Wo geht’s hier zum Ausgang?! -Panini Escape Games

Wo geht’s hier zum Ausgang?! / Foto: Brettspielpoesie

Heute habe ich eine besondere Wo geht’s hier zum Ausgang?!-Ausgabe für euch, ich stelle euch die vier in diesem Frühjahr veröffentlichten Escape Games von Panini vor. Bei diesem, in erster Linie für Sticker und deren Alben, bekanntem Verlag, den ich bisher nicht besonders mit Brettspielen in Verbindung brachte, sind zeitgleich vier Escape Games erschienen, die zueinander nicht unterschiedlicher sein könnten. Nicht nur thematisch sind sie alle anders gelagert, sie funktionieren auch regeltechnisch ganz verschieden. Diese Unterschiede beginnen schon bei der Verpackung. Es wurden zwei spezielle Schachtelformate verwendet, die auf eigene Art und Weise in den Spielablauf eingebunden werden. Nicht einmal die Verlagsangaben sind einheitlich, auf manchen ist nur Panini zu lesen, mal mit, mal ohne Logo, auf anderen Panini Books und alles in unterschiedlichen Farben. Doch nun geht es darum was in den Schachteln steckt, was die Spiele bieten und wie mir das gefallen hat.


Der Schatz der Templer

Der Schatz der Templer Cover
Der Schatz der Templer – Cover / Foto: Brettspielpoesie

Dieses Escape Game besteht aus 90 Rätsel- und Hinweiskarten, sowie einem Notizbuch. Ein weiteres Heft enthält die Spielregeln, Hinweise und Lösungen. Außerdem befindet sich in der linken Deckelklappe eine Landkarte und rechts ein Lineal und ein Gradmesser zum Ausschneiden. Wer, wie wir, nichts ausschneiden möchte und meint ein handelsübliches Lineal zu verwenden, wird sich schon bald wundern. Denn das abgedruckte Lineal zeigt keine Millimeter, es kann dann nur “Pi mal Auge” abgemessen werden, was aber durchaus zum Ziel führt.

Der Schatz der Templer Spielmaterial
Der Schatz der Templer – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Übrigens: Von den 90 enthaltenen Karten steht auf der Hälfte exakt derselbe Text. Es gibt hier nichts zu sehen, gehen sie weiter, in etwa. Einerseits ist es natürlich korrekt, dass zu jeder Koordinate der Landkarte eine Karte existiert, ein wenig Abwechslung hätte es aber schon sein dürfen, wenn so viele “überflüssige” Karten eigens dafür gedruckt werden. In der Anleitung wird noch auf drei weitere Escape Games verwiesen, die thematisch zusammen hängen. Leider gibt es zwei davon noch gar nicht (auf deutsch?) und Das Bermudadreieck ist vermutlich als Verschollen im Bermuda-Dreieck erschienen…

Über die Orte gelangen die Spieler zu weiteren Karten und letztendlich zu einem Rätsel. Jedem Rätsel ist eine Seite im Notizbuch zugeordnet, die wertvolle Hinweise liefert. Eine Lösung besteht immer aus zwei Zahlen: Einer Entfernung und einem Winkel. Ausgehend vom derzeitigen Ort wird mit den korrekten Zahlen der folgende Ort erreicht. Dort erfahren die Spieler wie es weiter geht und gelangen zum folgenden Rätsel.

Die Rätsel selbst sind klassische und größtenteils vom Grundprinzip her bekannte Logik-Rätsel, bei denen immer relativ eindeutig ist welche Seite des Notizbuch gerade benötigt wird. Es haben sich leider kleinere Fehler eingeschlichen, die vielleicht auf die Übersetzung aus dem Französischen zurückzuführen sind. Die Rätsel sind grundsätzlich leicht zu lösen, nur bei einem gab es keinen eindeutigen Anhaltspunkt, in welcher Reihenfolge die Lösung zu erfolgen hat. Ich finde es immer ärgerlich, wenn mehrere Lösungen korrekt sein können und die eine Gesuchte durch Ausprobieren herausgefunden werden muss, da kein konkreter Hinweis dazu existiert. Helfende Hinweise und Lösungen finden sich im selben Heft, wie die Anleitung. Leider werden die Lösungswege meist nicht ausführlich beschrieben, was den Spielern nicht dabei hilft zu verstehen, wie man auf die Lösung hätte kommen sollen.

