Unter Schafen 10/22

Wie jedes Jahr stand der Oktober ganz im Zeichen der SPIEL. Dort haben ich abermals eine wunderbare Zeit verbracht. Ich habe interessante Gespräche geführt, tolle Spiele entdeckt und auch einige davon mit nach Hause genommen. Jetzt könnte man denken, entsprechend wurde auch sehr viel gespielt. Doch was vor dem Spielen kommt, ist das Auspöppeln und das muss ja zelebriert werden. Fotostrecken vom Auspöppeln der umfangreicheren Spiele kann man auf meinem Instagram-Kanal anschauen. Darauf folgt das Regellesen und dann erst kommt man in den Genuss der neuen Spielerlebnisse. Doch leider hatte ich dieses Jahr keinen Urlaubdirekt im Anschluss an die SPIEL. Natürlich wurden dennoch diverse Neuerscheinungen auch schon gespielt, aber tatsächlich noch nicht alle. Es war aus Sicht gespielter Spiele und Partien trotzdem wieder ein guter Monat.

Mäh! - News und Aktuelles

SPIEL

Die SPIEL, die sonst immer das Ende der Sommerzeit einläutete, hat sich, den Herbstferien in NRW folgend, mittlerweile zu Beginn des Monats etabliert. Ich habe euch vom Vortag der SPIEL’22 berichtet und von der gesamten SPIEL’22. Auch die kommende SPIEL’23 wird wieder zu dieser Zeit stattfinden, nämlich vom 06.-09. Oktober 2023. Ich freue mich jedenfalls schon jetzt darauf, wieder die heiligen Hallen zu betreten und mehr als vier Tage nur unter Gleichgesinnten zu verbringen. Aber jetzt freue ich mich darauf die ganzen Spiele kennen und hoffentlich lieben zu lernen, die uns mit nach Hause begleitet haben.

Spiel mit den Löwen 2022

Nach der SPIEL ist vor Spiel mit den Löwen. Am vergangenen Woche lud der Verein Norddeutsche Spielkultur e.V., wie jedes Jahr zu dieser Zeit, in die Neustadtmühle Braunschweig zu einem Spieletag ein. Leider gelang es uns dieses Jahr nicht, auch nur irgendeinen Mitspieler aus unserem Freundeskreis zu dieser Veranstaltung zu locken. Dennoch nutzen wir die Gelegenheit dort zu zweit vorbeizuschauen und das eine oder andere Spiel kennenzulernen, welches wir uns bislang nicht zugelegt haben.

Spiel mit den Löwen'22
Spiel mit den Löwen’22 / Foto: Brettspielpoesie

Nach einem kurzen Gespräch mit Stefan Risthaus half Micha kurz als Speieleerklärer aus, während ich die Anleitung zu Die Insel der Katzen – Explore & Draw studierte. Die darauffolgende Partie verdeutlichte uns, dass wir diese Flip and Write-Variante zum Spiel Die Insel der Katzen nicht benötigen. Es fühlte sich für uns dann doch zu ähnlich an, es gibt bei Spielende Punkte für exakt dieselben Dinge. Nur der Zugriff auf die Karten ist ein anderer. Aber auch nicht so bahnbrechend anders, dass sich diese Variante dadurch besonders auszeichnen würde. Es gelingt dadurch lediglich, dass alle parallel spielen können, Interaktion sucht man vergeblich. Außerdem fällt es mir persönlich viel schwerer die auf den Karten abgebildeten Puzzleteile im Kopf zu drehen, da spiele ich lieber mit echten Puzzleteilen.

Insel der Katzen - Explore & Draw_Spielsituation
Insel der Katzen – Explore & Draw -Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Es folgte eine Partie Joomo, was leider zu zweit gar nicht überzeugen konnte. Dieses Spiel des neuen Verlag Ten Traders, der sich, wie der Name bereits verrät, aus zehn Brettspielhändlern gründete, ist im Kern ein Stichspiel. Man bekommt den Stich, wenn man die letzte Karte legen konnte und alle anderen aussteigen. Was man immer dann tun muss, wenn man keine Zahlenkarte mehr passend in die ausliegende Zahlenreihe spielen kann. Die Karten sind nämlich durchnummeriert, wobei manche Nummern Sonderfähigkeiten haben. Ich erkenne Potential für größere Spielerrunden und gebe Joomo gerne in anderer Konstellation noch eine Chance, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Denn an sich fand ich die Aufgabe schon reizvoll, durch auszuspielende Karten den Zahlenraum und damit die Optionen für nachfolgende Spieler zu begrenzen.

