Zwischen zwei Schlössern

Zwischen zwei Schlössern

Cover / Foto: Feuerlandspiele

Die Schlösser des König Ludwig ist ein Spiel ganz nach meinem Geschmack, auch wenn die Plättchen noch ein wenig nach Prototypenstatus aussehen, das haben die Polen besser hinbekommen. Ich mag dafür die Form der Plätten und die verwinkelten Schlösser, die daraus entstehen können. Andere wünschten sich schon damals lieber quadratische Plättchen, um den „inneren Monk“ zufrieden zu stellen. Und genau solche gibt es nun, doch bauen die Spieler nicht mehr alleine vor sich hin. Nach dem Vorbild von Between Two Cities, welches ich leider nie gespielt habe, errichtet jeder Spieler zwei Schlösser, eines mit seinem rechten und eines mit seinem linken Nachbarn. Dabei lohnt sich gleichmäßiges Bauen, denn es zählt am Ende nur der niedrigste Wert seiner beiden Bauwerke.

Spielmaterial:

Selten sieht es in einer Spieleschachtel so aufgeräumt aus. Für die 147 Raumplättchen, die Thronsaalplättchen und die sieben Schlossfiguren gibt es einen übersichtlichen Sortierkasten, für die 48 Sonderraumplättchen, die Bonuskarten und die kleinen Plättchen mit den königlichen Bediensteten einen weiteren. Für den Spielaufbau werden dann einfach nur die beiden Kästen mittig platziert und jeder Spieler erhält noch eine Übersichtskarte. Lediglich die Abbildungen in der Anleitung haben uns etwas irritiert, da die dort abgebildeten Sortierkästen etwas anders aufgebaut sind.

Spielmechanismus:

Die Plättchenauswahl erfolgt mittels Drafting, zu Beginn einer Runde zieht jeder Spieler dafür neun Plättchen. Dann wählt er zwei aus, eines für das linke, eines für das rechte Schloss. Die Auswahl der Plättchen erfolgt ohne sich abzustimmen, in der darauf folgenden Bauphase dürfen die Spieler gemeinsam planen und ihre Plättchen platzieren. Die Plättchen bringen bei Spielende meist Punkte gemäß anderer Plättchen im Schloss ein. Einen Bonus erhält man für den dritten bzw. fünften Raum einer Sorte, bei drei Räumen einen spezifischen anhand der Raumart und für den fünften Raum ein beliebiges Sonderplättchen. Davon gibt es Brunnen, Türme und Foyers, die nach bestimmten Regeln zusätzliche Punkte einbringen.

Zwischen zwei Schlössern Spielsituation

Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Gedraftet wird eine Runde lang nach links und eine nach rechts. Das letzte Plättchen einer Runde wird abgelegt, sodass am Ende alle Schlösser aus mindestens 16 Raumplättchen bestehen, zuzüglich ggf. erhaltener Sonderplättchen.

Spielende:

Nach der zweiten Runde endet die Partie mit der großen Endwertung, bei dem für jedes Schloss alle Spielelemente überprüft und die Punkte notiert werden. Für jeden Spieler zählt nur der niedrigere Wert seiner beiden Schlösser als Punktzahl, der Spieler mit der höchsten Punktzahl gewinnt die Partie.

Spieleranzahl:

Es existiert eine Regelanpassung für zwei Spieler, bei der ein dritter Spieler von beiden Kontrahenten simuliert wird, doch das haben wir gar nicht erst ausprobiert. Mindestens drei, besser noch vier oder mehr, Spieler sollten es für eine Partie sein. Bei ungeraden Spielerzahlen entstehen minimale Downtimes, da sich immer genau zwei Spieler abstimmen können und einer außen vor bleibt, aber das geht in der Regel sehr fix und fällt daher nicht weiter negativ auf. Umso mehr Spieler dabei sind, desto mehr Raumkarten kommen ins Spiel, aber desto schlechter kann man die Schlösser der Mitspieler überblicken, geschweige denn Einfluss darauf nehmen.

Glücksfaktor?

