Wo geht’s hier zum Ausgang? – No. 10

Ausgang Logo

Ausgang Logo / Foto: Brettspielpoesie

Ich habe auf diesem Blog nun schon einige Escape Room-Adaptionen für den Spieltisch vorgestellt, allen liegt die gleiche Idee zu Grunde: Das Erlebnis eines Escape Rooms mit all seinen Rätseln und Aufgaben, die gelöst werden müssen, um zu entkommen, einzufangen und in eine Box zu packen. 2016 fingen die ersten Verlage damit an, doch dieser Trend ist noch lange nicht vorüber. Immer wieder tauchen hier und da neue Anbieter auf und alle finden einen etwas anderen Weg der Umsetzung. Viele dieser Titel bleiben durch Erweiterungen dauerhaft am Markt. Für mich als Rezensent bleibt es schwer, darüber zu berichten. Solche Spiele sind für eine Gruppe nur ein einziges Mal spielbar, danach ist die Lösung schließlich bekannt, daher kann auch nur der grobe Spielablauf mit seinen Mechanismen beschrieben werden. Ich habe nun beschlossen keine einzelnen Rezensionen mehr zu den vielen Escape Room-Adaptionen und dessen Erweiterungen zu verfassen, sondern über mehrere gemeinsam berichten, wenn wieder ein paar durchgespielt wurden.

Escape Dysturbia – Pocket-Escape: Das Phantom im Park

Foto: Homunculus

Eigentlich war dieser kurze Fall als Leckerbissen zur Überbrückung der Zeit bis zum nächsten vollwertigen Fall in der Dysturbia-Welt angekündigt, letztendlich erschienen nun doch beide zeitgleich. „Pocket“ ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen, das kleine Heftchen passt sicher in jede Hosentasche, es ist perfekt für unterwegs. Allerdings spielt es sich selbst zu zweit schon schwierig, da bei der Größe eigentlich immer nur einer ins Heftchen schauen kann. An manchen Stellen hilft es allerdings ein wenig zu zweit zu arbeiten.

In diesem Fall versuchen lediglich zwei Mitarbeiter der Detektei Dyscover einem Erpresser die Tour zu verderben, um sich selbst zu schützen. Es existiert eine Rahmenhandlung, in welche die Rätsel gut eingearbeitet wurden, doch eine spannende Geschichte wird hier nicht wirklich erlebt, es handelt sich dann doch mehr um eine Rätselsammlung. Von den Rätseln haben uns die meisten gut gefallen, eines hat uns jedoch einfach nur genervt. Wir wissen leider auch bis heute nicht, wie das Rätsel hätte korrekt gelöst werden sollen. Zwar bietet das Heft mehrere Hilfen an, diese verhindern ein generelles Steckenbleiben, aber eine Gesamtauflösung haben wir nicht entdecken können. Normalerweise ist des Rätsels Lösung ein Code aus einem Buchstaben und einer Zahl, den die Ermittler auflösen müssen, um die Seitenzahl zu ermitteln, auf der es weiter geht. Um Spoiler zu minimieren, ist jede zweite Seite anders ausgerichtet. Da hat sich jemand bei der Planung Gedanken gemacht.

Wiederverwendet werden kann dieses Escape Room-Heft nicht, da das Rätselmaterial verbraucht wird. Als einziges Zusatzmaterial ist ein Stift erforderlich, ein weiterer Pluspunkt für den Rätselspaß unterwegs. Empfehlen würde ich zudem noch ein Lineal, wobei das auch durch andere Dinge mit geraden Kanten ersetzt werden kann. Ein kleiner Snack für zwischendurch trifft die Beschreibung dieses Escape Room-Spiels ziemlich gut.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Homunculus
Autor(en): Joseph Felix Ernst, Sebastian Frenzel, Laura Jacobi, Philip Krömer, Michael Meinke
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 2 Spieler
Dauer: ca. 45 Minuten

Vielen Dank an Homunculus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Escape Room – Das Spiel: Panic on the Titanic

Foto: Noris

Dieser Escape Room-Fall strotzt nur so vor bekannten Ideen. Angefangen beim Thema, dem Untergang der Titanic, zieht sich dies über sämtliche Rätselideen hinweg. Leider ist dabei kaum ein Rätsel wirklich originell, es erscheint eher so, als wäre dem Autor ein Buch mit Logikrätseln in die Hände gefallen, welches als Inspiration diente. Es wäre besonders für Einsteiger geeignet, wenn diese nicht Grundspiel mit Chrono Decoder benötigen würden und dadurch bereits einige Fälle zum Einstieg erhalten. In meinen Augen daher vielleicht ein angenehmer Zeitvertreib, als Escape Room-Erweiterung wüsste ich aber nicht, wem ich es empfehlen sollte. Obwohl doch, den Spielern, die einfach alles aus der Welt der Escape Room-Spiele haben wollen, so wie wir. Positiv im Kopf geblieben ist mir auf jeden Fall die Einbindung des Chrono Decoders, der auf eine völlig neue Art verwendet werden musste.