Joomo Spielsituation
Joomo Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie.de

Auch bei Raccoon Robbers kamen wir zu der Einschätzung, dass zwei Spieler nicht die beste Spielerzahl ist. Das beginnt bereits damit, dass nur zwei der drei enthaltenen Hauswände zum Einsatz kommen, welche die Spieler mit ihren Wachbären durch das Ausspielen passender Farbkarten erklimmen wollen. Wer in seinem Zug von einem Haus herunterspringt, erhält Punkte entsprechend der erreichten Höhe. Diese Punkte läuft man auf einer kurzen Laufstrecke. Ziel des Spiel ist es, zuerst die goldene Mülltonne am Ende zu erreichen. Es ist recht interaktiv, da man durch seine eigenen Bewegungen andere Figuren wegschubsen kann. Sowohl von den Positionen an den Hauswänden nach unten, als auch auf der Laufstrecke nach hinten. An den Hauswänden lassen sich Figuren auch durch spezielle Karten wegschubsen. Nur auf größeren Gemeinschaftsfeldern ist man davor sicher. Ein einfaches, schnelles Spiel mit gewissem Ärgerfaktor, ist für drei bis vier Spieler bestimmt eine witzige Angelegenheit. Dann klettert nämlich auch keine Dummy-Figur mit.

Raccoon Robbers Spielsituation
Raccoon Robbers Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Zum Schluss gab es endlich wieder eine Partie (Das verrückte) Labyrinth, welches ich als Kind liebte. Seit kurzem gibt es den Klassiker auch als kooperative Team-Edition. Das wollte ich doch mal selbst ausprobieren. Dabei spielt man nicht mehr gegeneinander, sondern gegen Deadalus, den Geist des Labyrinths. Man hilft sich beim Verschieben der Gänge, damit alle möglichst schnell zu ihren Objekten gelangen können. Doch der Geist sorgt dafür, Plättchen auf eine Geröllseite umdrehen zu müssen und schiebt selbst alles wild durcheinander. Geröll lässt die Spieler stoppen. Nur wer seine Bewegung darauf beendet, darf das Plättchen zurückdrehen. Man darf Geröll-Plättchen nicht vorsätzlich herausschieben, wird also in seinem Optionen im Laufe des Spiels eingeschränkt, wenn man Geröll nicht wieder entfernt. Außerdem sollte man sich merken, unter welchem Geröll Objekte liegen, die man noch benötigt.

Labyrinth Team-Edition Spielsituation
Labyrinth Team-Edition Spielsituation / Foto: Brettspielpoesie

Neben dem Einschieben von Plättchen ist es auch erlaubt die Ausrichtung eines Plättchens zu ändern, um sich effizient durch das Labyrinth zu bewegen. Zumindest in der einfachen Einstiegsvariante, später gibt es individuelle Zusatzoptionen für alle Spieler. Das machte schon Spaß, aber es bleibt auch ein Labyrinth-Spiel, das sich für mich irgendwie “ausgenudelt” anfühlt. Trotzdem finde ich es spannend, dass sich in letzter Zeit die kooperativen Varianten zu bekannten kompetitiven Spielen mehren. Vielleicht ist dies ein neuer Trend?

Herde - Neuzugänge

Oak

(Wim Goossens, Game Brewer)

Oak reiht sich ein in die vielen aktuellen Spielen zu Naturthemen. Ich finde dieses Worker Placement-Spiel vom Verlag Game Brewer optisch sehr ansprechend. Sowohl das Cover, als auch den zentralen Spielplan, ziert eine große Eiche inmitten einer Lichtung eines Waldes. Um diese herum tummeln sich Druiden, welche die Spieler als Arbeiter einsetzen, um Aktionen auszuführen.

Durch winzig kleine Upgrades, die den Druidenfiguren aufgesetzt oder angehängt werden, lassen sich diese spezialisieren. Dies klingt nach einem frischen Ansatz für ein solches Spiel. Wobei ich etwas skeptisch bin, wie lange diese kleinen Plastikteile halten, wenn sie immer wieder auf- und abgesetzt werden. Aber bislang erscheint das Material strapazierfähig.

Findorff

(Friedemann Friese, 2F Spiele)

Ebenso wie man Game Brewer als Wundertüte bezeichnen könnte, gilt dies auch für 2F Spiele, dem Verlag in dem Friedemann Friese die meisten seiner Spielideen veröffentlicht. Denn der Autor mit den auffallend grünen Haaren ist immer wieder für eine Überraschung gut. Und die Optik seiner Spiele spaltet oft die Spielergemeinde. Ich mag die Spiele von 2F Spiele dafür, dass sie eben so aussehen, wie sie aussehen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, man erkennt auf den ersten Blick, von welchem Verlag und Autor es stammt. Und Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, ich bin da breit aufgestellt wenn es um Brettspiel-Illustrationen geht. Daher verteidige ich vehement die Optik eines Faultier oder Faiyum. Aber bei Findorff fällt dies sogar mir schwer. Denn was die zuvor genannten Spiele möglicherweise zu viel an Farbe abbekommen haben, fehlt in Findorff.

