewiesen bekommt und aufsteigend vor einem abgestellt werden. Die Zahlen sehen nur alle anderen, so wie man selbst auch die Zahlen aller anderen sieht. Es ist also bekannt, welche Zahlen nicht bei einem selbst sein können. Durch das Aufdecken übriger Steine, die man von den anderen vergleichen oder einsortieren lässt, muss man herausfinden, welche Zahlen die eigenen Steine tragen. Das klingt nach einem leicht zu erlernendem Deduktionsspiel mit kurzer Spielzeit.

Ebenfalls um Deduktion, aber mit einer Prise übersinnlicher Verständigung, wie bei The Mind, geht es bei Take Time. Auch wenn mir das Spiel gefällt, weil es in eine sehr ähnliche Kerbe einschlägt wie Bomb Busters, halte ich es nach den genannten Vorgängern für nicht neuartig genug. Es hat in meiner Spielrunde auch nicht denselben Sog erzeugt, in dem Bomb Busters uns hinein gezogen hatte.

Die Empfehlungsliste umfasst häufig eine große Spannbreite von Spielmechanismen. Ich würde neben einem schnellen Kartenspiel auch noch ein Kommunikations- bzw. Assoziationsspiel darauf erwarten. Leider habe ich in diesem Bereich noch nicht viele spielen können, aber dank Binabik (Jenny Konrad)(externer Link) konnte ich letztens bei Instagram in der Story dieses Spielprinzip kennen lernen. Man versucht dabei gleiche Assoziationen zu haben, am besten nur mit genau einer anderen Person. Es ist daher ein kompetitives Spiel, scheint aber ähnliches Schwelgen in Erinnerungen auszulösen, wie es Fun Facts gelungen ist, was 2023 nominiert war.


Vielleicht etwas kurzfristig, aber wie lautet denn eure Prognose? Was glaubt ihr wird zum Spiel des Jahres, Kennerspiel des Jahres und vielleicht auch zum Kinderspiel des Jahres nominiert? Lasst mich an euren Gedanken teilhaben und schreibt eure Kandidaten in die Kommentare, gerne auch mit kurzer Begründung.

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