Wo geht’s hier zum Ausgang!? – No. 15

Ausgang Logo
Ausgang Logo / Foto: Brettspielpoesie

Ich habe auf diesem Blog nun schon einige Escape Room-Adaptionen für den Spieltisch vorgestellt, allen liegt die gleiche Idee zu Grunde: Das Erlebnis eines Escape Rooms mit all seinen Rätseln und Aufgaben, die gelöst werden müssen, um zu entkommen, einzufangen und in eine Box zu packen. 2016 fingen die ersten Verlage damit an, doch dieser Trend ist noch lange nicht vorüber. Immer wieder tauchen hier und da neue Anbieter auf und alle finden einen etwas anderen Weg der Umsetzung. Viele dieser Titel bleiben durch Erweiterungen dauerhaft am Markt. Für mich als Rezensent bleibt es schwer, darüber zu berichten. Solche Spiele sind für eine Gruppe nur ein einziges Mal spielbar, danach ist die Lösung schließlich bekannt, daher kann auch nur der grobe Spielablauf mit seinen Mechanismen beschrieben werden. Ich habe nun beschlossen keine einzelnen Rezensionen mehr zu den vielen Escape Room-Adaptionen und dessen Erweiterungen zu verfassen, sondern über mehrere gemeinsam berichten, wenn wieder ein paar durchgespielt wurden.

Deckscape – Flucht aus Alcatraz

Cover / Abacus

Das neueste Deckscape führt die Spieler nach Alcatraz, die berühmt-berüchtigte Gefängnis-Insel, von der es kein Entkommen gibt. Oder etwa doch? Ihr erwacht in einer der Zellen, könnt euch jedoch an nichts erinnern. Nicht wie ihr hier her gekommen seid und vor allem nicht, warum ihr eingesperrt seid. Also sucht ihr nach einem Ausweg. Dabei stellt ihr schnell fest, dass ihr Verbündete braucht. Doch wer ist hier wer? Sind die Wärter wirklich diejenigen, welche sie vorgeben zus sein? In mittlerweile gewohnter Deckscape-Manier folgt hier Rätsel auf Rätsel, manche fix zu lösen, andere etwas kniffliger, jedoch alle lösbar. Es sind nicht die innovativsten Rätsel, aber auch nicht nur bereits bekannte. Zwischenzeitlich teilt sich der Kartenstapel in mehrere kleine Stapel, sodass Rätsel parallel gelöst werden können.

Die Antworten befinden sich wieder auf den Rückseiten der Karten, hat man sich auf eine Lösung geeinigt und diese ist falsch, muss ein Kreuz markiert werden. Bei mehreren Spielern kann man sich behelfen, indem nur einer die Karte umdreht und ggf. die anderen Spieler nur informiert, dass eine andere Lösung gefunden werden müsste. Doch auch wer Kreuze sammelt, hat noch Chancen auf eine gute Gesamtwertung. Erneut gibt es wieder Entscheidungen zu treffen, die im Idealfall dazu führen können, Kreuze wieder zu streichen. Als Zusatz zu den 64 großen Karten gibt es dieses Mal ein doppelseitig bedrucktes Blatt der Gefängniszeitung mit hilfreichen Informationen zu manchem Rätsel. Zudem können weitere Insassen befreit werden, um deren Unterstützung zu erhalten.

Deckscape Alcatraz Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Auch mit Deckscape – Flucht aus Alcatraz bleibt sich diese Serie treu: Ein leichter Escape Room-Happen für zwischendurch, nicht zu kniffelig, aber dennoch bereitet es fast eine Stunde lockeren Rätselspaß. Wer sich dessen bewusst ist und sich darauf einlässt, sollte nicht enttäuscht werden.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Abacusspiele
Autor(en): Martino Chiacchiera, Silvano Sorrentino
Erscheinungsjahr: 2020
Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


X-Scape – Das Atelier des Magiers

Cover / Foto: Brettspielpoesie

Viele etablierte Brettspielverlage haben mittlerweile ihre eigene Serie von Escape Room-Spielen. Umso erfrischender, wenn sich auch branchenfremde Personen an einem eigenen Escape Room-Spiel versuchen. Dies ist bei X-Scape – Das Atelier des Magiers der Fall. Aus dem Betrieb eines Grußkartenshops heraus ist die Idee entstanden ein eigenes Escape Room-Spiel zu verwirklichen. Enthalten sind hier vor allem viele Karten, in zwei verschiedenen Größen.

Jedes Rätsel führt zu einer Dreier-Kombination aus Zahlen und Farben, in beliebiger Kombination. Auf der Codetafel wird das entsprechende Quadrat ausgewählt, auf welches der Decoder mit der zur nächsten Zahl/Farbe passenden Farbe nach oben platziert wird, abgelesen wird eine Zahl dann im passenden, kleinen Quadrat. Diese Zahl verweist auf eine Karte. Wie auch schon bei den Exit-Spielen gibt es hier eine doppelte Kontrolle, da zunächst der Fundort angegeben werden muss und erst die weitere Karte angibt, ob das Rätsel gelöst wurde oder der Code falsch ist. Die Orts- und Rästel-Karten sind großformatig, sodass viel Platz für die verspielt illustrierte Einrichtung bleibt. Überall merkt man die Liebe zum Detail, mit der dieses Spiel erstellt wurde.

