Spiel des Jahres 2019 – Prognose

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Es ist wieder so weit, kommenden Montag werden die nominierten Spiele der SdJ-Jury in den drei Kategorien Spiel, Kinderspiel und Kennerspiel des Jahres bekannt gegeben. In den letzten Jahren hatte ich einen ziemlich guten Riecher dabei, dieses Jahr bin ich mir absolut unsicher. Und auch wenn ich in den vergangenen beiden Jahren bereits geschrieben habe, es wäre schwierig gewesen, war das alles nichts gegen dieses Jahr. Dennoch werde ich nun ein paar Titel nennen und begründen, warum ich mir diese Titel als Nominierte vorstellen könnte. Wer das ganze lieber auf der Tonspur hören möchte, kann sich einfach die aktuelle Bretterwisser-Folge anhören und bekommt direkt noch weitere Meinungen dazu.

Kinderspiel des Jahres

Beim Kinderspiel des Jahres muss ich mal wieder passen, da fehlt mir einfach der Einblick. Wie ich jedoch mitbekommen habe, funktioniert Concept Kids ganz hervorragend, vielleicht reicht es ja sogar für eine Nominierung.

Kennerspiel des Jahres

Bei der Prognose der Nominierten zum Kennerspiel des Jahres kann ich schon viel mehr beitragen. Für mich persönlich das Highlight dieses Spielejahrgangs ist Detective (Ignacy Trzewiczek- Portal Games). Und ich denke auch, dass es ein Kandidat für das Kennerspiel sein könnte. Empfohlen wird die fünf enthaltenen Fälle in möglichst kurzen Abständen zu spielen, was auch für einen Kennerspieler sportlich sein kann. Ich sehe dabei aber kaum einen Unterschied zu T.I.M.E Stories oder Pandemic Legacy, die zumindest ich mit meinen Gruppen auch komplett hintereinander weg gespielt habe und dabei gar keine großen Pausen entstehen lassen möchte.

Ein Spiel, welches in meiner Wahrnehmung leider ein wenig unter dem Radar gelaufen ist, doch in meinen Augen durchaus Potenzial zum Kennerspiel des Jahres besitzt, ist Das Tiefe Land (Claudia & Ralph Patenheimer – Feuerlandspiele). Und das habe ich nicht nur gewählt, weil es viele Schafe enthält, es funktioniert auch spielerisch einfach gut. Das semi-kooperative Element des Deichbaus hebt es auch ein wenig von anderen Spielen ab und repräsentiert die dichte, thematische Einbindung gut.

Wenn ich mir dann so überlege, welche Spiele ich im aktuellen Jahrgang aus dieser Kategorie noch besonders gerne gespielt habe, dann muss ich Carpe Diem (Stefan Feld – alea/Ravensburger) nennen. Was die Jury hiervon abhalten könnte, wären die grafischen Mängel der Erstausgabe. Und damit meine ich nicht, dass die Optik nicht die Modernste ist, sondern die in der Rezension erwähnten Probleme, die mit der zweiten Auflage nun auch behoben wurde. Ob das der Jury für eine Nominierung reicht? Ich kann es schwer einschätzen, im letzten Jahr meinte die Jury einige Spiele wären heraus geflogen, weil die Anleitung in der ersten Fassung grottenschlecht war. Ich weiß nicht, wie sie diese Situation einschätzen. Vom Spielprinzip her, ist Carpe Diem in meinen Augen ein hervorragendes Kennerspiel, mit viel Varianz.

Detective, Das tiefe Land und Carpe Diem sind also meine Tipps, auf die ich mich festgelegt habe. Lange war bei mir auch NEOM (Paul Sottosanti – Lookout Spiele) )gedanklich dabei, zum Kennerspiel des Jahres nominiert zu werden. Ich mag das Spiel sehr gerne, ich fürchte aber dass die Ähnlichkeit zu 7 Wonders es nicht nominierungsfähig macht. Es wurde doch recht offensichtlich bei dem Kennerspiel des Jahres 2011 abgekupfert, bietet in meinen Augen mit dem Städtebau aber auch genug eigene Würze.

Auch die beiden Spiele von Benjamin Schwer aus diesem Jahrgang wären in meinen Augen gute Kennerspiele. Im Herbst ist Crown of Emara (Benjamin Schwer – Pegasus Spiele) erschienen, welches mit seinen zwei Spielplänen heraus sticht, auf denen sich die Spieler mit ihren Figuren bewegen können, um in Kombination mit ihren Karten Aktionen auszulösen. Noch ein wenig besser gefällt mir Hadara (Benjamin Schwer – Hans im Glück Verlag), welches thematisch allerdings ebenso schwach auf der Brust ist. Wie ein Zivilisationsspiel fühlt es sich nicht an, doch die Aufteilung der drei Runden in die zwei Phasen und die Art, wie Karten aufgenommen werden können, machen es zu einem interessanten Spiel. Auch wenn die Karten mit Ausnahme einer Kartensorte eigentlich gar nicht so viel Varianz bieten, spielen wir es immer wieder gerne, eine Partie ist mit geübten Spielern auch fix gespielt.