Laut der Homepage des Verlages steht „das ‚Blue Label‘ (…) für Spiele (…), die etwas weniger Denkarbeit benötigen und dafür mehr Glückselemente enthalten.“ Und genau dies ist hier der Fall. Welche Plättchen überhaupt ins Spiel gelangen ist zufällig. Durch das Drafting können die Spieler ein wenig Einfluss nehmen, doch ein Plättchen nur zu wählen, um es einem anderen vorzuenthalten, erscheint meist wenig sinnvoll. Natürlich sollte man dies bei mehreren sinnvollen Optionen in Betracht ziehen. Mehr als die Schlösser der Spieler rechts und links von einem kann man allerdings nur schwer überblicken und in seine Überlegungen einbeziehen, dafür sind die Wertungsbedingungen zu klein abgebildet.

Fazit:

Spiele mit hohem Glücksanteil mag ich eigentlich weniger, doch hier finde ich das gesamte Spielkonzept einfach spannend und in diesem Zuge auch den Glücksanteil. Ich mochte schon Die Schlösser des König Ludwig für seine Boni für die unterschiedlichen Raumarten, dieses Konzept wird hier gut aufgegriffen und macht Kennern des Vorgängers den Einstieg sehr leicht. Für Neueinsteiger in diese Welt kann es anfangs verwirrend sein, die sehr kleinen Symbole auf den Plättchen helfen da nur bedingt. Die sind eigentlich auch der größte Kritikpunkt, ich selbst hatte weniger ein Problem damit, bekam aber solche Rückmeldungen aus meinen Spielgruppen, dass die Details auf den Plättchen größtenteils nur schwer zu erkennen sind. Das gilt für die spielrelevanten Icons, genau wir für die Grafikdetails, die nun vermutlich einigen entgehen werden. Dort trifft man beim genauen Hinsehen nämlich auf den einen oder anderen Bekannten oder entdeckt kleine Easter Eggs ;-)

Zwischen zwei Schlössern Plättchen

Plättchen / Foto: Brettspielpoesie

Dieses Spiel erzeugt eine sehr harmonische Stimmung am Spieltisch, alle sind nahezu jederzeit eingebunden, da sie gleichzeitig spielen. Dabei entstehen die vielen Schlösser, die man sich hinterher gerne anschaut, bei allen bleibt ein wohliges Gefühl. Und keines gleicht einem anderen. Dafür sorgen schon alleine die 147 individuellen und dabei so liebevoll gestalteten Raumplättchen. Abgerechnet wird trotzdem und ein einzelner Sieger bestimmt.

Das Glück kann zu sehr lukrativen Plättchenkombinationen führen, doch wird dies dadurch ausgeglichen, dass es nicht alleine genügt ein perfektes Schloss zu erreichten, sondern nur das weniger wertvolle zählt, man sollte also keines von beiden stiefmütterlich behandeln. Es ist ein kompetitives Spiel, dass sich in den meisten Phasen sehr kooperativ anfühlt. In meinen Augen ist die Kombination dieser beiden Spiele optimal gelungen, ich spiele immer wieder gerne eine Partie. Es ist vor allem mal eine andere Art von Spiel, die in einer großen Gruppe mit bis zu sieben Spielern gespielt werden kann, es hat einen gewissen Anspruch und zählt nicht zur Kategorie Party-Spiele. Dabei skaliert es wunderbar, durch das gleichzeitige Spielen steigt die Dauer nicht mit der Spielerzahl. Höchstens die Abrechnung dauert dann länger, wenn man wie bei uns gemeinsam Schloss für Schloss begutachtet, was zusätzlich die Spannung hebt.

Wertungsnote 5/6

Verlag: Feuerlandspiele
Autor(en): Matthew O’Malley, Ben Rosset
Erscheinungsjahr: 2018
Spieleranzahl: 2 – 7 Spieler
Dauer: 45 – 60 Minuten

Vielen Dank an Feuerlandspiele für die Bereitstellung eines vergünstigten Rezensionsexemplares!

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