X-Scape Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Leider können die Rätsel nicht ganz mit der Optik mithalten. Es wurde eigentlich eine gute Mischung gefunden: Farben-, Zahlen-, Formenrätsel, von allem ist ein bisschen was dabei. Diese sind jedoch für erfahrene Escape Room-Spieler leicht zu lösen, auch wenn die Schachtel das Spiel für Fortgeschrittene empfiehlt. Wir waren zu zweit in unter 90 Minuten durch. Insgesamt fanden wir es zu einfach, es gab kaum überraschende Rätselumsetzungen, irgendwie gewohnte Rätselkost. Diese allerdings ohne grobe Schnitzer oder logischen Inkonsistenzen. Ich sehe Potential in dieser liebevoll aufgemachten Serie, wenn es den Autoren gelingt, einzigartigere Rätselideen zu entwickeln.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Eigenverlag
Autor(en):
Sophie Le Vinh, Lilian Le Vinh
Erscheinungsjahr:
2018
Spieleranzahl:
 1 – 5 Spieler
Dauer:
90 – 150 Minuten


Detective – Doppelter Boden (Signierte Serie)

Cover / Foto: Pegasus

Nach Los Angeles in den 80er Jahren, führt uns die erste Detective-Erweiterung der „signierten Serie“ in das Boston der 70er Jahre. In dieser Serie erscheinen einzelne Fälle von unterschiedlichen Autoren. Der erste Fall trägt den Titel Doppelter Boden, stammt aus der Feder von Rob Daviau. An der Seite der kleinen Schachtel wurde dieser mit ’01‘ markiert, da erwartet uns also wahrscheinlich noch mehr. Enthalten ist ein kleiner Spielplan aus Papier, dieser erfüllt seinen Zweck. Mit den Markern aus dem Grundspiel können die Spieler zwischen den vier angegeben Orte reisen. Am Ende des vierten Tages werden Antworten erwartet. Zudem gibt es 35 doppelseitige Hinweiskarten.

Spielerisch ändert sich nicht viel zum Grundspiel. Wie auch schon bei der Erweiterung L.A. Crimes passt sich die Antares-Datenbank der Zeit an, in der die Geschichte spielt. Es gibt kein Internet für die Recherche, stattdessen muss man den Bibliothekar losschicken analoge Informationen zu durchsuchen. Erst drei Stunden später stehen diese Informationen zur Verfügung. Als neues Feature können Personen befragt werden. Es wird nur eine begrenzte Anzahl an Fragen beantwortet, daher sollte gut überlegt werden, wonach gefragt wird. Ich finde dieses Element der Befragung total spannend, leider ist es technisch auch recht fehleranfällig. Da die Anzahl erlaubter Fragen begrenzt ist, sollten sich die Spieler hier keinen Fehler erlauben. Oft ist aber nicht direkt ersichtlich, wie detailliert die Frage gestellt sein sollte, um die Informationen zu erhalten, die erwartet werden. Jede Person kann nur ein einziges Mal befragt werden, also ist jede nutzlose Frage sehr ärgerlich, vor allem, wenn die Intention eine andere war.

Detective Doppelter Boden Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Vieles erschien uns bei diesem Fall offensichtlich: Wir konnten alle Fragen korrekt beantworten, waren uns sicher, was passiert sein muss. Bei den vorherigen Fällen hatten wir das Gefühl, dass die Gesamtgeschichte etwas verworrener und schwerer zu durchschauen war. Sowohl im Grundspiel als auch bei der Erweiterung haben die einzelnen Fälle zusammen gehangen, es gab immer wieder Querbezüge. Das ist hier eben nicht möglich, vielleicht liegt es daran. Falsche Fährten gab es tatsächlich einige, allerdings schienen uns diese zu abwegig, um ihnen zu folgen. Hätten wir das getan, wären sicherlich hilfreiche Spuren unentdeckt geblieben.

Ich war sehr froh, dass die deutsche Ausgabe zeitgleich mit anderen Ausgaben erschienen ist und wir nicht länger darauf warten mussten. Allerdings ist dies scheinbar auf Kosten der Qualität geschehen, es finden sich diverse Tippfehler auf den Karten. In der Antares Datenbank konnte eine Befragung nicht durchgeführt werden, dies wurde mittlerweile korrigiert. Auch den deutschen Titel finde ich nur bedingt gelungen. Der Originaltitel „Dig Deeper“ passt viel besser zum Geschehen als „Doppelter Boden“, wer den Fall durchgespielt hat, wird mir sicherlich zustimmen.

Wir haben trotz allem einen tollen Nachmittag damit verbracht, doch fühlt sich auch dieser Fall ein wenig nach leichter Kost für zwischendurch an. Positiv aufgefallen sind die beiden neue Elemente und es gab sogar eine kleine Überraschung. Ich finde die Idee weiterhin spannend, andere Autoren Geschichten in der signierten Serie ausdenken zu lassen, gerne dürfen diese auch etwas tiefer hinein gehen. Daher wünsche mich mir vor allem noch „echte“ Erweiterungen mit einer komplexen Geschichte, die über mehrere Partien erlebt werden kann.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Portal Games / Pegasus Spiele
Autor(en):
Rob Daviau
Erscheinungsjahr:
2020
Spieleranzahl:
1 – 5 Spieler
Dauer:
90 Minuten

Vielen Dank an Pegasus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

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