Die Spielerzahl ist mit bis zu 6 Spielern meines Erachtens zu hoch angesetzt, es gibt gar nicht so viel zur gleichen Zeit zu tun. Wie bei den meisten Escape Room-Spielen sind zwei Spieler in meinen Augen ideal. Trotz des einfachen Schwierigkeitsgrades würde ich selbst Einsteigern keine Empfehlung aussprechen. Dafür fühlt sich die Reise auf der Landkarte zu sehr nach einer Geometrie-Prüfung an, das macht mir überhaupt keinen Spaß. Zumal es sehr wiederholend ist, immer wieder neue Orte stumpf auf die gleiche (nervige) Art und Weise abzumessen. Die 90 Minuten Spielzeit ergeben sich auch nur daraus, dass viel Zeit für diese Bewegung von Ort zu Ort benötigt wird, die reine Rätselzeit ist viel geringer. Es gibt mittlerweile einfach einige bessere Escape Room-Spiele auf Einsteiger-Niveau, welche ich diesem hier immer vorziehen würde. Vor allem mit dem Ziel neue Spieler für dieses Genre wirklich zu begeistern.

Wertungsnote 3/6

Verlag: Panini
Autor(en): Nicolas Bonnefoy
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 90 Minuten


Verschollen im Bermuda-Dreieck

Verschollen im Bermuda-Dreieck Cover
Verschollen im Bermuda-Dreieck – Cover /
Foto: Brettspielpoesie

Es ist davon auszugehen, dass dieser Titel in der Anleitung von Der Schatz der Templer gemeint ist, es existieren inhaltliche Zusammenhänge. Diese sind aber nicht so relevant, dass die Spiele in bestimmter Reihenfolge zu spielen sind. Merkwürdigerweise haben wir es hier mit einer anderen Schachtel zu tun. Die finde ich eigentlich ganz cool designt, denn wird der Deckel abgezogen, lässt sich der Boden zu einem größeren Quadrat ausbreiten. Außerdem sind wieder etwa 100 Karten sowie ein kleines Heft mit Regeln, Hinweisen und Lösungen sowie einem etwas größerem Notizbuch enthalten.

Verschollen im Bermuda-Dreieck Spielmateriall
Verschollen im Bermuda-Dreieck Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Der Schachtelboden zeigt eine Insel auf der wir gestrandet sind, sie liegt größtenteils im dunklen Nebel. Zum Start gibt es erneut Karten, die zum ersten Rätsel führen. Für die Lösung hilft ein Blick in das Notizbuch. Die Rätsel lassen sich bei diesem Escape Game mit vierstelligen Zahlencodes lösen. Hierbei steht nicht auf allen falschen Karten derselbe Text, es wurde etwas kreativer angelegt. Sogar die eine oder andere popkulturelle Anspielung offenbart sich.

Auch hier halte ich die Angabe der Spielerzahl für unpassend, da es nicht viel zeitgleich zu tun gibt. Ich empfehle nur zwei Spieler. Im Gegensatz zu Der Schatz der Templer sind die Rätsel hier nicht ganz so einfach den Seiten im Notizbuch zuzuordnen, da werden die Spieler schon mehr gefordert. Doch sind die Rätsel auch hier nicht sonderlich kreativ. Das Entdecken der Insel ist interessant, es kommt wirklich ein wenig Escape Room-Feeling auf, bei dem Versuch von dieser Insel zu entkommen. Verschollen im Bermuda-Dreieck bringt Escape Room-Feeling mit, zeigt keine groben Schnitzer bei der Umsetzung ist aber auch nicht sonderlich anspruchsvoll. Von diesen vier Escape Games, gefällt es mir am besten.