Zu guter Letzt möchte ich noch das zwei Spiele nennen, die ich persönlich nicht nominieren würde, mir aber vorstellen könnte, dass die Jury das anders sieht. Letztes Jahr hätten die Quacksalber bei mir auch keine Chance gehabt. Vom gleichen Autor sind nun Die Tavernen im tiefen Thal (Wolfgang Warsch – Schmidt Spiele) erschienen. Mir persönlich gefällt diese Kombination aus Deckbuilding und Dice Drafting besser als die Quacksalber, aber eben nicht so gut wie die drei ausgewählten Spiele. Gleiches gilt für das Frauenpower-Spiel Flügelschlag (Elizabeth Hargrave – Feuerlandspiele), dem Engine Builder für Einsteiger mit ungewöhnlichen Vogel-Thema und optisch ansprechendem Spielmaterial.

Spiel des Jahres

Für das Spiel des Jahres muss einfach das Spiel genannt werden, welches in diesem Jahrgang in meinem Bekanntenkreis immer und überall einfach jeden begeistert hat: Just One (Ludovic Roudy, Bruno Sautter – Repos Production). Ein Wortspiel mit überschaubaren Regeln, welches großen Spielspaß erzeugt. Reihum wechselt dabei der ratende Spieler, alle anderen schreiben exakt einen Begriff auf, um auf den gesuchten Begriff zu deuten. Bevor der Ratende die Begriffe zu sehen bekommt, werden jedoch Doppelte entfernt. Das macht den Reiz aus, denn es führt oft dazu, dass die nahe liegenden Worte nicht genannt werden, was wiederum das Raten erschwert. Und umso cooler wird, wenn der Begriff trotz eingeschränkter Hinweise dennoch erraten werden kann. Also vom Spielablauf und der erzeugten Emotionen ganz klar ein SdJ-Kandidat. Doch leider hat es auch Schwächen. Die Begriffe sind nicht konsistent, die meisten sind Nomen, es haben sich aber auch einige wenige Namen und Verben eingeschlichen, die nicht so richtig ins Schema passen und das Raten unnötig erschweren. Zudem sind die Karten viel zu dünn, bei ungünstiger Beleuchtung scheinen die obersten Begriffe einfach durch. Und für die Häufigkeit in der dieses Spiel sicherlich nicht nur bei uns auf den Tisch kam, sind zu wenige Begriffskarten enthalten. Ich hoffe es hat trotz der kleinen Schwächen Chancen zum Spiel des Jahres gekürt zu werden.

Der zweite Titel, den ich mir als Nominierten zum Spiel des Jahres vorstellen könnte, ist Belratti (Michael Loth – Mogel Verlag, nun: Repos Production). Dies ist ein Assoziationsspiel, bei dem die Spieler abwechselnd in die Rollen Maler und Museumsdirektor schlüpfen, also Bilder auswählen oder bestimmen wie viele Bilder gefordert werden und Bilder zuordnen. Zwei Bildkarten geben pro Runde die Themengebiete vor, doch bevor die Bilder gesichtet werden, mogelt der Meisterfälscher Belratti vier hinzu. Und das bietet viel Diskussionsspielraum. Undist gar nicht mal so einfach, Belratti hat nicht selten ein gutes Händchen. In Bezug auf dieses Spiel sehe ich Schwierigkeiten für die Nominierung, da der Mogel Verlag nun mit Repos Production zusammen arbeitet, um das Spiel weltweit vertreiben zu können. Doch gerade wurde eine dritte, unveränderte Auflage angekündigt, wodurch einer Nominierung nichts mehr im Weg stehen sollte. Aber Moment mal, das wären dann zwei Nominierte aus einem Verlag. Und das ging die letzten Male auch schon immer schief…

Als dritten Titel hatte ich mich ursprünglich auf Zwischen zwei Schlössern (Ludovic Roudy, Bruno Sautter – Feuerlandspiele) festgelegt, auch wenn ich mittlerweile überzeugt wurde, dass es wohl keine Chancen haben wird. Zumindest nicht beim Spiel des Jahres. Ich hatte das Gefühl, dass der Einstieg echt gut gelingt, weil sich neue Spieler bei uns schnell zurecht gefunden haben. Immerhin bauten sie meist mit zwei erfahrenen Spielern gemeinsam, die unterstützend zur Seite stehen konnten. Wenn ich mir jedoch versuche vorzustellen, wie eine weniger spielerfahrene Familie das Spiel alleine erlernen muss, dann sind es doch viele Detailregeln, die es zu beachten gibt.