Der zentrale Spielplan kommt eher farblos daher. Illustriert hat ihn auch nicht Harald Lieske, sondern Lars-Arne “Maura” Kalusky, den man von anderen 2F-Spielen wie Frisiert! oder Feierabend kennen könnte. Satte Farbe kommt erst bei den Karten und den zugehörigen Gebäudeplättchen ins Spiel. Diese sind größtenteils für das Spiel völlig überflüssig, denn die Gebäude werden durch das Ausspielen von Karten gebaut und verbleiben vor dem jeweiligen Spieler. Man bräuchte die meisten dieser Plättchen also gar nicht.

Zusätzlich bekommt der Spielplan Farbe, indem bis zu fünf Spieler ihre bunten Häuser platzieren. Wo sie diese platzieren, ist spieltechnisch auch völlig unerheblich. Es gibt zwar einige Plätze, wenn diese jedoch nicht ausreichen, platziert man sie einfach woanders. Friedemann Friese und seine Eigenheiten.

Das Spiel, bei dem man den Bremer Stadtteil Findorff mit Gebäuden und zwei Bahnstrecken errichtet, muss ich noch häufiger spielen, denn nach der ersten Partie habe ich gerade mal das Gefühl, annähernd verstanden zu haben, was die Idee dahinter ist und kann erst in weiteren Partien versuchen erfolgreich zu spielen. Es kommt der aus Funkenschlag bekannte Marktmechanismus beim Torfmarkt zum Einsatz. Zusätzlich versuchen die Spieler durch verbessern ihrer Aktionen eine effizienten Engine aufzubauen, um die meisten Siegpunkte bringenden Häuser errichten zu können, bevor die Partie endet. Was am Ende schneller passieren kann, als einem lieb ist.

Grasen - Frische Spieleindrücke

The Great Split

(Hjalmar Hach, Lorenzo Silva – Horrible Guild)

Der Titel The Great Split sagt eigentlich schon alles, worum es in diesem Spiel geht: Über sieben Runden werden Karten aufgeteilt, nach dem bekannten “I split, you choose”-Prinzip. Jeder hat eine Kartenhand, die in zwei Stapel gruppiert wird, dazwischen kommt eine Trennkarte. Dieser Stapel geht dann in einem Pappumschlag an den linken Nachbarn, der sich für eine Hälfte des Stapels entscheidet und diese an sich nimmt. Die restlichen Karten gehen im selben Umschlag zurück. Man selbst erhält ebenfalls Karten und wählt eine Hälfte. Im Anschluss an die Wahl der Karten gibt es die darauf abgebildeten Ressourcen, welche man auf den eigenen Tableaus markiert. Dies sind hochwertige Double-Layer-Boards mit verschiedenen Ressourcenleisten. Dagegen wirken die Pappumschläge weniger wertvoll und haltbar, ob dieser allererste Eindruck sich bestätigt, werden weitere Partien zeigen.

Zusätzlich zur großen Abrechnung bei Spielende gibt es zwei Zwischenwertungen für bestimmte Ressourcen. Das Spiel ist wirklich reduziert auf den Teilen-Mechanismus, davon abgesehen ist es bloß eine Ressourcensammelei. Ich kann verstehen, wenn Spieler zu dem Schluss kommen, ihnen reicht das nicht für anhaltenden Spielspaß. In unsere Runde mit weniger spielerfahrenen Personen zu sechst hatten wir alle sehr viel Spaß dabei. Es folgte direkt eine weitere Partie und auch Tage später bekam ich Bestätigungen, dass dieses Spiel einen nachhaltig guten Eindruck hinterlassen konnte.

Terracotta Army

(Adam Kwapiński, Przemysław Fornal – Board and Dice)

Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich mich bei Brettspielen oft von Äußerlichkeiten leiten lasse. Als die ersten Bilder von Terracotta Army auftauchten, ist es in meiner Gunst direkt gefallen, da es viele Plastikminiaturen enthält, Und davon bin ich wahrlich kein Freund. Dennoch klangen die Stimmen zu diesem Spiel recht positiv und das Aktionsrad durchaus reizvoll. Und was soll ich nun, nach den ersten Partien dazu sagen? Mir gefällt das Spiel.

Die Statuen genannten Miniaturen, platzieren die Spieler auf einem Feld und versuchen dabei Mehrheiten in Gruppen gleicher Art zu erzielen. Das Aktionsrad besteht aus drei Ebenen, von denen sich zwei drehen lassen. Man führt die drei Aktionen immer von der Mitte nach außen hin aus. Vor der ersten Aktion gibt es die Möglichkeit das obere oder das mittlere Rad gegen Bezahlung in bestimmter Richtung zu drehen und damit die zur Verfügung stehenden Aktionskombinationen zu verändern. Das betrifft natürlich auch folgende Spieler, die daher erst so richtig planen können, wenn sie selbst am Zug sind.

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