Wertungsnote 4/6

Verlag: Panini
Autor(en): Nicolas Bonnefoy
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
Dauer: 60 Minuten


Baker Street – Das Vermächtnis von Sherlock Holmes

Baker Street Cover
Baker Street – Cover / Foto: Brettspielpoesie

Die größte Hoffnung hatte ich als Fan der Geschichten rund um Sherlock Holmes in Baker Street – Das Vermächtnis von Sherlock Holmes. Auch hier entfaltet sich der Schachtelboden zum Spielplan, dieser zeigt fünf Ablageflächen für Kartenstapel. In die Mitte kommen die 99 Hinweiskarten, in die Ecken jeweils eine der neun dem angegebenen Ort (Hyde Park, Kensington Gardens, Albert Hall, Crystal Palace) entsprechende Rätselkarte. Leider wellen sich die Ecken nach außen, sobald die fast hundert Hinweiskarten in der Mitte liegen.

Baker Street Spielaufbau
Baker Street – Das Vermächtnis von Sherlock Holmes – Spielaufbau / Foto: Brettspielpoesie

Es gibt also pro Partie nur ganze vier Rätsel zu lösen, die oft aus mehreren Karten bestehen. Das Ergebnis eines Rätsels ist immer eine Zahl zwischen 1 und 99. Dies entspricht einer Hinweiskarte, mit Angaben zu der gesuchten Person, die am Ende des Spiels mittels Deduktion benannt wird. Dafür liegt noch ein Poster mit 36 Verdächtigen bei. Diese Personen haben unterschiedliche Merkmale (Geschlecht, Alter, Laster, etc.). Mit allen vier Hinweisen durch Rätsellösungen lassen sich 35 Personen ausschließen, um die eine schuldige Person zu ermitteln. Die Rückseite zeigt eine Tabelle an der die Lösung überprüft werden kann. Es ist übrigens immer dieselbe Person, die je nach Rätselkombination von einem der Tatverdächtigen umgebracht wurde. Daher kann dieses Spiel auch nicht mit einer interessanten Geschichte auftrumpfen, ganz im Gegenteil. Selbst Sherlock Holmes kommt nur ganz an Rande vor, da die Spieler eben an seiner Stelle als Amateurdetektive agieren.

Baker Street Verdächtige
Baker Street Verdächtige / Foto: Brettspielpoesie

Leider sind die Rätsel so angelegt, dass eigentlich immer nur eine Person eine Rätselkarte ansehen und rätseln kann. Da verwundert die angegeben Spielerzahl schon etwas. Vor allem wurde redaktionell nicht aufgepasst, denn auf der Schachtel sind 2-6 Spieler angegeben, zu Beginn der Anleitung sogar 2-8 Spieler. Das könnte ich mir höchstens bei der Wettstreit-Variante vorstellen, wenn zwei Teams gegeneinander antreten. Dann kann bei vier Spielern pro Team jeder ein Rätsel in Angriff nehmen. Generell möchte ich solch ein Spiel aber nicht unbedingt im Wettstreit spielen. Lieber knobele ich gemeinsam mit meinen Mitspielern und möchte gerne auch alle Rätsel mitbekommen.

Nur vier Rätsel und eine Deduktionsaufgabe pro Partie ergeben in meinen Augen noch lange kein Escape Room-Spiel. Es ist auch nicht wie auf der Schachtel angegeben “spielbar (fast) bis zur Unendlichkeit”. Es sind neun Partien mit unterschiedlichen Rätseln möglich, danach sind die Rätsellösungen bekannt. Sie lassen sich zwar noch vielfach kombinieren, um andere Schuldige zu ermitteln, doch die reine Deduktionsaufgabe ist nun keine lohnenswerte Herausforderung. Zumal sie auch sehr subjektiv geprägt ist. Denn wer ist noch jung, wer schon alt und kann eine Person, die gerade Alkohol zu sich nimmt nicht dennoch auch Raucher sein oder umgekehrt? Von solchen Überlegungen sollte man sich fern halten, um den Schuldigen korrekt zu ermitteln.

Anders als bei den vorherigen Escape Games sind Hinweise und Lösungen der Rätsel hier nicht im Spiel enthalten. Sie sind lediglich online zu finden. Die Rätselqualität schwankt sehr, von offensichtlich bis fast schon etwas abgedreht. Baker Street steht zwischen den Stühlen, ist es nun Escape Room- oder Deduktionsspiel? Ganz egal zu welchem Schluss man kommt, leider kann Baker Street in keinem dieser beiden Genres überzeugen, da es für die jeweilige Aufgabe einfach bessere Genre-Vertreter gibt.

