Unter Schafen 08/22

Ein weiterer Monat liegt hinter uns. Zum Start in den August verbrachten wir erneut ein Wochenende in Berlin und trafen uns mit lieben, spielbegeisterten Menschen um von Freitagabend bis Sonntagfrüh quasi durchzuspielen. In dieser Zeit haben wir einige bislang ungespielte Titel kennen gelernt und ebenso den Mitspielern das eine oder andere neue Spiel beigebracht. Ein rundum gelungenes Wochenende, das gerne noch länger hätte andauern dürfen. Die Sommerflaute an Neuerscheinungen scheint langsam auf ein Ende zuzusteuern, denn die SPIEL wirft ihre Schatten voraus und es kommen nach und nach neue Titel auf den Markt.

Mäh! - News und Aktuelles

Ein Sack für Rita

Auf der BerlinCon konnte der Prototyp eines zukünftigen Spiels von Rita Modl gespielt werden: Queen of 12. Es verwunderte dabei manch einen Testspieler, dass das Säckchen zum zufälligen Ziehen der Würfel nicht im fertigen Produkt enthalten sein sollte. Dieser Umstand sprach sich herum, Unverständnis machte sich breit und der Hashtag #EinSackFürRita war geboren. Auf Instagram zeigten viele Accounts, markiert mit diesem Hashtag, Bilder von Säckchen, größtenteils aus anderen Spielen, und baten darum, auch Queen of 12 mit einem solchen auszustatten.

Das Flehen wurde erhört, denn Verlagsinhaber Frank Noack von Corax bestätigte mittlerweile, dem Spiel bei erfolgreicher Förderung standardmäßig ein Säckchen beizulegen. Die zugehörige Spieleschmiede-Kampagne soll am 14.09.22 starten.

LEGO – 90 years of play

Brettspiele sind gefühlt noch immer ein Nischenthema. Umso schöner finde ich es, wenn Brettspiele auftauchen, wo man sie vielleicht nicht direkt erwartet. Solch einen Moment erlebte ich bei Twitter, als der LEGO “Product Designer” George Gilliatt ein aktuelles Mitarbeitergeschenk des Konzerns präsentierte. Das Spiel 90 years of play wurde exklusiv an die Mitarbeiter verteilt.

Leider gibt es wohl keine Möglichkeit anderweitig an dieses Spiel zu gelangen, daher kann ich leider nicht mehr dazu schreiben. Aber ich finde es großartig, dass LEGO als Mitarbeitergeschenk zu einem Spiel gegriffen hat. Sicherlich ist LEGO mit seinen Produkten schon näher am Spielen, als andere Konzerne, dennoch ist es eine schöne Idee, die vielleicht doch den einen oder anderen Neuling an Brettspiele heranführt. Daher ist es auch lobenswert, keine billige Eigenentwicklung einer Werbeagentur beauftragt zu haben, sondern mit Asmodee einen erfahrenen Partner ins Boot geholt zu haben. Ach, wie gerne würde ich selber dieses Spiel entdecken…

Similo: Board Games

Ich mag es, wenn Spiele Erweiterungen bekommen, die sich inhaltlich mit Brettspielen befassen. Zu Codenames haben wir zum Beispiel eine solche Minierweiterung mit Brettspiel-Begriffen oder auch zu Word Slam. Und jetzt hat der Merz-Verlag angekündigt, zusammen mit Horrible Guild und weiteren Verlagen, eine spezielle Ausgabe von Similo auf der SPIEL kostenlos zu verteilen. Die Karten zeigen viele der diesjährigen Neuerscheinungen und sind, wie von dieser Serie gewohnt, fabelhaft illustriert.

Herde - Neuzugänge

DUOS – Things & Animals / Sports & Fairy Tales

(Niklas Gestrin und Markus Tångring, Granna)

Eine SPIEL-Neuheit aus Polen erreichte mich im August. DUOS gibt es gleich in zwei verschiedenen Ausgaben. Dabei unterscheiden sich nur die Bildkarten, deren Seiten in der einen Ausgabe Dinge & Tiere zeigen und in der anderen Sport & Märchen. Das übrige Spielmaterial ist in beiden Ausgaben vollkommen identisch, nicht einmal die Farben variieren. Zip-Beutel sucht man vergeblich. Stattdessen stehen zwei kleine Pappschachteln zur Verfügung, um das kleinteilige Spielmaterial in Form von Pappplättchen und Holzklötzchen darin zu verstauen.

Im Spiel werden in mehreren Runden Bildkarten eines Typs in einem 3×4-Raster angeordnet. Alle Spieler markieren mit den Klötzchen hinter ihrem Sichtschirm vier Pärchen ohne sich mit den anderen über die Karten zu unterhalten. Ein Spieler gibt die Zuordnungen vor, mit denen sich dann alle anderen vergleichen, um bei Übereinstimmung Punkte zu erhalten. Die Bilder sind schon so gewählt, dass es zwar hin und wieder eindeutige Gemeinsamkeiten gibt, aber mindestens genauso häufig auch mehr als zwei. Und dann wird es spannend, wer welche Gemeinsamkeiten erkennt.