Das sind also meine drei Tipps für die Nominierungen zum Spiel des Jahres. Wie bereits erwähnt, fällt mir die Prognose dieses Jahr wirklich schwer. Auch für Werwörter (Ted Alspach – Ravensburger) sähe ich grundsätzlich gute Chancen nominiert zu werden. Die Werwolfspiele sind sehr bekannt, haben viele Fans, aber auch einige Verweigerer, so wie mich. Werwörter schafft es das Werwolf-Prinzip zu nehmen und mit einem Wortratespiel zu kombinieren, das erstaunlich gut funktioniert und Spaß bereitet. Auch ohne die Werwölfe zu mögen. Der Einstieg ist ganz leicht, erst recht wenn die Werwolfspiele grundsätzlich bekannt sind. Ich denke allerdings nicht, dass es neben Just One nominiert wird, da sich beide Spiele von der Ausrichtung her dann doch zu sehr ähneln und da sehe ich persönlich meinen Favoriten noch etwas weiter vorne.

Ein weiterer Titel, den ich gerne ins Rennen geschickt hätte, ist Hexenhaus (Phil Walker-Harding – Lookout Spiele). Das Spiel bietet eigentlich alles, was ein gutes Familienspiel ausmacht: Ein familientaugliches Thema (Märchen), tolles Material welches aufeinander gestapelt wird, wodurch eine auffordernde 3D-Auslage bei jedem Spieler entsteht und recht überschaubare Regeln. Im Dezember wurde es bei uns rauf und runter gespielt, doch in diesem Jahr kam es noch nicht wieder auf den Tisch. Das mag daran liegen, dass ich das Spiel thematisch komplett bei Weihnachten sehe, auch wenn das Knusperhäuschen aus Hänsel & Gretel erst einmal nichts mit Weihnachten zu tun hat. Aber die Häuser entstehen nun mal aus Lebkuchen und auch Märchen im Allgemeinen gehören für mich einfach unweigerlich zu Weihnachten und der kalten Jahreszeit, in der man sich gerne mal abends aufs Sofa kuschelt und sich Zeit für solche Filme oder Geschichten nimmt.

Dann ist natürlich noch ein Spiel zu nennen, welches sicherlich einige auf dem Zettel haben: L.A.M.A. (Reiner Knizia – Amigo Spiele). Es ist wahrlich kein schlechtes Spiel, ganz im Gegenteil hat es sich bei uns als allseits beliebter Absacker etabliert, aber es fühlt sich in meinen Augen für ein Spiel des Jahres dann doch zu banal an. Sicherlich wird sich ein breites Publikum der Wenigspieler daran erfreuen können und ich gönne dem Spiel auch eine Erwähnung auf der Empfehlungsliste, aber als Spiel des Jahres würde ich es begrüßen, wenn dem Publikum gezeigt wird, was Brettspiele neben altbekannten Spielprinzipien heutzutage noch so alles können.

Daneben gibt es noch einige solide Spiele, die nicht wirklich herausragen, die vielleicht auch als Kandidaten in Frage kämen, wie z.B. Honga (Günther Burkhardt – HABA), The River (Sébastien Pauchon, Ismaël Perrin – Days of Wonder) oder Sagrada (Adrian Adamescu, Daryl Andrews – Pegasus Spiele). Auch Sherlock (Francisco Gallego Arredondo, Martí Lucas Feliu, Josep Izquierdo Sánchez – Abacusspiele) würde ich eine Nominierung gönnen, obwohl ich die Wertung kritisiere. Aber es ist super zugänglich und ist einfach mal eine andere Art von Spiel. Möglicherweise wird auch Downforce zu mittlerweile dritten Mal nominiert, ausreichend verändert haben soll es sich und in der aktuellen Version ist es durchaus empfehlenswert. Auch nicht unter den Tisch fallen lassen möchte ich die Geschicklichkeitsspiele Men at Work (Rita Modl – Pretzel Games) und Meeple Circus. (Cédric Millet – Pegasus Spiele) Letzteres war lange Zeit ein gesetzter Kandidat für die Nominierung für mich, da es total auffordernd ist und das Thema gut zieht, letztlich fand ich die oben genannten Titel dann aber doch noch einen Tick passender.

Ich bin jetzt jedenfalls sehr gespannt, über welche Spiele wir am Montag diskutieren werden ;-) Gleichzeitig bin ich froh, dieses Jahr nicht in der Haut eines SdJ-Mitglieds zu stecken, da es in meinen Augen nur wenige, wirklich herausragende Spiele gibt. Und die meisten davon schon so ihre Ecken und Kanten haben. Bald wissen wir mehr…Gerne dürft ihr mir eure Tipps verraten, vielleicht habe ich ja irgendwas völlig übersehen.

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