Wertungsnote 2/6

Verlag: Panini
Autor(en): Nicolas Lozzi, Serena Blasco
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2 – 6 (oder 8) Spieler
Dauer: ca. 60 Minuten


Asylum – Flucht aus der Anstalt

Asylum Cover
Asylum – Cover / Foto: Brettspielpoesie

Das letzte Spiel dieser Reihe ist noch weniger ein Escape Room-Spiel als Baker Street. Es ist dem Spiel vielleicht noch zu Gute zu halten, dass es lediglich auf der Panini-Webseite unter Escape Game aufgeführt ist, der Text auf der Schachtel selbst lautet “Ein rasantes Suchspiel”. Thematisch befinden wir uns (mal wieder…) in einer Nervenheilanstalt und wollen von dort entkommen, eine ganz klassische Escape Room-Ausgangssituation. Vom dritten Stock aus liegt dafür jedoch ein weiter Weg vor uns.

Asylum - Spielsituation
Asylum – Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Zunächst müssen wir die drei Stockwerke mit gewähltem Schwierigkeitsgrad auslegen. Jede dieser Karten zeigt ein Raster aus Zahlen, Symbolen oder Buchstaben und auf der Rückseite mehrere Kombinationen davon. Um nun von einem Raum in einen anderen zu gelangen, müssen Codes einer anliegenden Kante auf der Vorderseite der aktuellen Karte gefunden werden. Zu diesem Zweck gibt es zehn Medikamentenkarten mit kleinen Sichtfenstern, von der genau eine auf dem Raster korrekt ausgerichtet werden muss, um die folgende Karte aufdecken zu dürfen und von vorne zu beginnen. Im Hinweis- und Lösungsheft ist lediglich angegeben, welche Karte zu verwenden ist, es gibt jedoch keine Angabe zur Ausrichtung.

Asylum Medikamente und Symbolsuche
Asylum – Medikamente und Symbolsuche: 8070 / Foto: Brettspielpoesie

Es werden in diesem Spiel also stumpf Muster auf Karten gesucht und das Raum für Raum, Etage für Etage bis zum Ausgang. Eine sehr monotone Aufgabe. Das haben wir frühzeitig abgebrochen, weil uns diese Aufgabe nervte. Dieses Spiel hat rein gar nichts mit einem Escape Room-Spiel zu tun, maximal noch die thematische Einbettung. Da wir etwas völlig anderes erwartet haben, fiel es uns anfangs auch schwer zu begreifen, was das Spiel von uns möchte und wie es funktioniert. Vermutlich weil wir noch mehr erwartet hatten, was da eigentlich kommen müsste.

Die Spielerzahl lautet 1-4 Spieler, immerhin nicht sechs, doch kann eigentlich immer nur einer die Symbolsuche durchführen, dabei kann maximal ein weiterer Spieler über die Schulter schauen. Auch hier wir damit beworben, dass dieses Spiel mehrfach spielbar ist. Alleine durch die drei Schwierigkeitsgrade ist dies gegeben und da die Karten immer zufällig aneinander gereiht werden, gibt es auch andere Muster zu finden. Aber dafür müsste man überhaupt Spaß an der Aufgabe finden. Es gäbe dann sogar noch die Möglichkeit kompetitiv mit einem Wärter zu spielen, der die anderen Spieler bei ihrer Symbolsuche sabotieren kann. Ich kann mir allerdings keine Konstellation vorstellen, in der ich an dieser kompetitiven Variante Spaß hätte.

Asylum Spielmaterial
Asylum – Spielmaterial / Foto: Brettspielpoesie

Für mich ist dieses Spiel leider komplett durchgefallen. Dabei habe ich schon beim ersten Aufklappen auf die vielen Details auf den Schachtelklappen geachtet und mir vorgestellt, was wir davon alles noch gebrauchen könnten…

Wertungsnote 1/6

Verlag: Panini
Autor(en): Virgile Iscan
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
Dauer: 60 Minuten


Vielen Dank an Panini für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

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