Die Spielidee wirkt nicht wirklich neu, Assoziationsspiele solcher Art gibt es mittlerweile viele. Ich fand es nach der Regelerklärung interessant, dass alle gleichzeitig nach Übereinstimmungen suchen. Anders als bei Codenames, wo hin und wieder Downtime aufkommt, wenn der eine Tipp-gebende Spieler überlegt. Leider schafft es DUOS dennoch nicht durch einen besonderen Kniff aus der Menge besonders herauszustechen.

Grasen - Frische Spieleindrücke

One Card Wonder – Einkartenwunder

(Nat Levan, Ostia Spiele)

Vergangene Woche hatten wir Besuch von Autor Stefan Risthaus. Er selber veröffentlicht diesen Herbst keine Neuheit bei seinem Verlag Ostia Spiele, dafür wurde erstmals eine Lokalisierung in das Verlagsprogramm aufgenommen. Am Stand von Spielworxx, wo Ostia Spiele dieses Jahr unterkommt, wird die deutschsprachige Version von One Card Wonder erhältlich sein.

Wie der Titel bereits verrät, ist das Ziel bei diesem Spiel das eigene Weltwunder fertigzustellen, welches jeder Spieler zu Beginn erhält. Vier Aktionen stehen den Spielern zur Verfügung, aus denen pro Zug eine ausführbar ist. Mit diesen ist es möglich Ressourcen zu erhalten und diese zu verbauen oder für Joker-Münzen zu verkaufen. Mit einer Bau-Aktion lassen sich beliebig viele Bauabschnitte des Wunders errichten, wenn die geforderten Ressourcen vorhanden sind. Bis zu vier Gebäude, die jeder Spieler pro Partie errichten darf, ermöglichen Sondereffekte oder zusätzliche Aktionen. Manche Gebäude ermöglichen sogar direkte Interaktion, zu der sonst nur die optionalen Anführer sorgen. Diese Gebäude befinden sich auf den Gebäudekarten, von denen zu Beginn jeder eine wählt und auf den Wundern selbst.

Wem es gelingt die Aktionen geschickt aufeinander folgen zu lassen, um die Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen, wird sein Wunder vor allen anderen vollenden und dadurch die Partie gewinnen. Enthalten sind zwanzig verschiedene Wunder und zwölf Gebäude-Karten mit jeweils vier Gebäuden, das sorgt mit den optionalen Anführern, für viel Varianz.

Eine Partie lässt sich selbst bei Vollbesetzung in unter 30 Minuten spielen, bei weniger Spielern ist eine Partie noch schneller vorüber. Für mich ist es derzeit das ideale Feierabend-Spiel, dem ich mich jeden Tag auf Neue gerne stelle. Zu zweit und zu viert funktioniert One Card Wonder wunderbar. Zu sechst fand ich es in einer Erstpartie für vier der Mitspieler ein bisschen zäh, aber da haben wir auch noch nicht alle Spielvarianten voll ausgekostet.

[kosmopoli:t]

(Julien Prothière und Florent Toscano, Huch! Spiele)

Die Veröffentlichung von [kosmopoli:t] hat lange auf sich warten lassen. Ich war schon irgendwie neugierig darauf, auch wenn es so manchen Aspekt mit sich bringt, der mich eher abschreckt. Man spielt unter Zeitdruck und es kommt zwingend eine App zum Einsatz. Schlimmer noch: Ein Spieler erhält von der App Anweisungen per Kopfhörer. Und zwar die Bestellungen der Gäste in dem Restaurant, welches die Spieler gemeinsam führen. Er darf sich die Bestellungen beliebig oft anhören und muss sie dann den anderen mitteilen.

Ein Oberkellner organisiert das Restaurant. Er notiert die geforderten Speisen und dient als Ansprechpartner für die restlichen Spieler, die Köche. Diese haben Zutatenstapel sowie Sprachkarten auf der Hand oder vor sich ausliegen und versuchen die bestellten Speisen korrekt abzuliefern. Verschiedene Schwierigkeitsstufen sind passend aufeinander aufgebaut und bieten immer neue Herausforderungen.

Wir hatten in einer Runde zu sechst richtig viel Spaß damit. Manche Gerichte klingen schon wahnsinnig absurd, umso schöner fühlt es sich an, wenn man die Aufgabe dennoch meistert. Und wenn es nicht gelingt, probiert man es immer und immer wieder, bis es geschafft ist. Beim nächsten Treffen in dieser Konstellation wird definitiv wieder “gekocht”. Und bis dahin kann ich mich dem informativen Begleitheft widmen, um mehr über die Länder, ihre Gerichte und deren Aussprache zu lernen.

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