Wie auch schon beim letzten Szenario mit nur zwei Sternen stellt sich mir die Frage, wie denn ein Fall mit nur einem Stern aussehen sollte. Aber vielleicht ist das gar nicht geplant, weil das Risiko zu große wäre, dass nur ein Stern bei niemandem einen Kaufreiz auslöst.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Noris
Autor(en): Markus Müller
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Noris für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


EXIT Puzzle – Einhorn

Foto: Brettspielpoesie

Die Sternwarte war mein erstes und bisher einziges EXIT Puzzle von Ravensburger, es überzeugte mich nicht so ganz. Die Rätsel waren mir zu mathematisch, die Auflösung hätte in meinen Augen etwas mehr erzählerische Atmosphäre verdient und das Verhältnis von Puzzle zu Rätseln passte nicht so richtig zu meinem Geschmack, da ich lieber rätsele. Mittlerweile hat Ravensburger weitere solcher Puzzle im Programm und versieht jedes mit einem Level. Die Sternwarte hat zwei von fünf möglichen Punkten bekommen, da wollte ich doch noch ein weiteres mit höheren Level ausprobieren. Mehr als drei Punkte habe ich allerdings noch nicht entdecken können. Meine Wahl fiel aufgrund des Motivs auf das Einhorn, welches laut einer Werbeanzeige exklusiv in Rossmann-Filialen mit Spielwarenabteilung erhältlich ist. So kurz vor Weihnachten fand ich das passend, immerhin haben wir in meiner Familie viele Jahre zu diesem Fest immer Das letzte Einhorn gesehen.

Auch hierbei nimmt das puzzeln den größten Teil der Zeit ein, wir haben damit zu zweit einen ganzen Nachmittag verbracht. Diese Aufgabe fühlte sich tatsächlich schwieriger an. Nach unserer altbewährten Herangehensweise wollten wir mit dem Rand beginnen. Doch das stellte sich als besonders schwierig heraus, da die Formen dieser Puzzleteile nicht wirklich einzigartig sind. Wir gaben es dann auf und puzzelten weiter drauf los. Das Bild auf der Verpackung hilft dabei wieder nur bedingt, da das Puzzlebild in manchen Details davon abweicht. Doch diese Hürde beim puzzeln gefällt mir richtig gut. und mit dem Gesamtbild wurde uns dann auch nach und nach klar, welche Randteile nicht korrekt platziert wurden. Die Rätselaufgaben haben wir uns für den Folgetag aufgehoben.

Die Rätsel zu erkennen empfand ich leichter als bei der Sternwarte. Wieder waren viele mathematische Rätsel dabei, die zur Szenerie des Einhorns im Wald nun nicht so wirklich passen. Aber das sind sicher auch einfach leicht umzusetzende Rätsel, die ohne Rahmenhandlung schnell erkannt werden können. Bei den weiteren Rätseln waren wir uns oft nicht so richtig sicher, was nun erwartet wird. Produktionsbedingt wurde uns die Lösungsfindung etwas erschwert. Mehr kann ich dazu leider nicht schreiben, ohne zu spoilern. Es wurde dadurch nicht unmöglich, es war nur schwerer die eigene Lösung zu überprüfen, ohne die Hinweise zu verwenden. Beim letzten Rätsel haben wir in die richtige Richtung gedacht, doch auf die Lösung wären wir im Leben nicht gekommen. Wir ist auch jetzt noch nicht klar, auf welcher Grundlage dieser Lösungsweg erkannt werden soll. Immerhin gibt es eine umfangreiche Online-Hilfe, mit hilfreichen Tipps und den Lösungen. Zur Überprüfung des Endergebnisses liegt ein Umschlag mit der Lösung dem Puzzle bei, sodass dafür keine Internet-Verbindung benötigt wird.

Insgesamt fand ich das Erlebnis für einen Urlaubstag ganz entspannend. Doch auch dieses EXIT Puzzle löst in mir wenig Reiz nach weiteren aus, da gibt es doch einfach bessere Escape Room-Spiele auf dem Markt. Wer jedoch ein interessantes Puzzle sucht, der kann bedenkenlos zugreifen und bekommt einige Rätsel sozusagen on top. Ich lasse mich nun überraschen, welchen Weg Inka und Markus Brand beim Kosmos Verlag gehen, denn dort wurden für 2020 zwei EXIT Spiele + Puzzle angekündigt. Das sollen in erster Linie EXIT-Spiele sein, die jeweils vier Puzzle enthalten. Vielleicht passt dort das Verhältnis von Puzzle zu Rätselspiel mehr zu meinem Geschmack.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Ravensburger
Autor(en): Johannes Schiller
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 Spieler
Dauer: keine Angabe


Adventure Games – Die Vulkaninsel

Foto: Kosmos

Die ersten beiden Adventure Games dieser Serie wussten zu gefallen, sie hatten jedoch beide auch ihre Kritikpunkte. Die Geschichten blieben recht weit an der Oberfläche, es gab in meinen Augen sinnlose Bestrafungen und zu wenige falsche Fährten. Auch die Ankündigung mehrfache Durchläufe spielen zu können stellte sich als gewisser Trugschluss heraus. Natürlich hätte man beide erneut angehen können, aber zu wenig Varianz war enthalten, als das es mir sinnvoll erschien. Das sieht nun anders aus. Die Vulkaninsel unterteilt sich in vier, anstelle von drei, Kapiteln. In manchen Kapiteln gibt es eine Art von Zeit-Mechanismus, der den Spielfortschritt steuert. Es ist keine reale Zeit, die abläuft, es sorgt aber immerhin dafür, dass die Spieler sich nicht jede Ecke im Detail ansehen können. Doch nicht nur dadurch entsteht Wiederholungspotenzial, auch durch zu treffende Entscheidungen, welche die Orte und Personen mit denen die Spieler agieren können, beeinflussen. Natürlich bietet ein solches Spielkonzept weiterhin gewisse Grenzen und kann nicht vollständig individuell erlebt werden, doch gerade im letzen Kapitel können ganz unabhängige Wege eingeschlagen werden. Dies ermöglicht wirklich unterschiedliche Geschichten zu erleben.

Ein wenig gestört hat uns die Charakterwahl bei nur zwei Spielern, da jeder Charakter eine besondere Fähigkeit hat und an diversen Stellen entschieden werden muss, welcher Charakter die Interaktion ausführt. Da wir zu zweit nur zwei Charaktere zur Verfügung hatten, haben uns einfach die anderen beiden Fähigkeiten gefehlt. Uns war meist klar, welcher Charakter optimal geeignet wäre, doch stand uns dieser einfach nicht zur Verfügung.

Die Komos-Erklär-App unterstützt das Spielerlebnis wieder hervorragend, so muss niemand alle Texte vorlesen. Leider hatte die App in unseren Partien einige Aussetzer, in denen der Text nur vorgelesen, jedoch nicht angezeigt wurde. Wenn im Text auf die nächste Stelle verwiesen wird, ist das unglücklich, da sehe ich die folgende Zahl ganz gerne, um sie korrekt abzutippen. Auch konnten wir keine Historie entdecken, was es schwierig machte nachzuvollziehen, wie man an einen bestimmten Punkt gelangt ist. An einer Stelle gab es für uns keine Möglichkeit bei korrekter Einhaltung der Spielregeln weiter zu kommen. Der Verlag hat diesen Fehler mittlerweile offiziell kommentiert und ein Update der Mission mit zusätzlichen Anweisungen veröffentlicht. Bei Nutzung der App sollten die Fehler behoben sein, wenn die Erklär-App auf dem neuesten Stand ist.

Für uns war es dennoch das beste Adventure Games-Erlebnis bisher, es sind auch diverse Easter Eggs aus anderen Spielen oder witzige Anspielungen aus dem Bereich der Geek-Kultur enthalten, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich habe auch eine andere Beziehung zu den Charakteren aufgebaut, fühlte sehr viel stärker mit ihnen mit. Wir haben alle vier Kapitel am Stück gespielt, was ich so jedoch nicht empfehlen würde. Das letzte Kapitel hat sich dann nämlich etwas gezogen, aber nicht weil das Geschehen gelangweilt hätte, die Luft war einfach raus. Von einer längeren Pause zwischen den Kapiteln würde ich aber auch abraten, da schließlich eine zusammenhängende Geschichte behandelt wird. Am besten man plant ein Wochenende ein, sodass Samstag begonnen werden kann, um die Geschichte am Sonntag zu beenden.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Kosmos
Autor(en): Matthew Dunstan, Phil Walker-Harding
Erscheinungsjahr: 2019
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 4 x 75 Minuten

Vielen Dank an Kosmos für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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